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Armut hat viele Gesichter

Armut hat viele Gesichter

Da sind die Kinder, die in Familien aufwachsen, bei denen das Einkommen nur zum Nötigsten reicht – ob mit oder ohne staatliche Transferleistungen. Da sind die Alleinerziehenden, die häufig nur in Teilzeit arbeiten können, damit sie ihre vielfältigen Aufgaben (Arbeit, Haushalt, Kinder) noch erfüllen können, ohne die Kinder zu vernachlässigen. Da sind die vielen Selbstständigen, die trotz Selbstausbeutung ihrer Arbeitskraft häufig noch weniger als den Mindestlohn zum Leben haben. Da sind die Arbeitslosen, die mit den Leistungen nach ALG II gerade das unbedingt Nötigste bekommen. Da sind die Älteren, die nach einem langen (Erwerbs-)Leben feststellen müssen, dass die Rente nicht für ein würdiges Alter reicht. Da sind aber auch die Obdachlosen, von denen viele durch Schicksalsschläge den Halt verloren haben und Geflüchtete, die Schreckliches erlebt haben und nun auf eine bessere und friedlichere Zukunft bei uns hoffen.

Armut hat viele Gründe und viele Gesichter. Zwar muss bei uns niemand verhungern, aber die Zunahme der Suppenküchen und die steigenden Angebote der Tafeln machen deutlich, dass viele Menschen auch für ihr täglich Brot Hilfe benötigen. Andere wiederum versuchen, mit ihren geringen Möglichkeiten den Schein aufrechtzuerhalten. Sie schämen sich für ihre Armut, obwohl sich doch eigentlich die Gesellschaft dafür schämen müsste, dass es in einem der reichsten Länder der Welt noch (versteckte oder offene) Armut gibt. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die Kinder- und die Altersarmut – darauf muss unser besonderes Augenmerk liegen. Hier ist die uneingeschränkte Solidarität unserer Gesellschaft gefragt.

Wie wird Armut eigentlich definiert? Sicherlich überall anders, Indien und Italien sind nicht miteinander vergleichbar. Und es gibt verschiedene Ansätze, um Armut zu bestimmen. Der Begriff „absolute Armut“ geht auf eine Bestimmung der Weltbank zurück. In Armut lebt danach, wer aktuell weniger als 1,90 US-Dollar am Tag zum Leben hat. „Relative Armut“ hingegen setzt die Umstände ins Verhältnis zur Umgebung. Der Begriff wird meist in Wohlstandsgesellschaften verwendet, in denen es absolute Armut praktisch kaum gibt. Als „arm“ gilt dann derjenige, dessen Einkommen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens beträgt, als „armutsgefährdet“, wer auf weniger als 60 Prozent kommt. Davon sind in Deutschland Millionen Menschen betroffen. Ihnen zu helfen, ihrer Armut dauerhaft zu entkommen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sollte für eine reiche Gesellschaft wie die unsere eine Selbstverständlichkeit sein.