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Mehr Jobs - mehr Armut

Mehr Jobs - mehr Armut

Trotz Beschäftigungsrekord sind immer mehr Menschen von Armut bedroht. Deshalb brauchen wir eine neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt. Ein gesetzlicher Mindestlohn ist ein Grundstein, er muss aber hoch genug sein, für alle gelten und regelmäßig steigen. Es bleibt viel zu tun. 

Vor der Wahl schmückte sich die alte Bundesregierung gerne mit dem deutschen „Beschäftigungswunder“. Die Rekorde in der Statistik verzerren aber die Realität. Es werden nicht mehr Stunden gearbeitet als etwa im Jahr 2000, die Arbeit wurde nur umverteilt: Die Unternehmen zerlegten Vollzeitarbeitsplätze in Teilzeit- oder Minijobs.

Jetzt bestätigt auch das Statistische Bundesamt: Trotz Beschäftigungsboom sind immer mehr Menschen von Armut bedroht. 2011 waren es 16,1 Prozent der Bevölkerung, 2007 15,2 Prozent. Besonders stark stieg das Armutsrisiko bei den 55- bis 64-Jährigen. Hier ist wie bei den 18- bis 24-Jährigen ein Fünftel bedroht.

Und immer mehr können sich aus der Armut nicht mehr befreien. 40 Prozent sind seit mindestens fünf Jahren arm. 2000 waren das noch 27 Prozent. Gleichzeitig ist die Ungleichheit bei den Einkommen 2011 wieder deutlich angestiegen. Seit ihrem Höchststand 2005 war sie etwas zurückgegangen.

„Sozial ist, was Arbeit schafft“ stimmt also nicht. Auf Qualität und Bezahlung kommt es an. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns ist ein Grundstein für eine neue Ordnung am Arbeitsmarkt. Er muss aber hoch genug sein, für alle gelten und regelmäßig steigen. Wir sind noch lange nicht am Ziel. Jetzt müssen wir dranbleiben.

 (Quelle: Wipo-aktuell, 21-2013)

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