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    Corona – eine Herausforderung auch für die BGW

    Corona – eine Herausforderung auch für die BGW

    Unter allen Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung ist die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) am stärksten durch Verdachtsmeldungen auf Covid-19 als Berufskrankheit betroffen. Dies liegt sowohl an den dort versicherten Branchen, aber auch daran, dass sich die BGW auf Betreiben der Selbstverwalter*innen sehr frühzeitig entschlossen hat, im Interesse der Betroffenen eine Beweiserleichterung einzuführen, um Erkrankte möglichst schnell unterstützen zu können.
     
    Die exponentielle Entwicklung der gemeldeten Verdachtsfälle hat allerdings Auswirkungen auf die Bearbeitungsdauer, erfordert eine angepasste Priorisierung der Arbeitsprozesse und zusätzliche Personalressourcen.
     
    Ein Blick auf die Zahlen: Vor der Corona-Pandemie erhielt die BGW jährlich insgesamt etwa 1.000 Verdachtsmeldungen auf beruflich bedingte Infektionskrankheiten. Aktuell gehen wöchentlich mehrere Tausend Covid-19-Meldungen ein und sind zu bearbeiten. Bis Ende Juli 2022 wurden der BGW insgesamt knapp 281.000 Verdachtsfälle auf eine Covid-19-Berufskrankheit gemeldet. Das in den Jahren 2020 und 2021 schon außerordentlich hohe Meldeaufkommen ist in diesem Jahr noch weiter angestiegen. Die Meldezahlen des ersten Halbjahres 2022 liegen um fast 20 Prozent über denen des gesamten Jahres 2021. Anerkannt als Berufskrankheit hat die BGW bis Ende Juli 2022 insgesamt 161.000 Fälle. Den aktuellen Sachstand haben DGUV und BGW kürzlich in einer gemeinsamen Presseerklärung veröffentlicht.
     
    Die hohen Meldezahlen bedeuten für die BGW ein Arbeitsaufkommen von nie da gewesenem Ausmaß. Dies führt zu Verzögerungen und betrifft alle Vorgänge: Die zeitnahe Erfassung der Meldungen und rasche Kontaktaufnahme mit den Betroffenen gelingen nicht mehr. Die Betreuung durch das Reha-Management startet mit Verspätung. Versicherte warten länger auf Auskünfte oder eine individuelle Beratung. Auch die Entscheidung über Leistungen wegen der Folgen der Berufskrankheit braucht mehr Zeit als üblich.
     
    Die daraus resultierende Unzufriedenheit der Versicherten ist auch für die BGW belastend – für Beschäftigte gleich im doppelten Sinne: Einerseits ist es oft nicht möglich, dem eigenen Anspruch, schnell auf die Bedarfe von Versicherten einzugehen, gerecht zu werden. Andererseits sind die Beschäftigten der BGW durch die Flut der zu bearbeitenden Meldungen überlastet. „Wir tun, was wir können, haben uns zwischenzeitlich personell verstärkt, erhalten Unterstützung von anderen Unfallversicherungsträgern und optimieren stetig unsere Prozesse“, sagt BGW-Hauptgeschäftsführer Jörg Schudmann. Große Unterstützung gab es dafür auch von der Selbstverwaltung, die sofort der Einstellung von zusätzlichem Personal zugestimmt hat. „Das Engagement der Beschäftigten der BGW ist außerordentlich hoch und verdient unser aller Anerkennung. Aber ohne personelle Verstärkung wäre das Arbeitsaufkommen gar nicht zu bewältigen“, ergänzt Axel Schmidt, Vorstandsvorsitzender der BGW. Auch die Aufsichtsbehörde hat den Stellenplan 2022 der BGW mit weiteren coronabedingten Mehrbedarfen schneller als sonst bewilligt. Trotzdem bleibt die Arbeitssituation in der Berufsgenossenschaft sehr angespannt.

    [13.9.2022]