SelbstverwalterInnen im Porträt

Manfred Haberzeth

Manfred Haberzeth

Manfred Haberzeth, Jahrgang 1949, war zunächst Leiter des kommunalen Einwohnermeldeamts und über 25 Jahre Betriebsrat in der ÖTV und bei ver.di, wo er lange Zeit hauptamtlicher Geschäftsführer im Bezirk Oberpfalz war. Heute ist er in der Region ehrenamtlicher Seniorenvertreter und Vorsitzender des Senioren-Ausschusses. Seine gewerkschaftliche Arbeit, für ver.di etwa die Betreuung der Fachbereiche Sozialversicherung und Gesundheitswesen, passte nur zu gut zu seiner Arbeit in der Selbstverwaltung. Seit den 70er-Jahren ist Manfred Haberzeth in den verschiedenen Gremien der Agentur für Arbeit in Weiden engagiert und ebenso lange in der sozialen Selbstverwaltung der Gesetzlichen Krankenkasse aktiv; zuletzt im Direktionsbeirat der AOK in Weiden. 2017 kandidiert Manfred Haberzeth nicht mehr bei den Sozialwahlen – seine langjährige Erfahrung in der sozialen Selbstverwaltung kann neuen Kandidaten und Kandidatinnen Lust auf ein gewerkschaftliches Aufgabenfeld machen, das oft nicht ganz so stark im Blickfeld steht wie die betriebliche Mitbestimmung. „Gerade die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung braucht eine gesunde Mischung aus Jung und Alt, Frauen und Männer, die vor allen Dingen kompetent mitarbeiten”, betont Haberzeth im Gespräch.

Warum es ihm wichtig ist, die Bedeutung der Arbeit in der Selbstverwaltung in allen Bereichen der Sozialversicherung kontinuierlich – auch abseits der anstehenden Sozialwahlen – sichtbar zu machen, liest man aus allen Antworten des „alten Hasen“ heraus:

 

Selbstverwaltung was ist das?

Die Sozialversicherungssysteme sind so gestaltet, dass die Versicherten im Rahmen der Gesetze mitreden und mitverantworten können. Und das tun wir in der Selbstverwaltung!

Gewerkschafter*innen in der Selbstverwaltung vertreten die Interessen der Versicherten. Was heißt das konkret?

Egal, in welchem Versicherungsbereich – Arbeitslosen-, Kranken-, Renten- oder Unfallversicherung – es geht um die korrekte Anwendung der gesetzlichen Leistungen. Aber auch um Anregungen, vorhandene Lücken der Versorgung zu schließen. Deutlich wird dies besonders in den Widerspruchsausschüssen. Lücken schließen wir auch mit der Arbeit der Versichertenberater, die möglichst wohnortnah erreichbar sein sollten. Aus den Kenntnissen über die Sorgen und Nöte der Versicherten werden dann im Weiteren auch Gesetzesinitiativen.

ver.di sagt: Gewerkschaftsvertreter*innen in der Selbstverwaltung sind die idealen Versichertenvertreter. Warum?

Sie sind Fachleute im Sozialversicherungs- und Arbeitsrecht. Diese geballte Kompetenz gewährleistet eine starke Interessenvertretung gegenüber den Leistungsträgern. Die Erfahrungen aus der gewerkschaftlichen Vertretungsarbeit sind auch für die Vertretung vor den Arbeits- und Sozialgerichten wichtig. Versichertenberatung umfasst Arbeits-, Sozial- und Verwaltungsrecht. Gewerkschafter kennen sich damit aus!

Selbstverwalter_innen im Porträt Manfred Haberzeth  –

Viele Versicherte sagen uns: Ich weiß gar nicht, was meine Selbstverwalter für mich machen. Wie und wo können sie von Deiner Arbeit erfahren?

Die enge gewerkschaftliche Bindung schafft die Möglichkeit Informationsveranstaltungen durchzuführen, regelmäßige Berichterstattung in der Öffentlichkeit zu gewährleisten und betriebs- und ortsnahe Beratungsangebote durchzuführen. Versichertenberater und Mitglieder der Selbstverwaltung sind vor Ort präsent.

ver.di hat einen kleinen Cartoon-Film gemacht, um über die Aufgaben in der Sozialversicherung zu informieren. Welches Bild in unserem Viola-Clip gefällt Dir am besten?

Der Film streift alle Systeme der sozialen Selbstverwaltung – Viola baut den „griechischen Tempel“ aus allen vier Säulen. Da bleibt bei mir hängen, dass die einzelnen Zweige im Detail recht unterschiedlich sind. In der Arbeitslosenversicherung gibt es keine Parität – da ist die öffentliche Hand als dritte Bank in der Selbstverwaltung vertreten. In der Krankenversicherung gibt es zwar Parität, aber leider nicht mehr in der Finanzierung. Wir müssen deshalb mit unseren Leistungen aufzeigen, dass gewerkschaftliche Arbeit für die Versicherten in allen Bereichen die beste Lösung ist. Vertretung in der Selbstverwaltung, arbeits- und sozialrechtliche Vertretung, Unterstützung mit Gutachten und Versichertenberatung vor Ort gehören zusammen und sind konkurrenzlos und immens wichtig. Dafür wirbt Viola, die Versichertenälteste, in einer Weise, die auch Nicht-Fachleuten zeigt, worum es geht.

Du bist in verschiedenen Zweigen der Selbstverwaltung aktiv. Was war die spannendste Erfahrung in diesen Aufgaben?

Die spannendsten Aufgaben – die waren von Versicherungsträger zu Versicherungsträger sehr unterschiedlich. In der Arbeitsverwaltung – ich bin dort im Verwaltungs- und Personalausschuss der Agentur für Arbeit in Weiden engagiert – konnten wir in einer strukturschwachen Region viele Maßnahmen initiieren und Arbeitslose in Beschäftigung bringen. Gewerkschaften, Arbeitsverwaltung und Kommunen haben gemeinsam ein kommunales Entwicklungszentrum geschaffen, mit dem in die Zukunft gerichtete Arbeit geschaffen und gesichert wurde. In der Rentenversicherung stehen wir den Versicherten aktuell besonders beim Übergang aus aktiver Arbeit, Arbeitslosigkeit oder Krankheit in die Rente zur Seite. Hier kann viel falsch laufen. Niemand kann es sich leisten, auch nur 1 € zu verschenken.

Für mich verzahnt sich diese Beratungsarbeit mit unserem ver.di-Rechtsbeistand vor den Arbeits- und Sozialgerichten. Vielleicht wissen gar nicht alle Mitglieder, wie erfolgreich wir da sind?!

Seit 2011 veranstaltet ver.di alljährlich im Mai den Tag der Selbstverwaltung. Dein persönliches Motto für den Tag der Selbstverwaltung 2016?

Zunächst eher eine Bitte an die Landesbezirke: Veranstaltungen zum Tag der Selbstverwaltung sollten nicht nur von der Bundesverwaltung gestaltet zentral in Berlin stattfinden. Sie müssen auch regional durchgeführt werden, damit das Signal in der Fläche ankommt. Die Einrichtung eines solchen Tages ist sinnvoll und wirksam, wenn er unübersehbar zeigt, ver.di ist kontinuierlich, nicht nur im Umfeld der Sozialwahlen, in Sachen Selbstverwaltung unterwegs.
Das führt mich auch zu einem Motto: Selbstverwaltung schafft Transparenz – dafür stehen wir!