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Risiko Langzeitarbeitslosigkeit ungleich verteilt

Risiko Langzeitarbeitslosigkeit ungleich verteilt

Die neue Broschüre der Bundesagentur für Arbeit "Der Arbeitsmarkt in Deutschland - Die Arbeitsmarktsituation von langzeitarbeitslosen Menschen"  belegt eindrücklich: Das Risiko, länger als 12 Monate arbeitslos zu sein, ist in Deutschland sehr ungleich verteilt. Menschen mit einer guten Berufsausbildung werden seltener arbeitslos und finden bei einem Eintritt der Arbeitslosigkeit tendenziell wieder schneller einen Job als Menschen ohne eine formale Berufsausbildung. In Bremen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg ist der Anteil der Langzeitarbeitslosen besonders hoch, in Süddeutschland liegt er erkennbar niedriger. 

Insgesamt waren im Jahr 2013 durchschnittlich 1,05 Millionen Menschen langzeitarbeitslos. Im Verlauf des Jahres gelang es 184.000 von ihnen, die Arbeitslosigkeit  zu beenden und eine Erwerbstätigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt bzw. eine selbstständige Tätigkeit aufzunehmen. Im Durchschnitt des Jahres 2013 verfügten 45 Prozent der Arbeitslosen über keinen Berufsabschluss. Von ihnen waren 40 Prozent länger als 12 Monate arbeitslos, im Vergleich zu 31 Prozent bei Arbeitslosen mit Berufsabschluss. Von allen langzeitarbeitslosen Menschen hatten fast 52 Prozent keine abgeschlossene Berufsausbildung."Gut qualifizierte Menschen beenden tendenziell viel schneller ihre Arbeitslosigkeit als Geringqualifizierte. Für Arbeitslose, die eine Helfertätigkeit anstreben (bspw. aufgrund einer mangelnden Berufsausbildung), ist das Risiko langzeitarbeitslos zu sein mit 42 Prozent besonders hoch," so die BA. "Bei Fachkräften liegt der Anteil der Langzeitarbeitslosen mit 32 Prozent und bei Spezialisten/Experten mit 24 Prozent deutlich darunter."Auch das Risiko einer verhärtenden Arbeitslosigkeit von länger als 24 Monaten ist bei Geringqualifizierten mit 23 Prozent deutlich überdurchschnittlich. Bei Fachkräften sowie Experten ist der Anteil von Arbeitslosen mit einer Arbeitslosigkeitsdauer von über 2 Jahren mit 16 Prozent und 10 Prozent spürbar kleiner. 
Die BA-Broschüre präsentiert anschaulich wichtige Daten und Fakten zum Thema "Langzeitarbeitslosigkeit"; sie erläutert das Verhältnis von SGB II-Langzeitbezug zu Langzeitarbeitslosigkeit und stellt die Entwicklung des Anteils der Langzeitarbeitslosigkeit im europäischen Vergleich dar.

Die BA-Informationen sind eine wichtige Basis jeder Evaluation arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitischer Maßnahmen in ihren Auswirkungen auf die Lage der Langzeitarbeitslosen. Auch die Schlupflöcher beim gesetzlichen Mindestlohn sind im Lichte der BA-Zahlen zu bewerten: 48 Prozent der Langzeitarbeitslosen haben eine abgeschlossene Berufsausbildung, nicht wenige verfügen über langjährige Berufserfahrung. Dass für sie eine generelle Ausnahme beim gesetzlichen Mindestlohn gemacht wurde, ist unverständlich und falsch. Die Motivation, in einem neuen Job nach ein oder zwei Jahren unverschuldeter Arbeitslosigkeit mit voller Kraft zu starten, hängt eng mit einer fairen existenzsichernden Entlohnung zusammen.

Die  Broschüre „Die Arbeitsmarktsituation von langzeitarbeitslosen Menschen" der Bundesagentur für Arbeit wurde vor ihrer Veröffentlichung im Verwaltungsrat der BA diskutiert und kann HIER abgerufen werden.


WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN:

Homepage der Statistik der Bundesagentur für Arbeit:
http://statistik.arbeitsagentur.de
Statistiken zu div. Arbeits- und Ausbildungsmarktthemen zum Download:
http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Statistik-nach-Themen-Nav.html
Homepage der Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit:
http://statistik.arbeitsagentur.de/arbeitsmarktberichte