Nachrichten

Die Digitalisierung mitgestalten

Die Digitalisierung mitgestalten

Auf der Herbsttagung des Bundesarbeitskreises Behindertenpolitik (BAK) der ver.di stand das Thema Digitalisierung in der Arbeitswelt im Mittelpunkt. Wie können die Schwerbehindertenvertreterinnen und -vertreter die Herausforderungen mitgestalten, die sich aus einer rasant verändernden Arbeitswelt ergeben? Wo liegen die Gefahren für die besonders schutzbedürftigen Beschäftigten mit Beeinträchtigungen, wo profitieren sie von den neuen technischen Möglichkeiten? Das waren die Fragen, die die ehrenamtlichen Schwerbehindertenvertreter aus den ver.di-Fachbereichen und -Landesbezirken sowie die hauptamtlich für dieses Politikfeld verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen diskutierten.

In einem einführenden Vortrag gab Dr. Nadine Müller vom Bereich Innovation und Gute Arbeit einen grundsätzlichen Einblick in die Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung. Sie arbeitet u. a. in der ver.di-Arbeitsgruppe „Gute digitale Arbeit – tarif- und betriebspolitisch gestalten“ mit und hat auch an der gerade erschienenen Studie zur Digitalisierung und Arbeitsqualität im Dienstleistungssektor mitgearbeitet. Ihre Ausführungen zeigten, dass sich die Effekte der Digitalisierung, die sich derzeit für die Beschäftigten oft negativ auswirken, einhegen und mitgestalten lassen. Etwa über vorrauschauende Weiterbildungen (Bildungsteilzeitmodelle), innovative Tarifabschlüsse oder Arbeitszeitverkürzungen. Ein Hauptproblem besteht derzeit in der mit der Digitalisierung zunehmenden Arbeitsintensität.

ver.di macht politische Arbeit für diese Ziele, setzt sich auch für einen an die neuen Arbeitsbedingungen angepassten Arbeitsschutz ein, ist gegen die Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes und für mehr Qualifizierung und Mitbestimmungsrechte. Zentral ist hierfür der Austausch mit den direkt betroffenen Beschäftigten und ihren Interessenvertretern. Denn nur gemeinsam schaffen wir es, Gute digitale Arbeit für alle zu gestalten. Deswegen sind die Erfahrungen von Betriebs- und Personalräten sowie den Schwerbehindertenvertretungen, die sich für gute Arbeitsbedingungen von Menschen mit Beeinträchtigung einsetzen und die Sicht der Beschäftigten kennen, für den Bereich „Innovation und gute Arbeit“ ver.di sehr wichtig, betonte Dr. Nadine Müller.

Denn auch wenn die Digitalisierung für uns alle große Veränderungen mit sich bringt, gehören die Menschen mit Behinderungen zu den besonders schutzbedürftigen Personengruppen. Ihre Belange werden in der betrieblichen Realität oft nicht berücksichtigt. Bei der Einführung neuer technischer Geräte, der Entwicklung von Software oder auf den Betrieb zugeschnittener Apps ist die Barrierefreiheit für Menschen mit Beeinträchtigung oft nicht gegeben. Wenn das Know-how der Schwerbehindertenvertreter schon während der Entwicklungsphase miteinbezogen wird, das zeigten die interessanten Ausführungen von Schwerbehindertenvertretern über gute Beispiele aus der Praxis, lassen sich die technischen Geräte im Dienste der Betroffenen verwenden. Barrierefreiheit ist in vielen Branchen immer noch ein großes Problem. Um die Arbeitsgeräte besser an die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigung ausrichten zu können, ist das Hinzuziehen von sachverständigen Fachkräften ratsam, darin waren sich die anwesenden Interessenvertreter einig.

Diskutiert wurde auf der Tagung des BAK anhand von Praxisbeispielen aus sehr unterschiedlichen Branchen, wie etwa Betriebsvereinbarungen für Menschen mit Beeinträchtigung bei Umstellungen von Arbeitsprozessen Schutzwirkung zeigen. Welche gesetzlich verankerten Instrumente und Regelungen des Arbeitsschutzes (Gefährdungsbeurteilung) anwendbar sind, um die Auswirkungen der Digitalisierung zu regulieren. Aber auch darüber, welche Wege abseits von gesetzlich verankerten Regelungen gegangen werden können.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Austausch über gute und schlechte Beispiele aus der Praxis für alle Schwerbehindertenvertreterinnen und –vertreter ein Gewinn ist. Denn es bleibt viel zu tun, um den digitalen Wandel der Arbeitswelt human zu gestalten. Technik und Innovation lassen sich nicht aufhalten, aber wir können sie mitgestalten.

Weitere Informationen zu den Aktivitäten und Forderungen von ver.di für Gute digitale Arbeit findest Du hier: