SelbstverwalterInnen im Porträt

    Dr. Horst Riesenberg-Mordeja

    Dr. Horst Riesenberg-Mordeja

    Dr. Horst Riesenberg-Mordeja, Jahrgang 1954, ist Biochemiker. Er orientierte sich nach der Promotion in Richtung Prävention und Arbeitsschutz und arbeitete zunächst als Selbstständiger, dann ab 1992 für ver.di (damals noch ÖTV) als Referent im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Seit 2002 ist Horst Riesenberg-Mordeja Referatsleiter für Arbeitsschutz/Unfallversicherung in der ver.di-Bundesverwaltung. Keine Frage, dass er sein geballtes Wissen und die langjährige Erfahrung auch in die soziale Selbstverwaltung der gesetzlichen Unfallversicherung einbringt. Seit 1995 war Horst Riesenberg-Mordeja Mitglied der Vertreterversammlung der Unfallkasse Sachsen-Anhalt; 2005 wurde er in den Vorstand der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, der Unfallkasse des Bundes und in die DGUV gewählt.

    In diesen Funktionen lässt sich die Ausrichtung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung effektiv mitgestalten und das, so hat uns Horst Riesenberg-Mordeja im Gespräch berichtet, ist nicht nur sinnvoll, und für uns alle wertvoll, sondern macht ihm bis heute zudem viel Freude.

    Selbstverwaltung was ist das?

    Selbstverwaltung in der gesetzlichen Unfallversicherung (gUV), das ist der gelebte Gestaltungsauftrag – für die Entwicklung des Trägers und für eine Unfallversicherung, die auf Prävention und Rehabilitation setzt.

    Gewerkschafter*innen in der Selbstverwaltung vertreten die Interessen der Versicherten. Was heißt das konkret?

    In Deutschland sind in der gesetzlichen Unfallversicherung alle Beschäftigten, Schüler und Schülerinnen, Studierende und Praktikant*innen, aber auch Kita-Kinder pflichtversichert. Vorrangiges Ziel der Gewerkschaften ist es, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit zu schützen und die Interessen der Versicherten mit der Kenntnis der praktischen Probleme zu vertreten. Die soziale Selbstverwaltung ist einer der Orte, an dem wir diesen Auftrag ganz konkret ausgestalten können. In der paritätischen Selbstverwaltung bedarf es der ständigen Diskussion und Auseinandersetzung mit der Arbeitgeberseite über den Umfang und Ausrichtung der Leistungen bei Beachtung des gesetzlichen Rahmens.

    Selbstverwalter_innen im Porträt Dr. Horst Riesenberg-Mordeja

    ver.di sagt: Gewerkschaftsvertreter*innen in der Selbstverwaltung sind die idealen Versichertenvertreter. Warum?

    Die einzelnen Unfallversicherungsträger agieren nicht isoliert, sondern gemeinsam unter dem Dach des Spitzenverbandes (DGUV). Auf den Verband hat der Gesetzgeber auch bestimmte Koordinierungspflichten übertragen. Nur starke Gewerkschaften sind in der Lage, die hierfür erforderliche Vernetzungsarbeit zu gewährleisten und die Qualifizierung für diese Aufgabe zu sichern. Insbesondere ver.di bietet hierfür eine ausgezeichnete Struktur. Wir haben nebenbei bemerkt nicht nur die soziale Selbstverwaltung, sondern auch die Belange der Beschäftigten der Unfallversicherungsträger im Blick.

    Viele Versicherte sagen uns: Ich weiß gar nicht, was meine Selbstverwalter für mich machen. Wie und wo können sie von Deiner Arbeit erfahren?

    Das sehe ich als Bring- und Holschuld zugleich. Die Mitglieder der Selbstverwaltungen müssen kontinuierlich und anschaulich über ihre Arbeit berichten. Der von ver.di kreierte „Tag der Selbstverwaltung“ ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Andererseits können sich Interessierte auch selber informieren. So bieten die Internetseiten der ver.di, der einzelnen Unfallversicherungsträger oder die der DGUV eine Fülle von Informationen. Bei allen wesentlichen Entscheidungen der gesetzlichen Unfallversicherung sind deren Vorstände beratend und in der Beschlussfassung beteiligt. Die Vorstandssitzungen selber sind vertraulich. Die Vertreterversammlungen als Parlament der Unfallversicherungsträger (UVT) sind dagegen öffentlich; die Berichterstattung hierzu kann sicherlich noch verbessert werden.

    ver.di hat zwei kleine Cartoon-Filme gemacht, um über die Aufgaben in der sozialen Selbstverwaltung zu informieren, und um auf die anstehende Sozialwahl 2017, die Wahl der Selbstverwaltungsorgane bei den gesetzlichen Sozialversicherungsträgern, hinzuweisen. Beide Viola-Filme sind unter www.verdi-waehlen.de zu finden. Gefällt dir eine Szene besonders? 

    Auszug aus dem Video-Clip "Violas Werbeblog für die Sozialwahlen" ver.di Auszug aus Viola-Cartoon

    Der zweite Viola-Film, in dem Viola erklärt, was Urwahlen von Friedenswahlen unterscheidet, gefällt mir persönlich besonders gut. Das Prinzip der Sozialwahlen ist sehr anschaulich dargestellt  Besonders einprägsam finde ich die Äpfel und Birnen, die für die Urwahlen und die Friedenswahlen stehen. Also unbedingt angucken! Und zeigen! Bei Sitzungen der gewerkschaftlichen Gremien oder auch in den Betriebs- und Personalversammlungen. Und damit für ver.di werben!

    Du bist in der Selbstverwaltung der Unfallkasse, im Vorstand der Verwaltungs-BG, der Unfallkasse des Bundes und im Dachverband (DGUV) aktiv. Was war in diesen Aufgaben die spannendste Erfahrung?

    Besonders hervorheben möchte ich die 2008 im Gesetz fixierte Reform der Unfallversicherung. In diesen Prozess des Gesetzgebungsverfahrens haben wir uns als ver.di sehr intensiv eingebracht. Zum einen, um die politisch gewollten Fusionen sachgerecht und sozialverträglich mitzugestalten, zum anderen, um die letztlich realisierte weitgehende Selbstständigkeit der Selbstverwaltung zu erhalten. Schließlich konnte eine Reform des Leistungsrechts verhindert werden, die schwere Einschnitte in das System gebracht hätten. Schließlich wurde auch die Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie (GDA) eingeführt, die verpflichtende Zusammenarbeit von Staat und Unfallversicherung in der Prävention, an der auch die Gewerkschaften beteiligt sind. Aufbauend auf dieser Kooperation sind derzeit die schrittweise Verankerung von psychischen Gefährdungen im Vorschriften- und Regelwerk und die zunehmende Verknüpfung von Prävention und Rehabilitation mit dem Ziel des Erhalts der Arbeitsfähigkeit die zentralen Themen, für die wir uns besonders einsetzen und die wir vorantreiben. Defizite sehe ich weiterhin vor allem bei der Regulierung von mobiler Arbeit einerseits und bei der Schaffung barrierefreier Arbeitsumgebungen andererseits. In diesen Bereichen ist noch viel zu tun.

    Seit 2011 veranstaltet ver.di alljährlich im Mai den Tag der Selbstverwaltung. Dein persönliches Motto für den nächsten Tag der Selbstverwaltung?

    „ver.di wählen“. Der Mai ist der Monat, in dem der Tag der Selbstverwaltung traditionell stattfindet. Er wird 2017 ganz im Fokus der Wahlhandlungen stehen.