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Frauen zur Sozialwahl-Kandidatur ermutigen!

Frauen zur Sozialwahl-Kandidatur ermutigen!

IAB-Studie belegt die Bedeutung persönlicher Ansprache für die Bereitschaft zu kandidieren

Soeben hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine Studie veröffentlicht, die erforscht, unter welchen Bedingungen Frauen und Männer bereit sind, in der Vertretung von Arbeitnehmer_innen-Interessen Funktionen in Verhandlungsgremien zu übernehmen. Am Beispiel von Tarifkommissionen zeigt das IAB: Männer können sich generell eher als Frauen vorstellen, sich zur Wahl zu stellen. Sie gehen auch eher davon aus, dass sie in den Verhandlungen etwas bewirken können. Dieser Geschlechterunterschied lässt sich – wie ergänzende Analysen zeigen – durch persönliche und arbeitsplatzbezogene Merkmale der Befragten „erklären“, die aber teilweise wiede- rum selbst Ergebnis geschlechtsspezifischen Verhaltens sein dürften.

Unabhängig vom Geschlecht ist die wichtigste Bedingung dafür, sich zur Wahl zu stellen, dass die Teilnahme am Gremium auf die Arbeitszeit angerechnet wird. Dies wirkt sich bei Frauen zugleich positiv auf die Einschätzung aus, im Fall einer Wahl etwas bewirken zu können. Am zweitwichtigsten für die Neigung, sich zur Wahl zu stellen, ist eine Unterstützung durch die Vorgesetzten. Für die Einschätzung, etwas bewirken zu können, ist hingegen vor allem für Frauen wichtig, dass bereits bekannte Kolleginnen und Kollegen in dem Gremium aktiv sind. 

Für die Sozialwahlen 2017 ergibt sich daraus für ver.di: Um gute Kandidatinnen und Kandidaten zu finden, müssen die Kolleginnen und Kollegen, die bereits in der Selbstverwaltung engagiert sind, aktiv auf mögliche Kandidat_innen zugehen. Es ist wichtig deutlich zu machen: Für die Mitarbeit in der Selbstverwaltung gibt es i.d.R. unproblematische Freistellungsregelungen. In der Selbstverwaltung trifft man auf unterstützende ver.di-Kollegen und -Kolleginnen. Um unseren Richtlinien-Vorgaben entsprechend mit vielfältig zusammengesetzten ver.di-Listen bei den Sozialwahlen antreten zu können, braucht es die direkte Ansprache und Ermutigung.

Die IAB-Studie ist unter http://www.laser.uni-erlangen.de/papers/paper/278.pdf zu finden. Im Rahmen einer Online-Befragung wurden Erwerbstägige vom IAB mit hypothetischen Szenarien konfrontiert. Dabei ging es darum, unter welchen Bedingungen sie sich zur Wahl in eine Tarifkommission aufstellen lassen würden und wie sie ggf. ihre Einflussmöglichkeiten einschätzen. Die Befragten sollten sich vorstellen, sie seien ein Gewerkschaftsmitglied, es ständen Tarifverhandlungen an, und es sollte ein Verhandlungsgremium für die Arbeitnehmerseite gewählt werden. Variiert wurde, ob Vorgesetzte, Kollegen und familiäres Umfeld eine Kandidatur der Befragten unterstützten, ob die Treffen in der Arbeitszeit stattfänden bzw. auf diese angerechnet würden und wie sich das Gremium aktuell zusammensetzt.