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    Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung 2020

    Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung fand am 05. Mai 2020 statt. Entstanden ist der Protesttag 1992 auf Initiative des Vereins „Selbstbestimmt Leben“, einer Interessenvertretung von Menschen mit Behinderung. Ziel des Tages ist es, die für eine Gleichstellung behinderter Menschen erforderliche rechtliche Grundlage zu schaffen. Gerade in den Zeiten der Corona-Krise ist es nötiger denn je, der Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen entgegenzutreten und die Rahmenbedingungen einzufordern, um aus dieser Krise heraus eine barrierefreie, vielfältige und inklusive Gesellschaft zu schaffen.

    Die Corona-Krise macht deutlich, dass Deutschland auch 11 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention die Inklusion und das Thema Barrierefreiheit nicht hinreichend umgesetzt hat. Informationen in leichter Sprache sowie solche in Gebärdensprache für gehörlose Menschen sind Mangelware. Ebenso fehlen barrierefreie Internetangebote für blinde und sehbehinderte Menschen. Diese Krise zeigt auf, dass der Handlungsbedarf noch sehr hoch ist und auch private Unternehmen zur Barrierefreiheit verpflichtet werden müssen.

    In Deutschland leben über 12 Millionen Menschen mit einer Beeinträchtigung. Davon sind 7,8 Millionen Menschen schwerbehindert, sie haben einen Grad der Behinderung von mindestens 50. Somit hat jede*r elfte Einwohner*in Deutschlands eine Schwerbehinderung. Mit 3 Prozent ist der Anteil derer, die ihre Behinderung von Geburt an haben, sehr gering. Die meisten Behinderungen, und zwar 88 Prozent, werden durch eine Krankheit verursacht und treten im Laufe eines (Erwerbs-)Lebens auf. 3,3 Millionen der schwerbehinderten Menschen sind im erwerbsfähigen Alter, das heißt zwischen 15 und 65 Jahren alt. Menschen mit Behinderungen sind in Deutschland immer noch häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als nicht behinderte Menschen. Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderungen lag 2018 bei 11,2 Prozent. – die vergleichbare allgemeine Arbeitslosenquote betrug 6,5 Prozent. Wenn man die Entwicklung der Arbeitslosenquote seit 2009 betrachtet, fällt auf, dass die Arbeitslosenquote der schwerbehinderten Menschen zwar sinkt, dies aber langsamer, als im Vergleich zur allgemeinen Arbeitslosenquote. Das heißt die Schere geht immer weiter auseinander.

    Gerade jetzt, wo viele Betriebe ihre Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit schicken oder sogar kündigen müssen, ist darauf zu achten, dass Menschen mit Behinderungen nicht überproportional von der Krise getroffen werden. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit haben bis zum 26.4.2020 viele deutsche Firmen für über 10 Mio. Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Trotz der extrem hohen Zahl von Anzeigen für Kurzarbeit stieg auch die Zahl der Arbeitslosen im April stärker an, als zu dieser Jahreszeit üblich. Welche sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen die Krise mit sich bringen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen.

    Interessenvertretungen, das heißt Betriebs- und Personalräte und auch die Schwerbehindertenvertretungen sind durch die Auswirkungen der Krise besonders herausgefordert, denn die Beschäftigten, insbesondere die Kolleg*innen, die eine Behinderung haben, brauchen jetzt mehr denn je ihre Unterstützung. Aus diesem Grund haben wir barrierefreie Informationen zusammengestellt, die für die tägliche Arbeit von Schwerbehindertenvertretungen wichtig sein können.

    [6.5.2020]