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Arbeitsmarktintegration von Asylsuchenden von Anfang an unterstützen

Arbeitsmarktintegration von Asylsuchenden von Anfang an unterstützen

Eva Welskop-Deffaa zu Besuch in der Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit beim BAMF-Aufnahmezentrum in Heidelberg

Seit November 2015 finden im Patrick Henry Village in Heidelberg, auf dem Gelände des neuen Aufnahmezentrums für Aslybewerber*innen, das gemeinsam vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und dem Land Baden-Württemberg betrieben wird, Beratungen der Bundesagentur für Arbeit zur Arbeitsmarktintegration von Asylsuchenden statt.

Die BA-Außenstelle ist Teil des Heidelberger Pilotprojektes; mit ihr konkretisiert die Bundesagentur das Konzept des Integrierten Flüchtlingsmanagements, das vom Verwaltungsrat der BA aktiv unterstützt wird. “Potenzialanalyse und Beratung von Anfang an“ sind die Leitmaximen des Verwaltungsrates; Agenturen für Arbeit und Jobcenter können so die Arbeitsmarkt- und Ausbildungsintegration der Flüchtlinge  konsequent und zielgruppengerecht unterstützen. Als ver.di-Vertreterin im Verwaltungsrat der BA hat Eva Welskop-Deffaa dem Aufnahmezentrum und der Außenstelle im März 2016 einen Besuch abgestattet und sich über die Beratungs-Erfahrungen vor Ort informiert.

Bis heute sind knapp 400 Menschen im Patrick Henry Village von der BA beraten worden. Davon sind 80% Männer, 20% Frauen. Pro Tag werden im Durchschnitt 9 Personen beraten. 

Die beratenen Kund*innen stammen zu mehr als der Hälfte aus Syrien, gefolgt von Irak und Afghanistan.

Die Beratungen, so berichteten André Ekama und Leonie Beresheim, die in der Außenstelle arbeiten, finden überwiegend auf Englisch statt und es wird mithilfe von Übersetzern übersetzt. Die Übersetzer sind überwiegend selbst Asylsuchende mit guten Englischkenntnissen. Für manche Arabisch- oder Kurdisch-Übersetzungen wird auch auf die Hotline der BA zurück gegriffen. Problematisch, so die Erfahrungen der Beratungskräfte vor Ort, ist der Zugang zu Asylsuchenden aus Afghanistan, da es wenige Übersetzer gibt, die Dari sprechen.

Ein Drittel der beratenen Asylbewerber*innen in Patrick Henry Village hat einen akademischen Abschluss oder ist Student*in, ein Viertel verfügt über Facharbeiterniveau. Gut 40 Prozent sind nach deutschen Maßstäben als „ungelernt“ anzusehen.

Bei den Akademikern kamen in den ersten vier Monaten ein Sechstel aus dem Bereich des Gesundheitswesens, ein Sechstel aus dem Bereich Wirtschaft und Verwaltung und knapp 10 Prozent aus dem Bereich IT/Computer.

Auch bei den Facharbeiter*innen kam ein Sechstel aus dem Bereich Gesundheit, ein knappes Sechstel aus dem Bereich Verkehr und Logistik.

„Natürlich sind die Zahlen aus der Beratungsstelle der BA im Bereich des Aufnahmezentrums Heidelberg nicht repräsentativ,“ meint Eva Welskop-Deffaa, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für Arbeitsmarktpolitik und Migration. „Die Zahlen passen aber zu dem  differenzierten Bild, das sich der Verwaltungsrat der BA inzwischen von den beruflichen Qualifikationen der Asylsuchenden hat machen können: Weder sind alle Flüchtlinge Teil einer beruflichen Elite, die in Deutschland die Fachkräftelücke schließen könnte, noch sind sie alle ungelernte Analphabeten. Je genauer wir die Potenziale erheben, um so eher kann die Arbeitsmarktintegration der Asylberechtigten gelingen. Die Motivation zu arbeiten ist bei den Flüchtlingen jedenfalls offensichtlich sehr sehr groß.“

Eva M. Welskop-Deffaa (links) mit Leonie Beresheim und André Ekama von der Außenstelle der BA im Patrick Henry Village (erste Reihe) und weiteren Mitarbeiter*innen der Bundesagentur für Arbeit aus Mannheim und Stuttgart. In der Mitte (mit Brille) Friedrich Scheerer. Leiter des Büros der Selbstverwaltung der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg. ver.di Arbeitsmarktintegration von Asylsuchenden