SelbstverwalterInnen im Porträt

Leni Breymaier

Leni Breymaier

Leni Breymaier, Jahrgang 1960, ist ausgebildete Einzelhandelskauffrau. Schon während ihrer Ausbildung war sie Jugendvertreterin, später Betriebsrätin, und ist seit den 80er Jahren hauptamtlich als Gewerkschaftssekretärin tätig. Sie war zwischen 2002 und 2007 stellvertretende Landesvorsitzende des DGB in Baden-Württemberg und arbeitet seitdem als Landesbezirksleiterin im gleichen Bundesland für ver.di. Mittlerweile wurde sie zweimal in diesem Amt bestätigt. Leni Breymaier setzt sich in ihrer gewerkschaftlichen und politischen Arbeit intensiv für Frauenfragen und für eine zukunftsträchtige Alterssicherungspolitik ein – als unermüdliche Kämpferin für soziale Gerechtigkeit. Mit der ihr eigenen Unerschrockenheit tritt sie auch in der sozialen Selbstverwaltung für die Rechte der Versicherten ein.

Leni Breymaier ist Vorstandsmitglied der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg und hat – trotz all dieser Aufgaben – Zeit gefunden, unseren Fragebogen auszufüllen:

Selbstverwaltung was ist das? Deine Antwort in 140 Zeichen.

Privatwirtschaftliche Unternehmen haben einen Aufsichtsrat, dieser vertritt die Interessen der Anteilseigner und die der Arbeitnehmer_innen. Die Selbstverwaltung übernimmt diese Aufgabe für die sozialen Sicherungssysteme und vertritt die Interessen der Versicherten.

GewerkschafterInnen in der Selbstverwaltung vertreten die Interessen der Versicherten. Was heißt das konkret?

Gewerkschaftliche Positionen werden nach einer breiten Debatte am Ende eines Abwägungsprozesses gefunden. Sie entsprechen gewerkschaftlichen Grundüberzeugungen. Wir stehen dafür, dass es den Menschen auch gut gehen muss, wenn die drei großen Lebensrisiken eintreten: arbeitslos zu sein, krank oder pflegebedürftig zu werden. Auch wenn wir alt sind, wollen wir gut leben können.

Selbstverwalter_innen im Porträt Leni Breymaier  –

ver.di sagt: GewerkschaftsvertreterInnen in der Selbstverwaltung sind die idealen Versichertenvertreter. Warum?

Nun, ein Verband mit gerade mal tausend Mitgliedern ist ja kein wirklicher Arbeitnehmer_innen-Verband. Gewerkschaften arbeiten nicht nur transparent, sie sind vor allem dazu da, die Interessen ihrer Mitglieder und der Arbeitnehmerschaft zu vertreten. Versicherte sind Menschen, die in der Regel nichts anderes zu verkaufen haben, als ihre zwei Hände und ihren Kopf. Die Risiken, die eine Erwerbsbiografie begleiten und die solidarische Absicherung im Alter haben wir nicht nur in unserer täglichen Arbeit bei ver.di im Blick; in der sozialen Selbstverwaltung sind sie unmittelbar gestaltbar. Darum, mit diesem doppelten Blick, sind Gewerkschaftsvertreter_innen die besten Versichertenvertreter_innen. Die Arbeitswelt und die Sozialversicherungen gehören zusammen. Darum sind Gewerkschafter_innen die kompetenten Vertretungen.

Viele Versicherte sagen uns: Ich weiß gar nicht, was meine Selbstverwalter für mich machen. Wie und wo können sie von Deiner Arbeit erfahren?

Wir arbeiten im Kreis der Selbstverwalter an einer guten Präsentation unserer Arbeit. Zum Beispiel im Internet. Wer Näheres von mir erfahren möchte, kann mich gerne direkt ansprechen.

ver.di hat einen kleinen Cartoon-Film gemacht, um über die Aufgaben in der Sozialversicherung zu informieren. Welches Bild in unserem Viola-Clip gefällt Dir am besten?

Der Ton gefällt mir, Viola nimmt sich selbst nicht so ernst. Allein das Anvisieren der alten Männer mit dem Fernglas – „uns ver.di-Frauen fiel auf, dass überwiegend Männer in der Selbstverwaltung sitzen, fast keine Frauen, kaum junge Leute“–, ist mit einem Trommelwirbel unterlegt und bekommt in seiner übertriebenen Drastik eine selbstironische Note. Es gibt viel zu tun, aber es macht auch Spaß zu gestalten!

Du bist in der Selbstverwaltung der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg alternierende Vorsitzend im Personalausschuss. Seit wann hast Du diese Aufgabe und was war in dieser Zeit die spannendste Herausforderung?

Ich bin seit Sommer 2014 alternierende Vorsitzende des Personalausschusses der DRV Baden-Württemberg. Mein Ziel ist, die richtigen Leute an der richtigen Stelle zu wissen. Eine weitere Aufgabe ist der Blick auf die Arbeitssituation der Kolleginnen und Kollegen und darauf, dass es gerecht zugeht. Mehr Frauen in Führungspositionen, dafür setze ich mich auch im Personalausschuss des Vorstands ein. Eins ist sicher, dieses Thema bleibt wohl noch eine Weile auf der Tagesordnung.

Seit 2011 veranstaltet ver.di alljährlich im Mai den Tag der Selbstverwaltung. Dein persönliches Motto für den Tag der Selbstverwaltung 2016?

Halbe-halbe (beim Versicherungsbeitrag, bei den Jobs, auf allen Ebenen)