SelbstverwalterInnen im Porträt

Fatna Bischhaus

Fatna Bischhaus

Fatna Bischhaus, Jahrgang 1948, war jahrelang bei der damaligen "BfA", der Rentenversicherung für Angestellte, beschäftigt, die inzwischen in die Deutsche Rentenversicherung Bund überführt wurde. Seit 1976 war sie freigestelltes Personalratsmitglied. Aus dieser Zeit kennt sie die große Bedeutung der Selbstverwaltung für die Rentenversicherung. Seit 2011 ist sie nun selbst als Selbstverwalterin aktiv: in der DAK-Gesundheit ist sie Mitglied des Verwaltungsrats und im Widerspruchsausschuss. Das Know-how aus der jahrelangen gewerkschaftlichen Arbeit und das Wissen um die Bedeutung der Versicherten-Mitbestimmung in der Selbstverwaltung der BfA hat ihr eigenes Engagement als Selbstverwalterin in der Krankenkasse begründet.

Fatna Bischhaus hat unseren Fragebogen beantwortet und uns im Gespräch ihre Einschätzung der Selbstverwaltung erläutert:

Selbstverwalter_innen im Porträt Fatna Bischhaus  –

Selbstverwaltung was ist das? Deine Antwort in 140 Zeichen.

Die Selbstverwaltung ist das „Parlament“ der Versicherten. Die Versicherten können über ihre gewählten Vertreter die Leistungen der Sozialversicherungsträger aktiv mitgestalten.

GewerkschafterInnen in der Selbstverwaltung vertreten die Interessen der Versicherten. Was heißt das konkret?

Die Leistungen der sozialen Sicherungssysteme sind zwar im Grundsatz gesetzlich geregelt, dennoch bleiben Gestaltungsspielräume, die in den Vorständen und Verwaltungsräten ausgefüllt werden können. Außerdem kann die Selbstverwaltung Leistungen, die über die gesetzlich festgelegten hinausgehen, in den Satzungen regeln. Hier liegen die Möglichkeiten, den Leistungskatalog der Krankenkassen den Interessen der Versicherten anzupassen; z.B. bei der Zahnprophylaxe, Bonusprogramme für Kinder, Haushaltshilfen im Krankheitsfall, ärztliche Zweitmeinung, alternative Behandlungsmethoden, Rehabilitationsprogramme etc.

ver.di sagt: GewerkschaftsvertreterInnen in der Selbstverwaltung sind die idealen Versichertenvertreter. Warum?

GewerkschafterInnen haben durch ihre Tätigkeit in den Betrieben und in den Gremien Kontakt mit sehr vielen Menschen. Sie wissen, wo die Probleme liegen und wo Handlungsnotwendigkeiten bestehen. Über die Arbeit in den Gewerkschaften und deren Dachorganisationen kann Einfluss auf die politische Gestaltung genommen werden. Darüber hinaus setzen die VersichertenvertreterInnen in den Vorständen und Verwaltungsräten ihr Wissen und ihre Erfahrungen im Interesse der Versicherten ein. Dabei gilt es, alle Interessen zu berücksichtigen, sowohl die der ArbeitnehmerInnen in allen Sozialversicherungszweigen als auch die der RentnerInnen insbesondere beim Leistungsspektrum der Krankenkassen und Pflegeversicherung.

Viele Versicherte sagen uns: Ich weiß gar nicht, was meine Selbstverwalter für mich machen. Wie und wo können sie von Deiner Arbeit erfahren?

Die verschiedenen Sozialversicherungsträger geben regelmäßig Informationsschriften heraus, hierin kommen auch immer SelbstverwalterInnen zu Wort. Die jeweiligen Internetseiten informieren regelmäßig über die Arbeit in den Verwaltungsräten. Das sozialpolitische Programm selbst ergibt sich aus den ver.di-Positionierungen in den unterschiedlichen Medien.

ver.di hat einen kleinen Cartoon-Film gemacht, um über die Aufgaben in der Sozialversicherung zu informieren. Welches Bild in unserem Viola-Clip gefällt Dir am besten?

Runder Tisch des FC Sozialversicherung.

Du bist in der Selbstverwaltung der DAK-Gesundheit aktiv. Seit wann hast Du diese Aufgabe und was war in dieser Zeit die spannendste Herausforderung?

Ich bin seit dem 01.10.2011 im Verwaltungsrat der DAK-Gesundheit. Die interessantesten Entscheidungen betrafen verschiedene Fusionen mit Betriebskrankenkassen. Die durch die Fusionen notwendigen Zusammenführungen von Versicherten auf der einen Seite, aber auch der Beschäftigten und der unterschiedlichen IT-Systeme auf der anderen Seite bargen große Herausforderungen.

Die schwierigsten Entscheidungen betrafen die insgesamt drei Reha-Kliniken, von denen zwei in einen Betriebsübergang geführt werden konnten. In einer Klinik musste der Betrieb allerdings eingestellt werden, hier wurde kein Interessent gefunden. Das war bitter, weil wir uns als ver.di-Verwaltungsräte nicht nur als Wahrer der Versicherteninteressen sehen, sondern für uns natürlich auch die Beschäftigteninteressen wichtig sind.

Seit 2011 veranstaltet ver.di alljährlich im Mai den Tag der Selbstverwaltung. Dein persönliches Motto für den Tag der Selbstverwaltung 2015?

Tatsächlich gibt es zwei wichtige Leitsätze:

  • An die Politik: Hände weg von den Sozialkassen!
  • Zurück zur paritätischen Beitragsfinanzierung!

Bei dem ersten Punkt geht es z. B. um die aus Beitragsmitteln finanzierte Mütterrente, für deren Finanzierung der Bundeszuschuss zu erhöhen ist. Beim zweiten Punkt geht es um das Einfrieren des Arbeitgeberanteils zur Krankenversicherung. Die Krankenversicherungsbeiträge sinken auf 14,6 %. Schon heute ist absehbar, dass der allein vom Versicherten zu zahlende „Zusatzbeitrag“ aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen bei knapp zwei Prozent liegen wird. Das ist nicht hinnehmbar.