Arbeitsmarktpolitik

Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik im Zeichen der Krise

Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik im Zeichen der Krise

Arbeitsmarktpolitische Fachtagung am 28./29.4.2010

 

Stärkung aktiver Arbeitsmarktpolitik in und nach der Krise

Die bisher schwerste Wirtschaftskrise in der Bundesrepublik fordert die Arbeitsmarktpolitik besonders. Sie hat seit dem letzten Jahr einen enormen Beitrag zur Stabilisierung von Arbeitsplätzen geleistet. Mit einer insgesamt expansiven Arbeitsmarktpolitik wurde – auch verglichen mit anderen Rezessionsphasen – insgesamt angemessen auf die drohenden Folgen der Krise für den Arbeitsmarkt reagiert. Vergleichsweise steht Deutschland dennoch noch relativ gut da. Der europäische Vergleich zeigt, dass in Ländern mit geringerem Kündigungsschutz und einem vergleichsweise hohen Befristungsanteil die Arbeitslosigkeit infolge der Krise wesentlich stärker angestiegen ist. Auch die tarifvertragliche und betriebliche Beschäftigungssicherung hat erheblich zum Erhalt von Arbeitsplätzen beigetragen. Nicht die Deregulierung des Arbeitsmarktes, sondern die traditionellen Instrumente aktiver Arbeitsmarktpolitik und Beschäftigungssicherung in den Betrieben haben zur Stabilität der Beschäftigungsentwicklung beigetragen.

Da ein sich selbst tragender Wirt­schaftsaufschwung noch nicht in Sicht ist, muss auch weiterhin mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gegen die Zunahme von Arbeits­losigkeit angekämpft werden.  Das reicht aber bei Weitem nicht aus: Aktive Arbeitsmarktpolitik muss deutlich ausgebaut und gerade jetzt die mit Überbrückungsmaßnahmen gewonnene Zeit zur beschäftigungspolitischen Stabilisierung des Arbeitsmarktes genutzt werden.

Krisenfeste Arbeitspolitik statt Ausweitung prekärer Arbeitsmärkte

Die Finanzkrise hat auch eine beschleunigte Flexibilisierung und Prekarisierung des Arbeitsmarktes zur Folge. Dies lässt sich unter anderem daran ablesen, dass die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten im Jahreszeitraum 2009 mit 70.000 fast im gleichen Umfang zunahm, wie die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sank, nämlich um 93.000. Und unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm die Zahl der Vollzeitstellen im Jahresverlauf 2009 um 360.000 ab, während die Zahl der Teilzeitstellen um 270.000 zulegte. Die Subventionierung von geringfügiger Beschäftigung muss ein Ende haben. ver.di fordert die Umwandlung von Minijobs und Niedriglohnarbeit in existenzsichernde und sozial abgesicherte Beschäftigung und setzt sich dafür ein, dass Leiharbeit, Befristungen und andere unsichere Beschäftigungsformen zurückgedrängt werden.

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ver.di-News Ausgabe 07/8.5.2010

"Die Arbeitszeitdebatte beleben"
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Nachhaltige Beschäftigungsstrategien erforderlich

Diese Wirtschaftkrise ist kein konjunktureller Einbruch, nach dem es weitergehen kann wie bisher. Sie markiert das Scheitern eines Wachstumsmodells, das auf immer größerer Ungleichheit zwischen Arm und Reich beruht. Die Wirtschaftskrise hat die zentrale Rolle einer solide finanzierten Nachfrage für nachhaltiges Wachstum deutlich gemacht. Löhne und Sozialleistungen sind die – zu schwach ausgeprägten – Rettungsanker für die ins Straucheln geratene Volkswirtschaft, die sich zu sehr auf die Exportnachfrage verlassen hat. Erforderlich ist ein Zukunftsinvestitionsprogramm, mit dem gute Arbeitsplätze für Bildung, Soziales und den ökologischen Umbau geschaffen werden. Um wirksam gegenzusteuern und die Krise dauerhaft zu überwinden, brauchen wir vor allem öffentliche Investitionen in Bildung, Gesundheit, Soziales und Umwelt, verbunden mit einer Ausweitung der öffentlichen Auftragsvergabe.

(siehe dazu auch Sozialpolitische Informationen 2. Hj. 2010, Kapitel G.I)

 

Die Einzelreferate und Präsentationen zum Download:

  • Claudia Bogedan - WSI, Referat Arbeitsmarktpolitik
    "Kurzarbeit, Qualifizierung und Arbeitszeitflexibilisierung als KrisenpufferErgebnisse und Schlussfolgerungen aus der WSI Betriebsrätebefragung"
    Referat / Präsentation / Thesenpapier

  • Peter Dunkel - Berufsfortbildungswerk
    "Chancen werden vertan - Qualifizierungsförderung in Deutschland"
    Präsentation

  • Dr. Judith Kerschbaumer - ver.di, Bereichsleiterin Sozialpolitik
    "Lebensarbeitszeitkonten - verprasst zur Überbrückung von Auftragsflauten"
    Referat / Präsentation

  • Johannes Jakob - DGB
    "Niedriglohnpolitik und Krise"
    Referat / Präsentation

  • Christine Meier - ver.di, Fachbereich Handel
    "Nicht genug zum Leben - Minijobs und Teilzeit am Beispiel des Einzelhandel"
    Referat / Handout

  • Dr. Dietmar Dathe - Wissenschaftszentrum Berlin f. Sozialforschung
    "Viel Schatten - Wohlfahrt als Experimentierfeld für prekäre Beschäftigung"
    Präsentation

  • Dr. Norbert Reuter - ver.di, Bereich Wirtschaftspolitik
    "Die Arbeitswelt nach der Wirtschaftskrise - Einführung"
    Präsentation

  • Dr. Michael Dauderstädt - Friedrich-Ebert-Stiftung
    "Vom Exportweltmeister zur Stärkung der Binnenwirtschaft - Wo können neue Arbeitsplätze entstehen?"
    Präsentation

  • Dr. Alexandra Wagner - FIA Forschungsteam intern. Zusammenarbeit
    "Öffentlich geförderte Beschäftigung - aus Erfahrung lernen"
    Präsentation

  • Dr. Sandra K. Saeed - Wert.Arbeit Berlin GmbH
    "Branchenanalyse Leiharbeit"
    Präsentation

  • Andreas Fröhlich - ver.di, Fachbereich Medien, Kunst und Industrie
    "Kurzarbeit und was dann? - Beschäftigungssicherung in der Krise"
    Referat

  • Prof. Dr. Werner Sesselmeier - Uni Koblenz-Landau
    "Aktive Arbeitsmarktpolitik in Krisenzeiten - Funktion, Wirkung und Chancen"
    Präsentation

  • Ralf Krämer - ver.di, Bereich Wirtschaftspolitik
    "Arbeit und Unterbeschäftigung in Aufschwung und Krise"
    Präsentation / Handout

  • Dr. Cornelia Heintze - Politologin, Stadtkämmerin a.D.
    "Die Entwicklung sozialer und gesellschaftlicher Dienstleistungen - ein Beschäftigungsmotor?"
    Präsentation / Handout

Zu den Referaten Claudia Bogedan und Evelyn Räder siehe auch Sozialpolitische Informationen 2. Hj. 2010, Kapitel G.I.
Zum Referat Dr. Michael Dauderstädt siehe auch Sozialpolitische Informationen, 2. Hj. 2010, Kapitel A.I.1.