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Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen – Was passiert bei ver.di?

Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen – Was passiert bei ver.di?

Der Zuzug vieler Schutzsuchender wird auch 2016 das öffentliche Mega-Thema bleiben. Bei vielen Gelegenheiten waren die damit verbundenen Herausforderungen (siehe dazu: sopoaktuell Nr. 226 vom 13.10.2015) in den letzten Wochen das zentrale Thema. ver.di unterstützt die Eingliederung von Geflüchteten in Ausbildung, Arbeit und Gesellschaft. Betriebs- und Personalräte leisten dazu einen wesentlichen Beitrag. Hilfestellungen dafür bietet beispielsweise eine Musterbetriebsvereinbarung, die der ver.di Fachbereich 13 aus Hamburg für die Integration von Flüchtlingen in das Arbeits- und Berufsleben angefertigt hat. Ziel ist es, die Wirtschaft beim Wort zu nehmen und der positiven Haltung gegenüber Geflüchteten Taten folgen zu lassen, ohne zu einer Verschärfung der Konkurrenz in den Betrieben beizutragen.

Auch bestehende tarifliche Vereinbarungen können zur Integration von Flüchtlingen genutzt werden. So konnten sich ver.di und die Telekom bei den Verhandlungen um die Ausbildungsquote darauf einigen, dass das Unternehmen künftig jährlich 100 Flüchtlingen eine Ausbildungschance bietet.  

Bei der 4. ver.di Selbstverwalter-Tagung Arbeitsverwaltung am 11.12.2015 in Mannheim berichtete Klaus Pawlowski, dortiger Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit, von den Maßnahmen und Anstrengungen der BA zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen. Er machte sich dafür stark, den Menschen Zeit zu geben und auf langfristige Qualifizierungsmodelle zu setzen, statt vorschnelle Lösungen zu erzielen. „Denn gesucht werden Fachkräfte“, fasste Pawlowski die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt zusammen. Aufgrund des geringen Durchschnittsalters der Flüchtlinge müsse besonders die schulische und die duale Ausbildung gefördert werden. Günter Zellner, DGB-Vertreter im Verwaltungsausschuss der Agentur für Arbeit Traunstein, begrüßte bei der Tagung die gezeigte Flexibilität bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen. „Wir müssen den Kolleginnen und Kollegen in der Arbeitsverwaltung mehr Freiheiten lassen, das ist meine Erkenntnis.“ Zellner zeigte auf, welche Widersprüche die derzeitige Flüchtlingspolitik produziere. Denn nur Flüchtlinge aus Herkunftsländern mit über 50-prozentiger Anerkennungsquote hätten die Möglichkeit, frühzeitige Fördermaßnahmen wie Sprachkurse in Anspruch zu nehmen. Ausgeschlossen seien beispielsweise afghanische Flüchtlinge, denn ihre Anerkennungsquote liegt derzeit bei 45 Prozent. „Das kann man den Betroffenen nicht erklären“, schloss der bayrische Kollege seinen Beitrag.

Günter Zellner (Mitglied im Verwaltungsausschuss der Agentur für Arbeit Traunstein) anl. SV-Tagung Arbeitsverwaltung am 11.12.2015 ver.di Günter Zellner und Eva M. Welskop-Deffaa

Die Tagung machte deutlich: Die Bewältigung der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt setzt die aktive Einbindung der Selbstverwaltung voraus. Die Gewerkschafts- und Arbeitgebervertreter in den Verwaltungsausschüssen verfügen über die nötigen Kenntnisse. Einerseits kennen sie die Bedingungen der regionalen Arbeitsmärkte, andererseits haben sie – nicht zuletzt über die Zusammenarbeit im Verwaltungsausschuss – Zugang zu den nötigen Netzwerken, um eine potenzialorientierte Vermittlung in Beschäftigung aktiv zu unterstützen. „In der aktuellen Herausforderung zeigt sich, dass die Strukturen einer selbstverwalteten Körperschaft besonders tragfähig sind. Wenn es eines weiteren Beleg für die notwendige Revitalisierung der Selbstverwaltung in der Arbeitsförderung bedurft hätte, hier ist er!“, fasste Eva M. Welskop-Deffaa, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für Arbeitsmarkt- und Migrationspolitik, die Diskussion zusammen. 

Ein gemeinsames Schreiben der alternierenden Vorsitzenden des Verwaltungsrats der BA vom November hatte die Mitglieder der Verwaltungsausschüsse ausdrücklich ermutigt, ihre Gestaltungsmacht für die Integration der Flüchtlinge einzusetzen.