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    Rentenanpassung zum 1. Juli 2020

    Rentenanpassung zum 1. Juli 2020

    Auch in Krisenzeiten ist auf die Rente Verlass - Gute Steigerung der Renten

    Nach den nun vorliegenden Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung Bund steht die Rentenanpassung zum 1. Juli 2020 fest: In den alten Bundesländern (aBL) steigt die Rente um 3,45 %, in den neuen Bundesländern (nBL) um 4,20 %. Eine Rente von 1.000 Euro erhöht sich damit in den aBL um 34,50 Euro, in den nBL um 42 Euro. Der aktuelle Rentenwert (Ost) steigt damit auf 97,2 % des aktuellen Rentenwerts West (bisher: 96,5 %). Das Rentenniveau beträgt 48,21 % (Rentenanpassungsverordnung 2020 – RWBestV 2020).

    Es gilt das Grundprinzip, dass die Renten den Löhnen folgen. In guten wie in schlechten Zeiten. Auch in ungewissen Zeiten steht die Rentenversicherung für Verlässlichkeit. Die aktuelle Rentenanpassung sichert den Rentnerinnen und Rentnern ihre Teilhabe an der Lohnentwicklung und sorgt so für höhere Renten. Sie folgt der guten wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2019. Auch die Angleichung der Rentenwerte in Ost und West schreitet weiter voran. Auf die Rentenversicherung ist Verlass, auch in Krisenzeiten“, kommentiert Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.

    Grundlage ist die gute Lohnentwicklung

    Die relevante Lohnsteigerung basiert auf der vom Statistischen Bundesamt gemeldeten Lohnentwicklung nach den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR), ohne die sogenannten Ein-Euro-Jobs und ohne Beamtenbezüge. Die Lohnsteigerungen betragen in den aBL 3,28 %, in den nBL 3,83 %. Darüber hinaus wird die beitragspflichtige Entgeltentwicklung der Versicherten berücksichtigt, die für die Einnahmesituation der gesetzlichen Rentenversicherung entscheidend ist.

    Nach mageren Rentensteigerungen und vier Nullrunden in den Jahren 2004-2006 und 2010 waren die Rentensteigerungen seit 2011 durchgängig gut und haben die Renten deutlicher als manche Löhne steigen lassen. Dies zeigt die obenstehende Grafik (eigene Darstellung nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund).

    Grafische Darstellung der Höhe der Rentenanpassungen seit dem Jahr 2000 bis zum Jahr 2020 ver.di Rentenanpassung 2000 bis 2020

    Rentenanpassung und Niveauschutzklausel

    Mit der Prüfung der Niveauschutzklausel des RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetzes wird sichergestellt, dass in der Zeit bis zum 1.7.2025 das Rentenniveau von 48 % vor Steuern nicht unterschritten wird. Das Rentenniveau vor Steuern ist ein Indikator für die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente und beschreibt den Verhältniswert aus einer Standardrente (45 Jahre immer Durchschnittsentgelt) und dem verfügbaren Durchschnittsentgelt, beides vor Steuern. Das Rentenniveau beträgt für das Jahr 2020 mit dem nach der bisherigen Rentenanpassungsformel errechneten aktuellen Rentenwert 48,21 %. Damit wird das Mindestsicherungsniveau von 48 % eingehalten. Die Niveauschutzklausel (§§ 154 Abs. 3, 255e SGB VI) kommt somit nicht zur Anwendung.

    Die aktuellen Rentenwerte (aRW), der Gegenwert eines Entgeltpunktes (EP), betragen ab 1.7.2020:

    • aBL: 34,19 Euro (bis 30.6.2019: 33,05 Euro), das ist ein Plus von 1,14 Euro pro EP
    • nBL: 33,23 Euro (bis 30.6.2019: 31,89 Euro), das ist ein Plus von 1,34 Euro pro EP

    Der aRW Ost beträgt damit ab 1.7.2020 97,2 % des aRW West (bis 30.6.20: 96,8 %)

    Bei der Rentenanpassung für die neuen Bundesländer sind die im Rentenüberleitungsabschlussgesetz festgelegten Angleichungsschritte (sogenannte Angleichungstreppe, § 255a SGB VI) dann relevant, wenn die aufgrund der Lohnentwicklung (3,83 %) errechnete Anpassung niedriger ist, als die Werte der Anpassungstreppe. In diesem Jahr würde die Lohnentwicklung zu einem aRW Ost von 3,13 Euro führen; mit der Angleichungstreppe zu 33,23 Euro. Deshalb ist dieser Wert maßgebend, der dann auch zu einer höheren Anpassung von 4,20 % führt.

    Grafische Darstellung der Rentenanpassungsformel ver.di Rentenanpassungsformel

    Faktoren in der Rentenanpassungsformel

    Die Rentenanpassungsformel beinhaltet neben der Anpassung an die Lohnentwicklung zahlreiche „Faktoren“, die mal rentensteigernd, mal rentendämpfend wirken können (siehe Schaubild unten):

    • Der Entgeltfaktor gibt die Lohn- und Gehaltsentwicklung wieder – und zwar die des Jahres 2019 im Verhältnis zum Jahr 2018 (ohne 1-€-Jobs und unter Berücksichtigung der beitragspflichtigen Entgelte, die für die Einnahmesituation der Rentenversicherung entscheidend sind) und beträgt 3,45 % in den aBL und 4,20 % in den nBL.
    • Der Nachhaltigkeitsfaktor, der – grob gesagt – das Verhältnis zwischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Rentner*innen widerspiegelt, wirkt in diesem Jahr wieder positiv und wirkt sich mit rechnerisch +0,17 Prozentpunkten leicht steigernd auf die Rentenanpassung aus.
    • Der Riester-Faktor ist bereits seit der Rentenanpassung 2014 wirkungslos.
    • Der Beitragssatz-Faktor wirkt sich in diesem Jahr nicht aus, da der Beitragssatz des Jahres 2019 ge-genüber dem Jahr 2018 unverändert bei 18,6 % geblieben ist.

    (Anm.: Riester-Faktor und Beitragssatz-Faktor wurden gemeinsam als „Faktor Altersvorsorgeaufwendungen“ bezeichnet.)

    [22.4.2020]