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    Wie profitieren Frauen von Betriebsrenten?

    Wie profitieren Frauen von Betriebsrenten?

    Daten & Fakten zum Internationalen Frauentag 2022

    Frauen beziehen im Durchschnitt 46 Prozent weniger gesetzliche Rente als Männer, 56 Prozent weniger Betriebsrente.  Diese Lücke misst der Gender Pension Gap.

    Gender-Pension-Gap ver.di Gender-Pension-Gap  –

    Ende des Jahres 2015 und damit in dem Zeitraum, in dem die Diskussion über Maßnahmen zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) begann, hatten ca. 17,7 Mio. und damit knapp 60 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine Anwartschaft auf eine spätere Betriebsrente bei ihrem aktuellen Arbeitgeber. 

    Die politisch Verantwortlichen hielten weitere Anstrengungen und neue Wege für erforderlich, um gerade in kleineren Unternehmen und bei Beschäftigten mit niedrigem Einkommen eine höhere Verbreitung zu erreichen. Damit war die Frage nach Verbesserungen der betrieblichen Altersversorgung auch zugleich eine Frage der ungenügenden Altersabsicherung von Frauen geworden. 

    Dabei sind Betriebsrenten – das will ich deutlich hervorheben – die älteste, die wichtigste und die kostengünstigste Zusatzversorgung im Alter.

    Bundesministerin Andrea Nahles am 10.3.2017 im Deutschen Bundestag

    Warum haben Frauen so viel geringere Betriebsrenten?

    Im ergänzenden Bericht der Bundesregierung zum Rentenversicherungsbericht 2020, dem Alterssicherungsbericht 2020 (ASID 2020), der alle vier Jahre erstellt wird, finden sich die aktuellen Zahlen zur Verbreitung der bAV. Informationen über den Stand der Verbreitung der bAV erfolgen über Erhebungen bei den jeweiligen Versorgungsträgern der bAV („Trägerbefragung“) und direkt bei den Arbeitgebern. Die aktuelle, letzte Befragung stammt aus dem Jahr 2020 und umfasst Daten bis zum Dezember 2019 wie im Alterssicherungsbericht 2020 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (S. 138) nachlesen kann. 

    Der Verbreitungsgrad der bAV hängt unmittelbar mit der Betriebsgröße zusammen: In Betrieben mit weniger als 10 Beschäftigten erwarben nur 29 Prozent eine bAV-Anwartschaft, während es in Betrieben mit 50 und mehr Beschäftigten mindestens 48 Prozent waren. In Betrieben mit mehr als 1.000 Beschäftigten lag dieser Anteil sogar bei 88 Prozent (siehe BMAS, Alterssicherungsbericht 2020, Abb. D.1.2). Frauen arbeiten mehrheitlich in kleineren Betrieben – einer der Gründe für deren niedrigere Betriebsrenten. 

    Politik ist eine viel zu ernste Sache, als dass man sie allein Männern überlassen könnte.

    Käthe Strobel

    Die durchschnittliche Bruttobetriebsrente lag 2019 bei Personen mit einer eigenen Alterssicherung bundesweit bei 503 Euro; bei Männern bei 663 Euro und bei Frauen bei 290 Euro (siehe BMAS, Alterssicherungsbericht 2020, Abb. B.2.1).

    Mit zunehmendem Alter nimmt die Verbreitung der bAV zu:
      Frauen Männer
    44- bis 55-Jährige 53 Prozent 59 Prozent
    55- bis 65-Jährige 58 Prozent 57 Prozent

    Insbesondere Beziehende kleiner Einkommen bzw. deren Arbeitgeber sorgen nach wie vor zu wenig zusätzlich für das Alter vor. Während über alle Einkommensklassen hinweg rund 35 Prozent der Befragten angaben, über keine zusätzliche Altersvorsorge zu verfügen, sind es bei Personen im Niedriglohnbereich mit einem Bruttolohn von weniger als 1.500 Euro pro Monat 1) knapp 54 Prozent, bzw. etwa 2,2 Mio. der knapp 4,2 Mio. erfassten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dieser Gruppe. Rund 71 Prozent davon sind Frauen (ca. 1,6 Mio.). 

    Was können gerade Frauen tun?

    • Beim Betriebsrat/in der Personalabteilung nachfragen, ob es im Betrieb/Unternehmen eine bAV gibt.
    • Falls nein, die bAV zum Thema auf Betriebsversammlungen machen, initiativ werden und mit deiner Gewerkschaft ver.di überlegen, wie der Arbeitgeber aktiviert werden kann, eine von ihm finanzierte bAV einzuführen – übrigens eine klassische betriebliche Sozialleistung. 

    1) Die Rente nach einer 45-jährigen Tätigkeit bei rd. 30 Wochenarbeitsstunden mit einem Stundenlohn von 12 Euro beträgt brutto rund 700 Euro (aktuelle Werte unterstellt). 

    [8.3.2022]