SelbstverwalterInnen im Porträt

Jeanine Bochat

Jeanine Bochat

Jeanine Bochat, Jahrgang 1948, ist seit 1966 gewerkschaftlich aktiv. Nach einer Ausbildung zur Schaufenstergestalterin wechselte sie zur vormaligen Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (heute: Deutsche Rentenversicherung Bund) und arbeitete nach einigen Jahren familienbedingter beruflicher Auszeit beim Sozialverband VdK Berlin. Ihr Lebenslauf war durchgängig von gewerkschaftlichem Engagement begleitet: Jeanine Bochat war Jugendvertreterin im KaDeWe, Betriebsratsmitglied bei Wertheim-KuDamm und stellvertretendes Personalratsmitglied bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. Heute, im Ruhestand, ist Jeanine Bochat für ver.di nicht nur ehrenamtliche Richterin am Landessozialgericht Berlin-Brandenburg, sondern auch Versichertenberaterin und Mitglied im Widerspruchsausschuss der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund) und meint dazu: „Durch Schulungen und meine Arbeit bei der BfA, die ja heute DRV Bund heißt, fiel es mir leicht, den Vorschlag meiner Gewerkschaft anzunehmen, als Versichertenälteste tätig zu werden. Diese Arbeit macht Sinn und Freude.“

 

Selbstverwaltung was ist das?

Für mich bedeutet soziale Selbstverwaltung Mitbestimmung und Basisdemokratie.

Gewerkschafter*innen in der Selbstverwaltung vertreten die Interessen der Versicherten. Was heißt das konkret?

Für mich steht, da ich in der Rentenversicherung aktiv bin, das Beraten und Unterstützen von Versicherten in Rentenangelegenheiten im Vordergrund. Zurzeit beschäftigt die Menschen vor allem die Frage, wann kann ich in Rente gehen? Ich helfe den Versicherten dabei entsprechende Anträge auszufüllen, aber berate sie auch in unklaren Lebenssituationen, zum Beispiel, wenn das Krankengeld ausläuft, die Versicherte aber noch nicht wieder arbeitsfähig ist. Die Interessen der Versicherten werden aber – das will ich betonen – genauso konkret und wirksam in den Widerspruchsausschüssen der Rentenversicherung, Krankenversicherung und den Unfallversicherungsträgern vertreten.

ver.di sagt: Gewerkschaftsvertreter*innen in der Selbstverwaltung sind die idealen Versichertenvertreter. Warum?

Ich sehe vor allem zwei Gründe: Erstens, weil uns durch gute Schulungen von ver.di das nötige Rüstzeug für unsere Arbeit gegeben wird. Und zweitens, da wir über die allgemeine gewerkschaftliche Arbeit ein Reservoir an konkretem sozialpolitischen Wissen sammeln, kommt auch das den Versicherten in den einzelnen Sozialversicherungsträgern sehr zugute.

Selbstverwalter_innen im Porträt Jeanine Bochat  –

Viele Versicherte sagen uns: Ich weiß gar nicht, was meine Selbstverwalter für mich machen. Wie und wo können sie von Deiner Arbeit erfahren?

Durch regelmäßige Sprechstunden vor Ort, die durch Mundpropaganda weitergetragen werden, Aushänge in der Umgebung und Ankündigungen in den örtlichen „Käseblättchen“.

ver.di hat einen kleinen Cartoon-Film gemacht, um über die Aufgaben in der Sozialversicherung zu informieren. Welches Bild in unserem Viola-Clip gefällt Dir am besten?

Mir gefällt vor allem die Passage, in der es darum geht, Mehrheiten zu bilden, also die Szenen, in denen die Gewerkschafter*innen in der Selbstverwaltung mit den Arbeitgebervertretern zusammenarbeiten. Statt immer und überall einen Konfrontationskurs zu fahren, das zeigt meine eigene Erfahrung, erreichen wir in vielen Fällen für die Versicherten gemeinsam insgesamt mehr.

Du bist in der Selbstverwaltung der DRV Bund als Versichertenälteste und im Widerspruchsausschuss aktiv. Was war die spannendste Erfahrung in diesen Aufgaben?

Ich kann den Versicherten im Widerspruchsausschuss durch gründliches Lesen der Bescheidentwürfe und gezieltes Nachfragen bei der Verwaltung wirklich zu ihrem Recht verhelfen. Hier können wir über Nachbesserungen entscheiden, abwägen, ob eine Leistung außerhalb des „Katalogs“ nicht in diesem Fall doch gewährleistet werden sollte, oder zumindest eine Schadensbegrenzung für die Versicherten erwirken. Wenn wir darstellen können, dass eine stationäre Reha-Behandlung im Einzelfall besser ist, als eine ambulante, nicht nur weil sie beispielsweise für einen alten Menschen mit einer extrem aufwendigen Anfahrt verbunden ist, überzeugt das oft die Verwaltung, die gut begründete Einzelfallentscheidung zuzulassen. Im Zweifel für den Versicherten, das ist unsere Devise!

Seit 2011 veranstaltet ver.di alljährlich im Mai den Tag der Selbstverwaltung. Dein persönliches Motto für den Tag der Selbstverwaltung 2016?

Sozialwahlen – was ist das?!
Und: Wie kann ich das Thema verständlich und publik machen?!
In diesem Sinne: Schön, dass wir miteinander reden!