Nachrichten

    Sicher und gesund arbeiten in der Corona-Pandemie

    Sicher und gesund arbeiten in der Corona-Pandemie

    Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel ist da

    Am 20. August 2020 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel veröffentlicht. Die Arbeitsschutzregel konkretisiert auf der Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) und der Arbeitsschutzverordnungen den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des BMAS. Darüber hinaus beschreibt die Regel die Anforderungen an die Arbeitgeber, geeignete Schutzmaßnahmen umzusetzen, unter Berücksichtigung des neuesten Standes der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene.

    Wer hat die Arbeitsschutzregel erstellt?

    Unter der Koordination der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erarbeiteten der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA), der Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfAMed) und der Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) einen Entwurf, der mit dem Ausschuss für Betriebssicherheit (ABS) und dem Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) abgestimmt wurde. Damit wurde die große Herausforderung einer gemeinsamen Verständigung aller staatlichen Arbeitsschutzausschüsse des BMAS wirksam umgesetzt.

    Die Gewerkschaftsvertreter*innen in den Ausschüssen haben sich intensiv eingebracht und für ihre Forderungen gekämpft, immer mit dem Ziel, sich für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten einzusetzen und die Arbeit der betrieblichen Interessenvertretungen zu erleichtern.

    Gewerkschaftsvertreter*innen setzen sich in den Arbeits-schutzausschüssen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten ein.

    Das haben wir erreicht

    Abstand und Hygiene sind weiterhin die wichtigsten Anforderungen

    Grundlage der gesamten Arbeitsschutzregel ist die Gefährdungsbeurteilung!
    Die Arbeitgeber sind verpflichtet, die Gefährdungsbeurteilungen in den Betrieben und Einrichtungen zu überprüfen und anzupassen. Wichtig dabei ist außerdem, dass die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen zu kontrollieren ist.

    Schutzmaßnahmen erfolgen nach dem TOP-Prinzip!
    In der Arbeitsschutzregel ist genau beschrieben, dass bei den Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip verfahren werden muss! Zuerst müssen also technische Maßnahmen, wie z.B. die Neuordnung des Mobiliars, umgesetzt werden. Ist dies baulich nicht möglich, müssen organisatorischen Maßnahmen, wie z.B. Kontaktreduzierung der Beschäftigten durch Homeoffice, erfolgen. Nur wenn dies aus nachvollziehbaren Gründen auch nicht möglich ist, sind personenbezogenen Maßnahmen vorzunehmen, wie z.B. das Tragen von Mund-und Nasenbedeckung.

    Für Beschäftigte im Homeoffice sind Gefährdungsbeurteilungen durchzuführen.

    Regelungen zum Homeoffice und mobilen Arbeiten getroffen!
    Für die im Homeoffice befindlichen Beschäftigten sind Gefährdungsbeurteilungen unter Berücksichtigung folgender Aspekte durchzuführen: Gestaltung der Arbeitsaufgaben und der Arbeitszeit, die Integration der Beschäftigten in die betrieblichen Abläufe und die Berücksichtigung der psychischen Belastungsfaktoren.

    Außerdem hat der Arbeitgeber die Aufgabe, die Beschäftigten hinsichtlich einer ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung und der Nutzung von Arbeitsmitteln zu unterweisen (z. B. die korrekte Bildschirmposition, möglichst eine separate Maus und Tastatur zu benutzen und auf eine richtige und wechselnde Sitzhaltung sowie Bewegungspausen zu achten).

    Terminhinweis: Videokonferenz am 12.11.2020 inkl. Veröffentlichung eines Handlungsleitfadens (weitere Infos dazu im nächsten Newsletter)

    Prüfung von Tragezeiten und regelmäßigen Pausen beim Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen und Masken
    Die Verwendung von Mund-Nase-Bedeckungen, medizinischen Gesichtsmasken und filtrierenden Halbmasken führt allein durch den Atemwiderstand innerhalb der Maske zu höheren Belastungen. Um die Beschäftigten zu entlasten, ist der Arbeitgeber verpflichtet zu prüfen, inwieweit die Tragezeiten durch andere Tätigkeiten oder durch regelmäßige Pausen reduziert werden müssen. Hier sind die betrieblichen Interessenvertretungen aufgefordert, mit den Arbeitgebern entsprechende Regelungen zur Entlastung zu treffen. Dazu kann der Anhang 2 „Tragezeitbegrenzung“ der DGUV-Regel 112–190 „Benutzung von Atemschutzgeräten“ unterstützend genutzt werden.

    Die 17 Schutzmaßnahmen des SARS-CoV-2-Arbeitschutzstandards (C-ASS) auf einen Blick:

    • C-ASS 1          Arbeitsplatzgestaltung
    • C-ASS 2          Sanitärräume, Kantinen und Pausenräume
    • C-ASS 3          Lüftung
    • C-ASS 4          Baustellen, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Außen- und Lieferdienste, Transporte und Fahrten innerhalb des Betriebes, öffentlicher Verkehr
    • C-ASS 5          Unterkünfte, auch Sammelunterkünfte
    • C-ASS 6          Homeoffice 
    • C-ASS 7          Dienstreisen und Besprechungen
    • C-ASS 8          Sicherstellung ausreichender Schutzabstände
    • C-ASS 9          Arbeitsmittel/Werkzeuge
    • C-ASS 10        Arbeitszeit- und Pausengestaltung
    • C-ASS 11        Aufbewahrung von Arbeitskleidung und persönlicher Schutzausrüstung
    • C-ASS 12        Zutritt betriebsfremder Personen zu Arbeitsstätten und Betriebsgelände
    • C-ASS 13        Handlungsanweisungen für Verdachtsfälle
    • C-ASS 14        Berücksichtigung psychischer Belastungen
    • C-ASS 15        Mund-Nase-Bedeckung und PSA
    • C-ASS 16        Unterweisung und Kommunikation
    • C-ASS 17        Arbeitsmedizinische Vorsorge wegen Tätigkeiten mit Infektionsgefährdung durch SARS-CoV-2, bei Tätigkeiten, die wegen der Infektionsgefährdung das Tragen von Atemschutzgeräten erfordern und bei Tätigkeiten wegen mobilem Arbeiten, Auswertung von SARS-CoV-2-Infektionen bei Beschäftigten, Umgang mit besonders schutzbedürftigen Beschäftigten, Rückkehr zur Arbeit nach einer Infektion oder einer COVID-19-Erkrankung

    Die Arbeitsschutzregel ist zwar rechtlich nicht bindend, jedoch kann der Arbeitgeber bei Einhaltung der Arbeitsschutzregel davon ausgehen, dass die entsprechenden Anforderungen an die Verordnungen bzw. Rechtsnormen, die durch Regierungs- oder Verwaltungsorgane erlassen wurden, erfüllt sind (Vermutungswirkung). Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss diese mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen.

    Arbeitsschutzregel ist für die Zeit der Epidemie befristet.

    Nun gilt es, die Schutzmaßnahmen in den Betrieben und Einrichtungen zu überprüfen. Hier sind die betrieblichen Interessenvertretungen aufgefordert, gemeinsam mit den Arbeitgebern, die notwendigen Vorgaben zum Schutz der Beschäftigten durch- und umzusetzen.

    [2.9.2020]