SelbstverwalterInnen im Porträt

Christina Becker (ehem. Hempel)

Christina Becker (ehem. Hempel)

Für Christina Becker, Jahrgang 1955 wurde das Wort „abwickeln“ zum politischen Weckruf. Die gelernte Industriekauffrau mit Weiterbildung im Fach Sozialpädagogik, hörte 1990 noch in der DDR dieses Wort, kurz vor der Wende, zum ersten Mal. Es ging um Jugendliche mit Downsyndrom, deren Betreuung und Unterbringung für das Alten- und Pflegeheim, in dem Christina Hempel damals arbeitete, nicht mehr rentabel war. Sie mussten gehen und Christina Hempel ging mit.
Sie arbeitete noch keine drei Monate in ihrem Job im Post- und Zeitungsvertrieb der Deutschen Post, als diese Stelle auch “abgewickelt“ werden sollte. Auf einer Kundgebung, auf der die Kolleg_innen beschwichtigt werden sollten („keiner wird seine Arbeitsplätze verlieren“), meldete sich Christina Hempel zu Wort. Sie fragte kritisch nach, fiel „auf Krawall gebürstet“ auf und wurde von Kurt van Haaren, dem langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Postgewerkschaft, angeworben: Solche Frauen, wie sie, brauchen wir!
Christina Hempel als Gewerkschaftsmitglied wurde kurze Zeit später zur Personal- und Betriebsratsvorsitzenden gewählt. Inzwischen ist sie seit 25 Jahren bei der Deutschen Post und seit 43 Jahren Gewerkschaftsmitglied. Seit einer eigenen schweren Krankheit engagiert sich Christina Hempel in der Interessenvertretung für Schwerbehinderte. Sie hat den Bundesarbeitskreis Behindertenpolitik der ver.di mit aufgebaut und ist mittlerweile Konzern- und Gesamtschwerbehindertenvertretung bei der Deutschen Post DHL Group.

Christina Becker ist auch in der Selbstverwaltung der BKK aktiv.
Christina Becker hat unseren Fragebogen beantwortet und uns im Gespräch von ihrer Arbeit in der Selbstverwaltung im Verwaltungsrat der BKK berichtet:

Selbstverwalter_innen im Porträt Christina Hempel  –

Selbstverwaltung was ist das? Deine Antwort in 140 Zeichen.

Dass die Interessen der Versicherten durch Gewerkschaftsmitglieder vertreten werden.

GewerkschafterInnen in der Selbstverwaltung vertreten die Interessen der Versicherten. Was heißt das konkret?

Es geht für mich darum, die Einwände der Gewerkschaften in den Verwaltungsrat zu tragen und dort zu vertreten. Egal wo, wir müssen immer wieder für unseren Einfluss kämpfen, wir müssen grundsätzlich das Verständnis für und das Bewusstsein über die wichtige Funktion der sozialen Selbstverwaltung bewerben. Die Teilnahme in den Widerspruchsausschüssen ist für mich selbstverständlich. Über diese wichtige Interessenvertretung sollten alle Versicherten Bescheid wissen.

Widerspruchsausschüsse und Vertrauensleute leisten eine aktive Beratung und Unterstützung unserer Mitglieder bei Problemen im Gesundheitswesen.

ver.di sagt: GewerkschaftsvertreterInnen in der Selbstverwaltung sind die idealen Versichertenvertreter. Warum?

Weil nur so – mit Gewerkschaftern in der Selbstverwaltung – die Stimmen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen Gehör finden – als ganzheitliche Vertretung der Interessen von Beschäftigten in betrieblichen, aber eben auch in sozialpolitischen Fragen.

Viele Versicherte sagen uns: Ich weiß gar nicht, was meine Selbstverwalter für mich machen. Wie und wo können sie von Deiner Arbeit erfahren?

Aus den einzelnen Berichten, die in den Mitgliederzeitschriften sowie im Internet zu finden sind. Den Verwaltungsratsbericht der BKK finden Sie hier: http://www.deutschebkk.de/die-deutsche-bkk/unternehmen/verwaltungsrat.html. Außerdem berate und unterstütze ich die Versicherten in persönlichen Gesprächen.
Meine ver.di Mitstreiter und Mitstreiterinnen setzen sich ein für qualitative Beratung und Unterstützung der Versicherten im Krankheitsfall.

ver.di hat einen kleinen Cartoon-Film gemacht, um über die Aufgaben in der Sozialversicherung zu informieren. Welches Bild in unserem Viola-Clip gefällt Dir am besten?

Der Hinweis, „wir brauchen eine starke Gewerkschaft“, gefällt mir natürlich sehr. Aber toll ist auch der letzte Satz des Films: „Selbstverwaltung ist Selbstgestaltung – und ich finde, das lassen wir uns nicht aus der Hand nehmen!“

Du bist in der Selbstverwaltung der BKK als Versichertenvertreterin im Verwaltungsrat aktiv. Seit wann hast Du diese Aufgabe und was war in dieser Zeit die spannendste Herausforderung?

Diese Aufgabe erfülle ich seit drei Jahren. Die spannendste Herausforderung war die Fusionierung zum 01.01.2015 mit der BKK Essanelle.
Der Verwaltungsrat wacht darüber, dass alles korrekt läuft. Die grundlegenden Entscheidungen der Kasse begleiten wir SelbstverwalterInnen der Arbeitnehmerbank im Auftrag der Versicherten. Der Verwaltungsrat der Deutschen BKK besteht aus insgesamt 30 Mitgliedern – 15 VertreterInnen der Versicherten und 15 VertreterInnen der größten Arbeitgeber der Deutschen BKK, nämlich der Post AG, der Telekom AG und der Volkswagen AG. Gemäß dem Prinzip der Stimmparität haben beide Gruppen bei Abstimmungen das gleiche Stimmengewicht. Und dieses Gewicht nutze ich als überzeugte Gewerkschafterin im Sinne der Versicherten.

Seit 2011 veranstaltet ver.di alljährlich im Mai den Tag der Selbstverwaltung. Dein persönliches Motto für den Tag der Selbstverwaltung 2016?

Die Selbstverwaltung muss bestehen bleiben!