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    ver.di auf dem Podium: Basisarbeit in der Reinigungsbranche

    ver.di auf dem Podium: Basisarbeit in der Reinigungsbranche

    In Deutschland leistet in etwa jede/jeder fünfte Beschäftigte „Basisarbeit“. So bezeichnet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) seit einiger Zeit Tätigkeiten, für die es keiner besonderen beruflichen Qualifikation bedarf. Dabei kommt Basisarbeit in vielen unterschiedlichen Berufsgruppen und Wirtschaftszweigen vor, wie zum Beispiel im Bereich der Lagerwirtschaft, bei der Zustellung von Post und Paketen, bei der Pflege und Betreuung ältere Menschen oder von Menschen mit Behinderungen oder in der Reinigungsbranche. 

    Für viele Basisarbeiter:innen stellt Basisarbeit den ersten und einzigen Zugang zum Arbeitsmarkt dar und mit einem Anteil von rund 20% an der Erwerbstätigkeit hat die Basisarbeit große Bedeutung für den Arbeitsmarkt in Deutschland. Basisarbeiter:innen leisten einen wichtigen Beitrag zum reibungslosen Funktionieren der Gesellschaft; und das weitestgehend im Verborgenen - hinter den sprichwörtlichen Kulissen. Das wiederum hat zur Folge, dass Basisarbeiter:innen viel zu oft als Arbeitskräfte zweiter Klasse angesehen werden. Sie werden in der Regel prekär beschäftigt, bei betrieblichen Personalmaßnahmen (z. B. Weiterbildung) und betrieblichen Angeboten (z.B. Homeoffice) bleiben sie zumeist außen vor. Grund genug sich dieser Beschäftigtengruppe näher zuzuwenden und „Licht ins Dunkle“ zu bringen. 

    Diesem Ansatz folgend hat das BMAS 2021 die Dialogreihe „Basisarbeit – mittendrin und außen vor“ aufgelegt. In verschiedenen Veranstaltung dieser Reihe haben sich unterschiedliche Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik grundsätzlich mit dem Thema „Basisarbeit“ auseinandergesetzt; die gesammelten Erkenntnisse und Vorschläge wurden in einen Handlungs- und Gestaltungsrahmen des BMAS aufgenommen, der kontinuierlich weiterentwickelt wird und auch die Dialogreihe findet eine Fortsetzung:

    Aber zunächst zur letzten Veranstaltung: Am 26.10.2022 begrüßte André Große-Jäger (BMAS/ Leiter des Referates „Gesundheitliche Auswirkungen des Wandels der Arbeit, Arbeitsstätten“) die rund 60 zugeschalteten Zuhörer:innen zu einer digitalen Podiumsdiskussion unter der dem Titel „Gute Basisarbeit – Neue Wege in der Reinigungsbranche“. Auf ein kompaktes und sehr informatives Intro durch den Gastgeber folgte zunächst ein Impulsvortrag von Viveka Ansorge (ArbeitGestalten GmbH). Frau Ansorge verantwortet das Modellprojekt Joboption Berlin und hat sich intensiv mit der „Tagreinigung“ und den Vorteilen befasst, die diese Basisarbeiter:innen bringen kann, die ansonsten vorzugsweise in Abend- und Nachtschichten tätig sind. Das Projekt zeigt sehr eindrücklich, welche positiven Effekte die intensive Auseinandersetzung mit Einzelaspekten der Basisarbeit zu Tage fördern kann.

    Im Anschluss diskutierten auf dem virtuellen Podium Frau Ansorge, Herr Große-Jäger, Nikolaus Landgraf (Regionalleiter Berlin-Brandenburg, Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt) und Andre Reinholz (Referatsleiter Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik, ver.di) über gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen im Zusammenhang mit der Basisarbeit: 

    • (Wie) Können verbindliche arbeitsorganisatorische Standards die Arbeitsbedingungen einer ganzen Branche verbessern?
    • Wer muss/kann entsprechende Entwicklungen anstoßen?
    • Wie wirkt sich ein allgemeinverbindlicher Branchen-Tarifvertrag langfristig aus?
    • Kommt es zu Arbeitsverdichtung, weil immer mehr Arbeit in immer weniger Zeit verrichtet werden muss?
    • Welche vergaberechtlichen Stellschrauben gibt es möglicherweise?
    • Wie sinnvoll und hilfreich kann gesetzlich vorgegebene Tariftreue sein?
    • Wie steht es um Weiterbildungschancen und –möglichkeiten für Basisarbeiter:innen?
    • Wie begegnet man physischen und psychischen Risiken und Belastungen, denen die Basisarbeitenden ausgesetzt sind? 

    Die sehr kurzweilige und intensive Runde machte zusammenfassend zwei Dinge deutlich: Es gibt viel mehr zum Thema Basisarbeit zu besprechen und auszutauschen, als es in anderthalb Stunden möglich ist. Klar ist: Es bedarf noch einiger gemeinsamer Anstrengungen, um Basisarbeiter:innen die Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, die sie brauchen und um ihnen die Anerkennung und Wertschätzung zugute kommen zu lassen, die sie verdient haben. 

    Die Zusage der BMAS für eine Fortsetzung des Diskurses steht in jedem Fall – es wird weiter gehen mit dem Thema „Basisarbeit“. Auch wir werden für euch den weiteren Prozess begleiten und dokumentieren.

    Willkommen | Basisarbeit - Mittendrin und außen vor (howspace.com)

    [8.11.2022]

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