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Gleiche Chancen für junge Migrantinnen und Migranten in Bildung …

Gleiche Chancen für junge Migrantinnen und Migranten in Bildung & Ausbildung – Bericht vom Praxis-Workshop

Wie können sich betriebliche Interessenvertretungen und ehrenamtliche ver.di-Aktive für gleiche Chancen beim Zugang zu Ausbildung und Arbeitsmarkt stark machen? Welche Projekte und Ansätze gibt es bereits, die die Zielgruppe junger Migrantinnen und Migranten in den Fokus rücken? Wie gestalten wir eine solidarische Arbeitswelt? Das waren die Fragen, mit denen sich ein Praxis-Workshop befasste, den das ver.di-Ressort Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik gemeinsam mit CAIDAO, dem Institut für Betriebsberatung, am 20.11.2017 in der ver.di-Bundesverwaltung organisiert hatte.

Workshop "Gleiche Chancen für junge Migrantinnen und Migranten" am 20.11.2017; Praktische Impulse für die Mitbestimmung ver.di

Dagmar König, im ver.di-Bundesvorstand für die Themen Migration und Arbeitsmarkt verantwortlich, betonte zu Beginn des Workshops, dass Chancengerechtigkeit bei Bildung und Ausbildung für ver.di ein Herzensanliegen ist. Denn sie entscheide darüber, ob junge Menschen mit Migrationshintergrund ihren Potenzialen, Neigungen und Wünschen folgend, den Berufseinstieg erfolgreich meistern und gesellschaftlich einbezogen werden: „Schule und Arbeitsplatz sind Orte, wo Integration stattfindet und sich unterschiedlichste Menschen kennenlernen, hier entsteht die Kultur des Miteinanders“, erklärte König zum Abschluss ihrer Begrüßung.

Workshop "Gleiche Chancen für junge Migrantinnen und Migranten" am 20.11.2017; Praktische Impulse für die Mitbestimmung ver.di

„Berlin braucht dich!“

Anschließend zeigte Eva Haberkern von CAIDAO auf, dass schulischer Erfolg in Deutschland, sehr viel stärker als in anderen Ländern, von Herkunft und sozioökonomischem Status abhängt. Ohne Zugang zu guter Bildung gelinge sozialer Aufstieg nicht und soziale Benachteiligung hieße häufig, keinen Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung zu finden, betonte Haberkern. Anhand der Daten des DGB-Ausbildungsreports 2015 zeigte sie auf, dass junge Auszubildende mit Migrationshintergrund häufig Erfahrungen mit Diskriminierung machen und seltener in überwiegend positiv bewerteten Ausbildungsberufen zu finden sind.

Workshop "Gleiche Chancen für junge Migrantinnen und Migranten" am 20.11.2017; Praktische Impulse für die Mitbestimmung ver.di

Serdar Yazar berichtete im Anschluss von der Initiative “Berlin braucht Dich!“, die sich seit 2006 für die interkulturelle Öffnung des öffentlichen Dienstes und der Berliner Landesunternehmen einsetzt. Ein besonderes Augenmerk legt die Initiative auf den Übergang von der Schule in den Beruf. Es geht darum, frühzeitig Kontakte zwischen SchülerInnen und Betrieben herzustellen. Die Betriebe und Verwaltungen werden von der Initiative beraten, sich bei den Strategien für die Nachwuchsgewinnung besser auf die Vielfalt in der Gesellschaft einzustellen. Der Erfolg der Initiative spricht für diesen Ansatz: Der Anteil an Auszubildenden aus Einwandererfamilien wurde im öffentlichen Dienst in Berlin in den letzten zehn Jahren von 8,7 Prozent auf 23 Prozent gesteigert.

Workshop "Gleiche Chancen für junge Migrantinnen und Migranten" am 20.11.2017; Praktische Impulse für die Mitbestimmung ver.di

Erfahrungen junger Geflüchteter in Ausbildung

Tobias Henke, Jugend- und Auszubildendenvertreter bei der Telekom Nord und Andreas Gössmann-Butt und Christian Schmidt, Ausbilder von der Deutschen Rentenversicherung (DRV) sprachen anschießend über ihre Erfahrungen, Geflüchtete in Ausbildung zu integrieren. Nach der Absolvierung der von der Bundesagentur für Arbeit geförderten Einstiegsqualifizierung (EQ) wurden bundesweit 72 Geflüchtete bei der Telekom und zehn bei der DRV in die regulären Ausbildungsgänge übernommen. Die aus Syrien geflüchteten DRV-Auszubildenden Gisia und Nadeem berichteten sehr anschaulich von den Hürden und bürokratischen Startschwierigkeiten, mit denen sie in den ersten Monaten der EQ konfrontiert waren. Ohne die Unterstützung der Ausbilderinnen und Ausbilder und der DRV wären diese Probleme kaum lösbar gewesen, betonten die Auszubildenden. Damit wurde der Einfluss betrieblicher und außerbetrieblicher MentorInnen für eine gelingende Arbeitsmarkintegration deutlich. Einen Ansatz zur Ausbildung und Anleitung solcher MentorInnen stellte Stefanie Corogil vom Union Hilfswerk mit den Projekten „Hürdenspringer“ und „Ausblicke“ vor. Hier helfen freiwillig engagierte MentorInnen sozial benachteiligten Jugendlichen in Berlin-Neukölln. Anita Leese-Hehmke präsentierte stellvertretend für die Agentur für Arbeit Berlin Süd – Arbeitgeber Service „Asyl“ eine Reihe von betrieblichen Ansätzen, mit denen die Bundesagentur für Arbeit präventiv Ausbildungsabbrüche verhindern will.

In den abschließenden World Cafés diskutierten die TeilnehmerInnen, wie die hier vorgestellten Projekte und Ansätze in ihren betrieblichen Alltag überführt werden könnten. Romin Khan, Referent für Migrationspolitik beim ver.di-Bundesvorstand, wies auf das Betriebsverfassungsgesetz und Personalvertretungsgesetz hin: aus ihnen ergeben sich für die betrieblichen Interessenvertretungen Rechte und die Aufgabe, um im Sinne der Integration und für den Abbau von Diskriminierung im Betrieb aktiv zu werden. Alle TeilnehmerInnen waren sich einig, dass die Vermittlung von Theorie- und Praxiswissen in diesem Aufgabenbereich von ver.di weiter erfolgen muss.