SelbstverwalterInnen im Porträt

Manfred Wirsch

Manfred Wirsch

Manfred Wirsch, Jahrgang 1959, ist von Haus aus Fachkraft für Arbeitssicherheit im Stahlhandel. Dank seines Engagements in der Selbstverwaltung  als Vorstandsvorsitzender der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) und (seit 2014) als Vorstandsvorsitzender bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dem Spitzenverband der Unfallversicherung  kommt er freilich kaum noch zum operativen Geschäft. Sein gewerkschaftlicher Lebenslauf wirkt im Rückblick wie die perfekte Vorbereitung auf diese Ämter: Seit Anfang der 90er Jahre zunächst in der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherung aktiv, die 2001 in ver.di aufging, hatte Manfred Wirsch viele herausfordernde Funktionen inne – vom Betriebsrat und Gesamtbetriebsrat der ArcelorMittal Distribution bis zum Bezirksvorsitzenden von ver.di in Essen. Im Gewerkschaftsrat der ver.di, in den er in diesem Spätsommer erneut gewählt wurde, steht Wirsch für fachbereichsübergreifende Netzwerkarbeit. Gerade weil Manfred Wirsch überall in den höchsten Organen der Interessenvertretung angekommen ist, kann er seine langjährige Erfahrung in den unterschiedlichen Gremien für ver.di jetzt sehr gezielt einsetzen und mit dieser Expertise die Grundausrichtung der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen mit beeinflussen.

Er hat uns bei der Beantwortung des Fragebogens von seiner Arbeit für den Gesundheits- und Arbeitsschutz berichtet:

Selbstverwaltung was ist das? Deine Antwort in 140 Zeichen.

Selbstverwaltung ist ein unverzichtbarer Beitrag zur Gestaltung guter Arbeitsbedingungen in Betrieben und Verwaltungen.

GewerkschafterInnen in der Selbstverwaltung vertreten die Interessen der Versicherten. Was heißt das konkret?

GewerkschafterInnen in der Unfallversicherung initiieren Beschlüsse zu guter Präventionsarbeit, mit dem Ziel Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren entgegenzuwirken. Und falls doch etwas passiert  wirksam und nachhaltig für Hilfe zu sorgen. Sie setzen sich nicht zuletzt für eine faire Behandlung der Versicherten in den Renten- und Widerspruchsausschüssen ein.

Selbstverwalter_innen im Porträt Manfred Wirsch  –

ver.di sagt: GewerkschaftsvertreterInnen in der Selbstverwaltung sind die idealen Versichertenvertreter. Warum?

Weil sie ihr Ohr bei den Bedürfnissen der KollegInnen haben. Denn unsere Arbeit in der Selbstverwaltung ist immer eng mit der Lebenswirklichkeit der Menschen verzahnt. Praktische und branchenspezifische Erfahrungen aus den Betrieben gepaart mit der breiten Expertise, die eine gewerkschaftliche Arbeit erfordert und fördert, ist für die Interessenvertretung der Versicherten eine unschlagbare Kombination. Die Aufgabe der Selbstverwaltung in der Unfallversicherung ist eine praxisnahe Ausgestaltung von Prävention und Rehabilitation zu gewährleisten. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen beraten die Unternehmen zum Thema Arbeitsschutz. Aber woher wissen sie, was Millionen Unternehmen und Beschäftigten belastet? Am ehesten durch die ver.di-SelbstverwalterInnen!

Viele Versicherte sagen uns: Ich weiß gar nicht, was meine Selbstverwalter für mich machen. Wie und wo können sie von Deiner Arbeit erfahren?

Über die Veröffentlichungen der Berufsgenossenschaft (http://www.bghw.de) und der DGUV (http://www.dguv.de/de/index.jsp) und über Zeitschriften wie die BGHW Aktuell (https://www.bghw.de/medien/bghw-aktuell-die-zeitschrift-fuer-mitgliedsbetriebe), DGUV Kompakt (http://www.dguv.de/de/mediencenter/DGUV-Kompakt/index.jsp) und Soziale Sicherheit  (http://www.bund-verlag.de/zeitschriften/soziale-sicherheit).

ver.di hat einen kleinen Cartoon-Film gemacht, um über die Aufgaben in der Sozialversicherung zu informieren. Welches Bild in unserem Viola-Clip gefällt Dir am besten?

Die Wippe mit Arbeitgebern und Gewerkschaftern, denn eine paritätische Organisation der sozialen Sicherungssysteme war nicht immer selbstverständlich, wie der schöne Clip ja ebenfalls zeigt. Die Wippe veranschaulicht, die soziale Selbstverwaltung ist je zur Hälfte mit Vertretern der Arbeitgeber und denen der Arbeitnehmer besetzt. Auch der Vorsitz im Vorstand wechselt jährlich zwischen dem Vertreter der Versicherten und dem der Arbeitgeber. Diese Balance sichert Vertrauen und tragfähige Kompromisse.

Du bist in der Unfallversicherung als Vorstandsvorsitzender der BGHW und der DGUV aktiv. Seit wann hast Du diese Aufgabe und was war in dieser Zeit die spannendste Herausforderung?

Ich bin seit 2008 Vorstandsvorsitzender der BGHW. Diese entstand durch die Fusion von Großhandels- und Lagerei-Berufsgenossenschaft und Berufsgenossenschaft für den Einzelhandel, die, wie an dieser Stelle schon oft beschrieben, tatsächlich eine große Herausforderung war. Die rund 410.000 Unternehmen der Branchen Einzelhandel, Großhandel und Warenverteilung mit ca. 4,1 Millionen Versicherten werden seit dem 1. Januar 2008 durch die Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW) betreut. Seit 2014 bin ich ebenfalls (alternierender) Vorstandsvorsitzender der DGUV. Der Vorstand des Spitzenverbands der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist ebenfalls paritätisch organisiert und setzt sich aus je acht Sitzen der Berufsgenossenschaften und vier Sitzen der Unfallkassen zusammen. Neben der kontrollierenden Funktion werden hier grundsätzliche Entscheidungen zur Ausrichtung der Unfallversicherung getroffen. Wir setzen auf Prävention als wichtigsten Baustein für einen vorausschauenden Arbeits- und Gesundheitsschutz. In diesem Sinne ist die Gründung des gemeinnützig orientierten Klinikverbunds der Gesetzlichen Unfallversicherung, der durch den Zusammenschluss von zwölf derzeit autonomen Klinikträgern der Unfallversicherung entstehen wird, ein wichtiger Schritt. Statt auf Rendite, setzen wir mit diesem Klinikgesamtkonzept auf eine optimale und integrative medizinische Behandlung. Die Klinikholding wird selbstverwaltet geführt, GewerkschafterInnen bestimmen mit. Dabei haben wir auch die Interessen der dort Beschäftigten ganz anders im Blick, als es in vielen Kliniken heute üblich ist. Die von den Selbstverwalterinnen und Selbstverwaltern mitgetragene Neuorientierung der BG-Kliniken wird für die Patienten zu spürbarer Qualitätssicherung führen und zeigt einen vorbildlichen Weg im Gesundheitssystem auf.

Seit 2011 veranstaltet ver.di alljährlich im Mai den Tag der Selbstverwaltung. Dein persönliches Motto für den Tag der Selbstverwaltung 2016?

ver.di-Selbstverwalter für gute Arbeit!