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Befristungspraxis korrigieren

Befristungspraxis korrigieren

Berlin, 19.01.2015

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) begrüßt die Aussagen von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU), dass eine Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) nötig sei und der Anteil unbefristeter Stellen in Hochschulen deutlich erhöht werden müsse.

"ver.di fordert seit Langem eine Reform des Gesetzes, um der extremen Befristungspraxis Einhalt zu gebieten. Wir stimmen mit der Ministerin überein, dass die Laufzeit von Verträgen für Doktorandinnen und Doktoranden sich mindestens nach dem erforderlichen Zeitraum bis zum Abschluss der Promotion richten soll. Zudem ist es nötig, die Vertragslaufzeit für Beschäftigte in Drittmittelprojekten an die Laufzeit des Projektes zu koppeln. Daueraufgaben dürfen grundsätzlich nicht über befristete Verträge erledigt werden", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Petra Gerstenkorn.

Gerstenkorn widersprach der Darstellung der Ministerin, die Befristungsmöglichkeiten würden nur teilweise ausgenutzt. "Sie werden systematisch ausgenutzt, das zeigen alle Zahlen. Wir fordern, die Befristungsmöglichkeiten drastisch zu beschneiden und wissenschaftsunterstützendes Personal nicht mehr unter das Gesetz fallen zu lassen. Notwendig ist zudem eine sinnvolle Regelung zur Missbrauchskontrolle. Die Novellierung des Gesetzes ist überfällig.

Wir erwarten von der Wissenschaftsministerin, dass dabei die von der SPD vorgelegten Eckpunkte für eine Reform nicht verwässert werden", so Gerstenkorn.

Mehr als die Hälfte der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind bei ihrem ersten Vertrag kürzer als ein Jahr beschäftigt. Im Drittelmittelbereich werden Verträge häufig nur mit einer Laufzeit von wenigen Monaten abgeschlossen.

"Der dramatische Anstieg der Befristungen ist eines der besonderen Sorgenkinder der Arbeitsmarktpolitik. Gerade im Wissenschaftsbereich, aber auch darüber hinaus im öffentlichen Dienst hat sich die Befristungspraxis in den letzten Jahren zu einer erschreckenden Normalität entwickelt," ergänzte Eva M. Welskop-Deffaa, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Zwischen 1993 und 2013 hat sich die Zahl der befristet Beschäftigten in Deutschland verdreifacht. Im Bereich von Erziehung und Unterricht sind ausweislich des IAB-Betriebspanels 17 Prozent, im Gesundheits- und Sozialwesen 10 Prozent der Beschäftigten befristet beschäftigt (Zahlen für Juni 2013). Die negativen Effekte der Befristungen sind auch bei der Lohnhöhe unübersehbar: "Im Vergleich zu normal Beschäftigten ist das Risiko zu einem Prekaritätslohn arbeiten zu müssen für befristet vollzeitbeschäftigte Frauen 3 1/2 mal höher. Auch das Risiko nach einem Jahr arbeitslos zu werden, liegt für befristet vollzeitbeschäftigte Frauen 3 1/2 mal höher als in einem Normalarbeitsverhältnis," unterstrich Eva Welskop-Deffaa mit Verweis auf aktuelle Studien der Böckler-Stiftung.

siehe dazu auch: "Dauerbaustelle Befristungen"