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    Vielfalt und Solidarität

    Vielfalt und Solidarität

    Für eine diskriminierungsfreie Arbeitswelt

    Inklusion und Vielfalt sind bei ver.di Programm. Wir setzen uns für die Interessen aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen ein, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder religiösen Gruppe. Wir wissen um die Stärke des betrieblichen Universalismus, des „Für-alle-soll-dasselbe-gelten“. Und wir wissen auch um die Unterschiede der verschiedenen Bedürfnisse, die sich aus der Vielfalt der von uns vertretenen Menschen ergeben. Vielfalt zu respektieren und zusammenzuhalten, ist die große Solidaritätsleistung der Einheitsgewerkschaft.

    In den ersten Tagen nach dem Attentat auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt in Paris standen viele unter Schock. Wir haben um unsere Kollegen und Kolleginnen getrauert und den Familien der Opfer unser Beileid ausgesprochen. Die Debatten, die nach den Ereignissen seither geführt wurden, haben eine erste rationale Annäherung an die zugrunde liegenden Probleme ermöglicht. Es zeigt sich, wie wichtig es ist, den Dingen auf den Grund zu gehen: Nicht nur um über die Ursachen der Radikalisierung einzelner nachzudenken, sondern auch um Position zu beziehen gegen die auf Emotionalität und Vereinfachung setzenden Vorurteile. In dieser schwierigen Gemengelage – rassistische Ressentiments auf der einen Seite und islamistisch aufgeladener Fundamentalismus auf der anderen – bedarf es auch in den Gewerkschaften einer engagierten, sachlichen und um Differenzierung bemühten Auseinandersetzung, wenn wir verhindern wollen, dass der Funke der Gewalt überspringt.

    Hinter vielen Ängsten, die sich in verbalen und gewalttätigen Ausbrüchen zeigen, stehen soziale Probleme. Menschen sorgen sich um ihre Zukunft, sehen sich von Absturzrisiken bedroht oder finden keinen Zugang zum regulären Arbeitsmarkt. Prekäre Beschäftigung, Altersarmut, die Erosion des Sozialstaats und die Diffamierung von MigrantInnenen und Erwerbslosen als „selbst verschuldete Verlierer“ (siehe sopoaktuell Nr. 197) – all diese Probleme hat ver.di die letzten Jahre immer wieder angemahnt und sich für eine Verbesserung der Arbeits- und Lohnbedingungen eingesetzt.

    In der Stellungnahme des Bundesvorstands zu den Pegida-Demonstra­tionen, werden arbeitsmarktpolitisch notwendige Reformen klar benannt. Gerade auch in Bezug auf die arbeitsmarktpolitische Integration von Menschen mit Migrationshintergrund:

    „Da liegt bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt noch vieles im Argen, bedarf es sprachlicher Integrationsangebote, intensiver Berufsberatung, zügiger Anerkennung von Abschlüssen, wirksamer Unterstützung der Städte und einer Finanzierung der Flüchtlingsunterkünfte aus dem Bundesetat.“

    Diskriminierungsfreie Gestaltung von Arbeit

    Auch die kollegiale betriebliche Zusammenarbeit von ChristInnen und Muslimen, von Menschen unterschiedlicher Religion und Weltanschauung ist ein wichtiges Element der diskriminierungsfreien Gestaltung der Arbeits- und Lebenswirklichkeit. Darauf hat ver.di Bundesvorstandsmitglied Eva Maria Welskop-Deffaa wenige Tage nach den Pariser Anschlägen auf dem religionspolitischen Kongress von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN noch einmal hingewiesen.

    Migranten und Migrantinnen unterstützen

    Die vom Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz gestalteten Rechte und Pflichte der Personalvertretungen und Tarifpartner müssen zur Durchsetzung des präventiven Schutzes vor Diskriminierung im Arbeitsleben umfassender genutzt werden. Das gilt für Menschen, die aufgrund ihrer Religion von Diskriminierung bedroht sind, das gilt aber für alle besonders vulnerablen Personengruppen. Migrantinnen sind insgesamt besonders diskriminierungsgefährdet. Die Einstiegsbarrieren, das zeigen aktuelle Studien, sind für Migrantinnen vor allem mit türkisch oder arabisch klingenden Namen ungleich höher(siehe sopoaktuell Nr. 193).

    Zudem bestehen signifikante Geschlechterunterschiede bei den Beschäftigungschancen von Muslimen: Gelingende Arbeitsmarktintegration ist für eine gläubige Muslima erheblich schwieriger als für muslimische Männer (Arbeitswirklichkeit von Muslimen und Christen in Deutschland).

    Soziale Ungleichheit und ein tolerantes Miteinander

    Strukturelle Ungleichheiten und soziale Probleme gefährden die „dritte deutsche Einheit“; Einheit – tolerantes Miteinander in einem weltoffenen Deutschland – setzt Religionsfreiheit unabdingbar voraus. „Versöhnte Verschiedenheit, Respekt vor der Vielfalt und der religiösen und weltanschaulichen Überzeugung des anderen schafft Voraussetzungen dafür, Interessen gemeinsam vertreten zu können, schafft Voraussetzungen für betrieblichen Frieden.” ("Je suis Charlie. Religions- und Meinungsfreiheit verteidigen!" Impulsreferat von Eva M. Welskop-Deffaa).

    Um Interessen erfolgreich gemeinsam vertreten zu können, braucht es gewerkschaftliche Organisierung. Eva Welskop-Deffaa:„Wenn wir es schaffen, 'die alte Tante Solidarität' zu reanimieren, stiftet sie ganz konkret Zusammenhalt. Es geht um beides: soziale Ungleichheit zu überwinden und kulturelle Unterschiede wertzuschätzen.“