SelbstverwalterInnen im Porträt

Ulf Schröder

Ulf Schröder

Ulf Schröder, Jahrgang 1981, hat seine Ausbildung bei der Deutschen Bahn AG gemacht und ist seither, zunächst als Mitglied der Jugendvertretung der DB Netz AG Hamburg, gewerkschaftlich aktiv. Es entstand eine enge Verbundenheit mit der Personalvertretung, die er nach seinem Umzug nach München bei der AOK Bayern jahrelang als Personalrat fortgeführt hat. Unter dem Leitspruch „Es gibt nicht Gutes, außer man tut es“ (aus Erich Kästners „Fabian“) weitete er dieses Engagement schnell aus: Neben vielen ehrenamtlichen und politischen Funktionen, in denen er sich für die Gleichberechtigung unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung einsetzt, ist er auch als ver.di Landesbezirksfachbereichsvorstand Sozialversicherung sowie bereits seit 2001 in der Funktion des stellvertretenden Vorsitzenden des Bezirksfachbereichsvorstands Sozialversicherung München tätig.

Wir haben Ulf Schröder über seine Arbeit in der sozialen Selbstverwaltung der gesetzlichen Unfallversicherung befragt, wo er sich seit seinem 24. Lebensjahr engagiert – in der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG). Das ehrenamtliche Engagement als Versichertenberater in der Deutschen Rentenversicherung ergänzt das Spektrum von Ulf Schröders Selbstverwalteraufgaben.

Selbstverwaltung was ist das? Deine Antwort in 140 Zeichen.

Die Selbstverwaltung in der Sozialversicherung verbindet die Vertretung von Interessen der Versicherten- und der Arbeitgebergruppen zu gleichen Teilen.

GewerkschafterInnen in der Selbstverwaltung vertreten die Interessen der Versicherten. Was heißt das konkret?

Eine starke Vertretung von Versicherten bedeutet die Verbindung zwischen übergeordneten gesellschaftlichen Fragen und den Situationen des alltäglichen Lebens. So spielt die gesetzliche Unfallversicherung bei fast jedem Versicherten oftmals täglich unbewusst eine Rolle. Egal ob es bei der Fahrt zur Arbeit, der Sicherheitsunterweisung am Arbeitsplatz, der Überquerung einer Ampel oder bei einem erlittenen Unfallleiden ist. Bewusst denken wir nur dann an diese Errungenschaft, wenn uns was passiert. Oder, wenn wir die sozialpolitische Dimension der solidarischen Sozialversicherungen im Ganzen im Blick haben. Die Vertretung dieser Interessen heißt aber auch konkret, sich mit vielen Vorschriften, Verordnungen und Gesetzen zu beschäftigen, um die begründeten Interessen der zu vertretenden Gruppe auf die Kompatibilität sowie deren Verständlichkeit und Durchsetzbarkeit zu prüfen.

Selbstverwalter_innen im Porträt Ulf Schröder  –

ver.di sagt: GewerkschaftsvertreterInnen in der Selbstverwaltung sind die idealen Versichertenvertreter. Warum?

ver.di Versichertenvertreter in der Sozialversicherung sind immer mit einem Ohr bei der von ihnen vertreten gewerkschaftlichen Basis. Durch die unterschiedlichen Beschäftigungsgruppen innerhalb der Selbstverwaltung, mit ihren jeweiligen Bedürfnissen, braucht es auch in der Interessensvertretung einen verlässlichen, aber breit aufgestellten Partner. Die Vielfalt der ver.di ist auch in diesem Bereich Gold wert.

Viele Versicherte sagen uns: Ich weiß gar nicht, was meine Selbstverwalter für mich machen. Wie und wo können sie von Deiner Arbeit erfahren?

Über meine Arbeit innerhalb der Selbstverwaltung der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) kann man sich entweder bei einer öffentlichen Sitzung der Vertreterversammlung (angekündigt wird diese auf der Seite www.vbg.de) als auch im persönlichen Gespräch informieren. Eine von mir auch immer wieder genutzte Plattform ist das von unserem ver.di Fachbereich Sozialversicherung organisierte Quartalsanfangstreffen, bei dem man in lockerer Runde offen über alle Themen, die einen bewegen, sprechen kann. Alles nach dem Motto „Tue Gutes und Rede darüber“.

ver.di hat einen kleinen Cartoon-Film gemacht, um über die Aufgaben in der Sozialversicherung zu informieren. Welches Bild in unserem Viola-Clip gefällt Dir am besten?

Der Cartoon-Film gibt einen kurzen Einblick in die Bedeutung der gesellschaftlichen Vielfalt innerhalb einer Selbstverwaltung. Und erklärt einem sehr verständlich, wie wichtig eine gute Vertretung von Interessen innerhalb der Sozialversicherung ist. Die Szene, in der für eine Vielfalt der SelbstverwalterInnen geworbene wird, weil diese „die vielfältigen Interessen, der verschiedenen Versicherten abbilden. Mehr Nähe zu den verschiedenen Versicherten“ garantieren, finde ich am besten. Echt klasse! Anschauen und weitersagen!“

Du bist in der Selbstverwaltung der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) aktiv. Seit wann hast Du diese Aufgabe und was war in dieser Zeit die spannendste Herausforderung?

Ich bin seit 2006 in der Vertreterversammlung der VBG tätig. Das sind mittlerweile fast 10 Jahre und ich war Mitglied in unterschiedlichen Ausschüssen. Seit der Sozialwahl 2011 engagiere ich mich stark im Finanzausschuss und in der Vertretung von Versicherteninteressen im Rentenausschuss der Bezirksverwaltung München.

Als spannendste Herausforderung der vergangenen Jahre sind mir die Fusionen mit unseren ehemaligen Partnern der BG Bahnen und BG Glas-Keramik zu einem gemeinsamen Unfallversicherungsunternehmen unter dem Dach der Verwaltungs-BG in Erinnerung geblieben. In diesem gut strukturierten Prozess konnte man erfahren, wie eine partnerschaftliche Fusion auf Augenhöhe und die Vertretung von verschiedenen Interessen, egal ob diese auf Arbeitgeber-, Beschäftigten- oder Versichertenseite bestanden, zu einem Zusammenwachsen verschiedener Kulturen geführt haben. Heute kann ich mit Stolz feststellen, dass die vollzogenen Fusionen der Verwaltungs-BG frischen Wind ins Unternehmen gebracht haben, von dem wir noch lange profitieren werden.

Seit 2011 veranstaltet ver.di alljährlich im Mai den Tag der Selbstverwaltung. Dein persönliches Motto für den Tag der Selbstverwaltung 2016?

Wissen bewahren – Wissen vermitteln ... unter diesem Motto sollte der Tag der Selbstverwaltung stehen. Nicht nur durch den demografischen Wandel bedingt, sondern auch durch das hohe Alter der Mitglieder der unterschiedlichen Selbstverwaltungsgremien in den Sozialversicherungen, ist es wichtig, das Wissen rechtzeitig von einer Generation auf die nächste weiterzugeben, um so die Zukunft der Selbstverwaltung zu sichern. Und nicht zuletzt: Die personelle Besetzung der Selbstverwaltung sollte immer einen gesunden Mix der zu vertretenden Gesellschaft widerspiegeln.