Nachrichten

Digitalisierung im Alltag

Digitalisierung im Alltag

Veränderungen als Chance begreifen

Digitalisierung ist das aktuelle Schlagwort und in aller Munde. Digitalisierung wird unsere Welt grundlegend verändern. Wird? Eigentlich ist die Veränderung doch bereits im Gange – in ihren Auswirkungen manchmal fast unbemerkt, manchmal sehr offensichtlich.

Die Digitalisierung ist Chance und Risiko zugleich. Sie ist nicht aufzuhalten, wohl aber mitzugestalten. ver.di beschäftigt sich intensiv damit und hat gerade wieder einen interessanten und gutbesuchten Kongress dazu durchgeführt.

Wo und wie begegnet die Digitalisierung uns? Vielen natürlich am Arbeitsplatz. Der Computer ist ja kaum noch aus den Büros wegzudenken – die e-Akte aber wird erst langsam Standard, die elektronische Beantragung von Dienstleistungen und deren Bezahlung ebenfalls. Terminvereinbarungen übers Internet sind dagegen schon heute üblich. Was heißt das aber? Dem Arbeitgeber ersparen sie teure Raumkapazitäten, die bisher für die Aktenlagerung notwendig waren. Mit der e-Akte wird zukünftig aber auch das Suchen leichter – über Suchfunktionen, die aus dem Internet bekannt sind. Elektronische Akten können auch von Menschen mit Beeinträchtigungen besser bearbeitet werden – sie müssen nicht als schweres Papier getragen werden, sie können über Brailletastaturen abgetastet oder durch Sprachmodule vorgelesen werden.

Überhaupt – die Barrierefreiheit kann mit der Digitalisierung deutlich vorangetrieben werden. Neben den schon genannten Beispielen betrifft das zum Beispiel die Mobilität. Haltestellenansagen oder Benachrichtigungen übers Handy können auch sehbehinderten Menschen die Nutzung des ÖPNV erleichtern. Selbstfahrende Autos können für ältere und behinderte Menschen die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen und die Notwendigkeiten des Alltags erleichtern – so wird selbstbestimmtes Leben auch bei eingeschränkter persönlicher Mobilität unterstützt. Auch Wegweisungen können über den Einsatz von handylesbaren QR-Codes oder öffentliches W-Lan erfolgen, so profitieren sowohl Ortsunkundige als auch Sehbehinderte von den technologischen Neuerungen. Allerdings müssen die Betroffenen früh genug in den Entwicklungsprozess der Technologien miteinbezogen werden, wie die Beispiele aus der Praxis auf der Herbsttagung des Arbeitskreises Behindertenpolitik zeigten.

Als weiteres Beispiel für die Möglichkeiten der Digitalisierung mögen die Stadtbibliotheken dienen. Schon heute bieten sie Ausleihautomaten an, die Selbstverbuchungen der auszuleihenden Bücher und deren Rückgabe auch außerhalb der Öffnungszeiten ermöglichen. Längst haben Internetarbeitsplätze Einzug gehalten, dort kann auch recherchiert werden, wo welches Buch bestellt und ausgeliehen werden kann. Für Verlängerungen der Ausleihfrist muss niemand mehr in die Bibliothek, alles ist elektronisch möglich. E-Books mit den dazu gehörigen Readern können ausgeliehen werden, elektronische Spiele werden für Kinder und Jugendliche bereitgehalten. Es gibt Buchausleihautomaten, die an öffentlichen Orten aufgestellt werden können und ähnlich wie Getränkeautomaten funktionieren. Inzwischen gibt es sogar die ersten Bibliotheken, die am späten Abend oder an den Wochenenden genutzt werden können, weil sie ganz ohne Personal betrieben werden – für viele Nutzerinnen und Nutzer ein attraktives Angebot.

Für die Beschäftigten bietet die Digitalisierung viele Chancen: zum Beispiel von ungeliebten und belastenden Routineaufgaben befreit zu werden und dafür etwa mehr Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten und Beratungen zu haben, keinen Dienst zu ungünstigen Zeiten machen zu müssen, von körperlich anstrengender Arbeiten entlastet zu werden u.v.a.m.

Eines ist klar: die Digitalisierung wird unsere Arbeitswelt und die Arbeitsplätze nachhaltig verändern. Aufgaben werden sich verändern, manche entfallen und neue entstehen. Die Veränderungen sollten uns aber keine Angst machen: wir sollten die Chancen ergreifen, die dadurch entstehen.

[siehe auch: Arbeit 4.0 - Digitalisierung gendergerecht gestalten - Zeitschrift "Querschnitt" des ver.di-Bereichs Genderpolitik]