SelbstverwalterInnen im Porträt

Henning Reimann

Henning Reimann

Henning Reimann, Jahrgang 1961, ist ausgebildeter Elektroinstallateur. Nach einer Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker arbeitet er seit Anfang der 90er-Jahre in verschiedenen technischen Bereichen der Bundeswehr. Seit 2012 ist Henning Reimann ausgebildete Fachkraft für Arbeitssicherheit. Sein gewerkschaftliches Engagement­ – heute im Vorstand des Fachbereichs „Bund und Länder“ im ver.di Bezirk Augsburg  –  reicht ebenfalls bis in die 90er-Jahre zurück. Früh war er Vertrauensmann bei der ÖTV und viele Jahre im Personalrat und in der Schwerbehindertenvertretung aktiv. Neben seinem Engagement im örtlichen Kirchenvorstand, neben seinen Aufgaben als Schöffe am Amtsgericht und als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Augsburg ist Henning Reimann für ver.di seit 2013 auch als Selbstverwalter in der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Schwaben.

Wie sich diese Aufgaben verzahnen, welche Expertise er für seine Arbeit in der Selbstverwaltung gut gebrauchen kann, und warum diese ehrenamtliche Arbeit für ihn wichtig ist, davon hat uns Henning Reimann im Gespräch berichtet:

Selbstverwaltung was ist das?

Selbstverwaltung bedeutet, dass wir als Beitragszahlerinnen und Beitragszahler das Recht haben, Einfluss auf die Entscheidungen unserer Sozialversicherungsträger zu nehmen. Der Gesetzgeber legt die wesentlichen Rahmenbedingungen für unser Sozialversicherungssystem fest. Die Selbstverwaltung füllt diese Rahmenbedingungen aus, indem sie die Haushalte der jeweiligen Sozialversicherungsträger (Einnahmen/Ausgaben) kontrolliert und wichtige Entscheidungen in den Bereichen Finanzen, Personal, Leistungen, Organisation und Rehabilitation fällt.

Damit unsere Sozialkassen nicht ausschließlich in der Hand der Politik liegen, sind die Gremien der Selbstverwaltung der Ort, an dem die Sicht der Betroffenen Einzug erhält. So können wir im Vorfeld anstehender neuer gesetzlicher Regelungen aktiv in die Entscheidungsprozesse der Politik eingreifen.

Gewerkschafter*innen in der Selbstverwaltung vertreten die Interessen der Versicherten. Was heißt das konkret?

Damit die Nähe zu den Versicherten gewährleistet ist, benennen Gewerkschaften engagierte, geeignete Gewerkschaftsmitglieder als Kandidatinnen und Kandidaten für die Sozialwahlen, die sich dann bei den Trägern der Sozialversicherung – bei Renten-, Kranken- und Unfallversicherung zur Wahl stellen. Die Gewerkschafter haben Erfahrungen mit den Themen, die in den Gremien der Selbstverwaltung diskutiert werden und vertreten  mit dieser Expertise die Interessen der Versicherten.

ver.di sagt: Gewerkschaftsvertreter*innen in der Selbstverwaltung sind die idealen Versichertenvertreter. Warum?

Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter haben durch Ihre Einbindung in die Betriebe und ihr gewerkschaftliches und soziales Engagement eine hervorragende Qualifikation, um die Belange der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler in den Selbstverwaltungsgremien zu vertreten.

Selbstverwalter_innen im Porträt Henning Reimann  –

Viele Versicherte sagen uns: Ich weiß gar nicht, was meine Selbstverwalter für mich machen. Wie und wo können sie von Deiner Arbeit erfahren?

Die beste Möglichkeit, etwas über die Selbstverwalter und ihre Arbeit zu erfahren, ist sicherlich die Selbstverwalter*innen direkt zu fragen. Aber auch die jeweiligen Sozialversicherungsträger stellen auf ihren Internetseiten (DRV Schwaben) Geschäftsberichte und weitere Informationen über die Arbeit in der Selbstverwaltung für jeden zur Einsicht bereit. Die Geschäftsberichte bieten eine hervorragende Möglichkeit, ohne großen Aufwand eine Übersicht über die Aktivitäten des Sozialversicherers und seiner Selbstverwaltungsgremien zu bekommen.

ver.di hat einen kleinen Cartoon-Film gemacht, um über die Aufgaben in der Sozialversicherung zu informieren. Welches Bild in unserem Viola-Clip gefällt Dir am besten?

In dem Viola-Clip gefällt mir das Bild am besten, das die paritätische Besetzung der Selbstverwaltung zeigt. Auf einer Seite der Waage die Arbeitgebervertreter*innen und auf der anderen Seite der Waage die Arbeitnehmervertreter*innen. Bei diesem Bild musste ich still in mich hineinlächeln, weil der Tagungsraum, in dem die Vertreterversammlung der DRV Schwaben tagt, haargenau so besetzt ist: Auf der einen Seite sitzen brav die Arbeitnehmervertreter und auf der anderen Seite die Arbeitgebervertreter. Ich freue mich, dass wir trotz der „strengen“ Sitzordnung zum Wohle aller Beitragszahler*innen ein sehr gutes Miteinander mit den Arbeitgebervertretern pflegen!

Du bist in der Selbstverwaltung der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Schwaben aktiv. Was war in dieser Aufgabe die spannendste Erfahrung?

Aus verschiedenen Gründen war die Vertreterversammlung, in der ich mitarbeite, gezwungen, über den Verkauf einer Rehaklinik zu entscheiden. In vielen Sitzungen wurde über die Kosten der Schließung für die Rentenversicherung (und damit der Beitragszahler) und über die sozialen Folgen für die noch verbliebenen Beschäftigten in der Rehaklinik beraten. Schließlich wurde für die Rehaklinik ein akzeptabler Preis ausgehandelt und auch für die Beschäftigten eine tragbare Lösung gefunden. Das war nicht leicht, aber das gemeinsame Ringen um eine gute Lösung für alle hat sich gelohnt.

Seit 2011 veranstaltet ver.di alljährlich im Mai den Tag der Selbstverwaltung. Dein persönliches Motto für den Tag der Selbstverwaltung 2016?

Mein persönliches Motto für den Tag der Selbstverwaltung lautet: Sozialwahlen? Mitgestalten!