Selbstverwaltung

Regine Weiß-Balschun

Regine Weiß-Balschun

Ich habe mich schon viele Jahre für die Arbeit der Sozialversicherung, insbesondere für die der Krankenkasse, interessiert. Letztlich hatte ich dann die Möglichkeit, mich für die Sozialwahlen 2017 bei ver.di aufstellen zu lassen. Kandidatin meiner Gewerkschaft zu sein, ist für mich unabdingbar. Einerseits bin ich als gewählte Vertreterin Anwältin der Versicherten, aber mir liegen auch die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten am Herzen. Denn nur mit zufriedenen Beschäftigten sind auch die Beitragszahlerinnen und -zahler zufrieden. Mein Credo ganz allgemein: Gesundheit darf weder Ware noch Luxus sein.

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Ich wurde also bei der Sozialwahl 2017 in den Verwaltungsrat der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) gewählt. Mir war bekannt, dass die Arbeit im Verwaltungsrat vergleichbar mit einem Aufsichtsratsmandat ist, wir den Vorstand und die Verwaltung überwachen und wesentliche Entscheidungen des Sozialversicherungsträgers mit treffen oder neue Vorschläge für dessen zukünftige Ausrichtung machen. Seither habe ich nun an drei Verwaltungsratssitzungen und zwei internen Schulungsterminen teilgenommen, ich lerne die Arbeit des Gremiums intensiv kennen. Bei den Verwaltungsratssitzungen wurde der Vorstand des Verwaltungsrats, die Mitglieder der Ausschüsse im KKH Verwaltungsrat und die Mitglieder der Versichertenparlamente gewählt, darüber hinaus w wird jährlich der Haushaltsplan für das kommende Jahr festgestellt und der jeweilige Jahresabschluss verabschiedet.
 
Alle weiteren Aufgaben und Themen im Verwaltungsrat sind ebenso vielfältig. Es gibt zwar gesetzliche Vorgaben für die Krankenkassen, an die wir uns selbstverständlich halten müssen, aber es gibt auch Gestaltungsspielräume. So stehen etwa Entscheidungen über regelmäßige Leistungen, die über das gesetzlich Festgelegte hinausgehen, auf der Tagesordnung. Von der ärztlichen Zweitmeinung über Haushaltshilfen, Bonusprogramme, Zahnprophylaxe bis zu Schutzimpfungen entscheiden wir nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne der Versicherten.
 
Die Tagesordnung und die Themenpunkte werden vom Vorstand, aber unterstützt von der Verwaltung, und dem Vorstand des Verwaltungsrates zusammengestellt und den Mitgliedern des Verwaltungsrats frühzeitig zur Verfügung gestellt. Der Vorstand der KKH berichtet in den Verwaltungsratssitzungen regelmäßig über die sozialpolitische allgemeine  Entwicklung . So steht auch immer wieder der Morbi-RSA (der Risikostrukturausgleich), der die Finanzierung zwischen den Krankenkassen regelt, zur Diskussion. Aus den anderen Versichertenparlamenten, in denen die KKH vertreten ist, werden auch Themen und Diskussionsanregungen von den Vertretern der KKH mitgebracht. So hat sich die Vertreterversammlung der KKH auch an der Resolution des vdek zur Krankenhaushygiene beteiligt und unterstützt sie. Ein weiteres Thema, das auch zukünftig die Arbeit regelmäßig begleiten wird, ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen.
 
Ich finde es spannend, das Paket an Vorlagen durchzuarbeiten und mich in neue Themenfelder einzuarbeiten. Dabei nutze ich durchaus auch andere Quellen, um mich grundlegend zu informieren und inhaltlich breit aufzustellen und mir somit eine Meinung zu den oft komplexen Themengebieten bilden zu können. Meine Ausbildung zur Krankenschwester erleichtert mir den Zugang zu manchen medizinischen Inhalten, das ist aber keine Voraussetzung. In anderen Fällen muss beispielsweise das Sozialgesetzbuch als Grundlage zurate gezogen werden.
 
Vor jeder Verwaltungsratssitzung findet eine Fraktionssitzung statt und dort können wir uns als Fraktion zu den anstehenden Themen austauschen. Wir bringen dann auch unsere Informationen aus den Ausschüssen ein. Dabei steht dann immer die Frage im Vordergrund: Wie lassen sich die Leistungen für die Versicherten qualitativ hochwertig erbringen und wie können die Leistungen und den Leistungskatalog weiterentwickelt werden?
Ich schätze  den Austausch mit den Mitgliedern der Fraktion. Die Erfahrung und Kompetenz, sowie die Empathie, die Gewerkschafter*innen aus ihrem Umfeld, den Betrieben und ihrem ehrenamtlichen Engagement mitbringen, ist hier Gold wert. Sie wissen, wo die Kolleginnen und Kollegen, also die Versicherten, der Schuh drückt und können dieses Erfahrungswissen bei den Entscheidungen berücksichtigen.
Durch eine gute Vorbereitung in der Fraktion können im Verwaltungsrat Fragen gestellt, Anregungen gegeben und Forderungen aufgestellt und eingebracht werden, die die optimale Gesundheitsversorgung des Versicherten immer im Blick behalten.
Für Beschäftigte konnte ich erreichen, dass zukünftig von sachgrundlosen Befristungen bei den Arbeitsverhältnissen abgesehen wird. Ich würde mir wünschen, dass bei den nächsten Sozialwahlen 2023 alle Versicherten ihr Wahlrecht wahrnehmen, damit eine starke ver.di Vertretung in den Selbstverwaltungsorganen bestehen bleibt.