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    Assistierte Ausbildung

    Assistierte Ausbildung

    Im vergangenen Jahr hatte sich ver.di in der Selbstverwaltung der Bundesagentur für Arbeit (BA) zusammen mit den anderen DGB-Gewerkschaften für die Verbesserung betrieblicher Ausbildungschancen für junge Menschen mit Handicap eingesetzt (vgl. sopoaktuell 175).

    Die Assistierte Ausbildung setzt an der "Achillesferse des dualen Systems" an, schreibt nun der DGB in seiner Stellungnahme zum 5. SGB IV-Änderungsgesetz, das die gesetzlichen Voraussetzungen für die assistierte Ausbildung schaffen soll. Es geht um die sinkende Ausbildungsbeteiligung vor allem kleinerer Unternehmen einerseits und die schlechten Chancen vieler Jugendlicher andererseits.

    Assistierte Ausbildung ist das einzige Instrument, das Jugendliche und Betriebe gleichzeitig wirksam unterstützt: "Sie hilft den Betrieben bei der Auswahl der Jugendlichen und bei der Umsetzung des betrieblichen Ausbildungsplans. Sie unterstützt die Jugendlichen, wenn sie zusätzliche Förderung – wie etwa Sprachunterricht – brauchen", so der DGB. Wichtig vor allem: Sie ist eine rein betriebliche Ausbildung, bei der die Jugendlichen vom ersten Ausbildungstag an einen Ausbildungsvertrag haben und bei der der Betrieb die reguläre Ausbildungsvergütung zahlt.

    Foto zur Aktuellmeldung "Assistierte Ausbildung" ver.di  –

    Deshalb ist die Einführung und Verstetigung der Assistierten Ausbildung ein zentrales Element der „Allianz für Aus- und Weiterbildung", die der Bund, die Länder, Gewerkschaften und Spitzenverbände der Wirtschaft im Dezember 2014 gemeinsam vereinbart haben. Die Allianz hat die Initiative der BA-SelbstverwalterInnen aufgegriffen und den Gesetzgeber in die Pflicht genommen, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. ver.di begrüßt, dass nun eine entsprechende Gesetzesänderung erfolgen soll, die zum kommenden Ausbildungsjahr greifen kann.

    Weitergehender Handlungsbedarf besteht allerdings nach Auffassung des DGB bei der Zielgruppe, die sich im vorliegenden Gesetzentwurf vor allem auf Jugendliche ohne Hauptschulabschluss konzentriert. "Diese Definition ist zu eng gefasst," heißt es in der Stellungnahme des DGB. Die DGB-Gewerkschaften schlagen eine Öffnung der Zielgruppe auch auf leistungsschwächere Jugendliche vor, die über ausbildungsbegleitende Hilfen hinaus weitere Unterstützung benötigen. Mit dieser weiteren Definition könnte das Instrument seine gewünschte Wirkung entfalten.

    Die Allianz-Partner hatten im Dezember vereinbart, das "Instrument der Assistierten Ausbildung zu verstetigen". Die von der Regierungskoalition nun vorgesehene Befristung auf vier Jahre ist dabei kontraproduktiv und muss gestrichen werden. "Die Assistierte Ausbildung sollte dauerhaft verankert werden. Hingegen ist eine Evaluation nach vier Jahren sinnvoll, um dieses Instrument ggf. zu verbessern," schreibt der DGB in seiner Stellungnahme.

    Für eine Arbeitsmarktpolitik, die nachhaltig auf die Bedürfnisse von Jugendlichen mit Handicap reagieren und ihre Fähigkeiten stärken will, ist der Zugang zu betrieblicher Ausbildung über die Förderung der "Assistierten Ausbildung" von zentraler Bedeutung, betont auch Eva M. Welskop-Deffaa, ver.di-Vertreterin im Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit und im ver.di-Bundesvorstand zuständig für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik.