SelbstverwalterInnen im Porträt

Hanna Binder

Hanna Binder

Hanna Binder, vertritt ver.di seit 2011 im Verwaltungsausschuss der Bundesagentur für Arbeit in Konstanz-Ravensburg. Dort ist die 39-jährige Volljuristin „genau an der richtigen Stelle“, um die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die der Arbeitssuchenden zu vertreten, so wie sie es sich seit Ende ihres Studiums vorgenommen hat. Bereits ihr Referendariat führte sie zum DGB-Rechtsschutz. Dort fand sie – nach verschiedenen Tätigkeiten als Rechtsanwältin – 2007 eine feste Stelle. Zwei Jahre später wechselte sie zu ver.di. Seit 2012 ist Hanna Binder Landesfachbereichsleiterin für den Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung in Baden-Württemberg. Zu ihrem Organisationsbereich gehören auch die in der Fort- und Weiterbildung Beschäftigten. Durch ihre politische Arbeit im Gemeinderat Konstanz kennt Hanna Binder nicht nur die politischen Prozesse, sondern auch viele der im Verwaltungsausschuss aktiven Kolleginnen und Kollegen, insbesondere die Vertreter der „öffentlichen Bank“. Als Vertreterin der Arbeitnehmerbank zu allen Bänken gute Kontakte zu pflegen, gehört für sie zu den Erfolgsrezepten der Selbstverwalterarbeit. Die Erfahrung lehrt: Eine gute Kooperation mit den Arbeitgebern ist bei vielen Themen zum Nutzen der Versicherten möglich und nötig. Gerade die schnelle Integration von Flüchtlingen und Geduldeten in den Arbeitsmarkt, für die sich Hanna Binder mit viel Engagement einsetzt, ist nur gemeinsam möglich.

Hanna Binder hat unseren Fragebogen beantwortet und im Gespräch von ihrer Arbeit als Selbstverwalterin in der Arbeitsverwaltung berichtet:

SelbstverwalterInnen im Porträt Hanna Binder  –

Selbstverwaltung was ist das? Deine Antwort in 140 Zeichen.

Wir übernehmen Verantwortung für die Gemeinschaft. Kooperation in der Selbstverwaltung bietet allen Seiten Schutz vor Betriebsblindheit, eine gute Vernetzung und gezielte Informationen.

GewerkschafterInnen in der Selbstverwaltung vertreten die Interessen der Versicherten. Was heißt das konkret?

Zuhören, mitdenken, einbringen.

Zuhören, wenn Versicherte Probleme haben. Dabei darüber nachdenken, ob aufgrund der geschilderten Probleme etwas geändert werden kann und Lösungsvorschläge in die Selbstverwaltung einbringen.

Zuhören, wenn die Geschäftsführung der selbstverwalteten Einrichtung Vorschläge macht, darüber nachdenken, welche Auswirkungen der Vorschlag auf die Versicherten hat und dies einbringen.

ver.di sagt: GewerkschaftsvertreterInnen in der Selbstverwaltung sind die idealen Versichertenvertreter. Warum?

GewerkschaftsvertreterInnen tragen die „Brille der Beschäftigten“. Sie haben oft und viel Kontakt zu KollegInnen, kennen ihre Sorgen und Nöte. Und sie kennen vor allem auch die Zusammenhänge unseres Systems: wie Arbeits- und Sozialrecht zusammenhängen und sich aufeinander auswirken. Gewerkschafterinnen haben auch eine besondere Spürnase, um zu entdecken, wo Arbeitgeber versuchen, Risiken auf Beschäftigte und auf das System abzuwälzen …

Viele Versicherte sagen uns: Ich weiß gar nicht, was meine Selbstverwalter für mich machen. Wie und wo können sie von Deiner Arbeit erfahren?

Wenn es „passende“ aktuelle Themen gibt, spreche ich selbst über meine Selbstverwalterarbeit, z. B. auf Betriebsversammlungen, oder wenn ich etwas gefragt werde und für die Beantwortung auf Wissen aus der Selbstverwaltung zurückgreife. Natürlich kann mich auch jeder, den das interessiert, gezielt auf meine Tätigkeit ansprechen.

ver.di hat einen kleinen Cartoon-Film gemacht, um über die Aufgaben in der Sozialversicherung zu informieren. Welches Bild in unserem Viola-Clip gefällt Dir am besten?

Mir gefällt in dem Clip am besten das Bild von Bismarck mit dem Fernglas, nachdem er sich die Idee der Unterstützungskassen abgeschaut hat.

Du bist in der Selbstverwaltung der Arbeitsverwaltung aktiv. Seit wann hast Du diese Aufgabe und was war in dieser Zeit die spannendste Herausforderung?

Seit 2011 bin ich im Verwaltungsausschuss der Bundesagentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg. Spannend war sicherlich die Zusammenlegung der Agenturbezirke Konstanz und Ravensburg. Solche verwaltungsinternen organisatorischen Fragen haben ja viele indirekte Auswirkungen auf die Arbeit und Leistungsfähigkeit der Arbeitsverwaltung vor Ort. Direkten Nutzen sehe ich aber in anderen Diskussionen, die wir führen: über die Gestaltung der Ausbildung bei der BA, über die Kriterien bei Ausschreibungen und Vergabe von Arbeitsmarktdienstleistungen und über die Frage der Förderung von Integration – ganz konkret z. B. beim Thema Sprachkurse. Es gab im letzten Jahr einen überraschenden Förderstopp für berufsbezogene Sprachkurse, die über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert und von der Bundesagentur (ebenso wie von den Jobcentern) zur Unterstützung der Arbeitsmarktintegration angeboten wurden. In Zeiten wachsender Flüchtlingsströme und hoher Arbeitsmigration ist der Wegfall eines solchen Angebots ein absolutes Unding, da Menschen, die unsere Sprache nicht verstehen, kaum in den Arbeitsmarkt integriert werden können; ihre berufliche Integration wurde durch den Förderstopp deutlich erschwert.

Da war es ganz wichtig, dass möglichst viele Akteure Druck auf die Bundesregierung ausgeübt haben und der Förderstopp letztlich aufgehoben wurde. Dabei war es hilfreich, dass in den Selbstverwaltungen Informationen der verschiedenen Akteure zusammengekommen sind und die Verwaltungsausschüsse vor Ort und der Verwaltungsrat in Nürnberg an einem Strang gezogen haben.

Seit 2011 veranstaltet ver.di alljährlich im Mai den Tag der Selbstverwaltung. Dein persönliches Motto für den Tag der Selbstverwaltung 2016?

„Sozialpartnerschaft in Wort und Tat“. Oder vielleicht noch eine Spur konkreter: „Nichts passiert von allein. Wer Sozialpartnerschaft will, muss etwas dafür tun.“