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    Die Bedeutung der Muttersprache für die neuen Einwanderer

    Die Bedeutung der Muttersprache für die neuen Einwanderer

    Logo der UNESCO zum intern. Tag der Muttersprache UNESCO Logo  – Internationaler Tag der Muttersprache


    Ein Beitrag zum internationalen Tag der Muttersprache

    Von Dr.-Ing. Hussein Jinah, Sozialarbeiter und Personalrat bei der Stadt Dresden, Vorsitzender des Landesmigrationsausschusses ver.di Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen

    Am 21. Februar begeht die UNESCO den Internationalen Tag der Muttersprache, um auf die Bedeutung der Muttersprache hinzuweisen sowie weltweit sprachliche Vielfalt und mehrsprachigen Unterricht zu fördern.

    Sowohl die Muttersprache als auch sprachliche Vielfalt sind Schlüsselkomponenten für den Aufbau und den Erhalt von integrativen, offenen, vielfältigen und partizipativen Wissensgesellschaften. Durch Sprachen werden Informationen und Wissen vermittelt und damit Wohlstand, sozialer Wandel und nachhaltige Entwicklung gefördert. 

    Dr.-Ing. Hussein Jinah, Sozialarbeiter und Personalrat bei der Stadt Dresden, Vorsitzender des Landesmigrationsausschusses ver.di Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen Mikrotext Dr.-Ing. Hussein Jinah

    Der Erhalt der sprachlichen Vielfalt ist nicht nur für die Bewahrung sprachlicher, sondern auch kultureller Vielfalt von entscheidender Bedeutung. Besonders viele indigene Sprachen sind heute vom Verschwinden bedroht. Indigene Völker sprechen die Mehrheit der weltweit circa 6.700 Sprachen. Mit der Ausrufung des Internationalen Jahres der indigenen Sprachen bekräftigt die internationale Gemeinschaft ihr Engagement, indigene Völker beim Schutz ihres Wissens sowie ihrer Kultur und ihrer Rechte zu unterstützen.

    Heute sind über 50 Prozent der weltweit circa 6.700 gesprochenen Sprachen vom Verschwinden bedroht. Im Schnitt geht alle zwei Wochen eine Sprache verloren und damit auch ein Stück kulturelles und intellektuelles Erbe. Im Internet sind viele Sprachen noch gar nicht präsent. Die UNESCO ermutigt ihre Mitgliedstaaten, politische Maßnahmen zu entwickeln, um sprachliche Vielfalt und Mehrsprachigkeit im digitalen Raum zu stärken, da ihnen eine Schlüsselrolle bei der Förderung pluralistischer, gerechter und offener Wissensgesellschaften zukommt.

    Welche Bedeutung hat nun die Muttersprache für die neuen Einwanderer?

    Die Anerkennung der muttersprachlichen Qualitäten der neuen Einwanderer (Flüchtlinge / Migranten) ist eine bedeutende Voraussetzung für die Integration in die Aufnahmegesellschaft. Deswegen ist die Förderung der Muttersprache von zentraler Bedeutung. Auf der Ebene der Integrationspolitik kann sich die gesellschaftspolitische Anerkennung der Migrationserfahrung positiv auf das Zugehörigkeitsgefühl der neuen Einwanderer auswirken.

    Die Muttersprache ist Teil der Ich-Identität und der Persönlichkeit.
    In sprachlicher Hinsicht ist wissenschaftlich bewiesen, dass der Erwerb einer anderen Sprache auf der Grundlage der Muttersprache weitaus effektiver und nachhaltiger ist.

    Darüber hinaus sind Sprachkenntnisse in einer globalisierten Welt wertvolle Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt. Dies zeigt die aktuelle Sprachforschung der Universität Duisburg-Essen und anderer Universitäten beziehungsweise Forschungsinstituten. 

    Bleibt die Muttersprache im Laufe der Zeit in der Aufnahmegesellschaft erhalten?

    Im Laufe der Zeit kann die Muttersprache bei neu eingewanderten Kindern und Jugendlichen aufgrund des starken Einflusses der Aufnahmesprache an Bedeutung verlieren. In der Bundesrepublik ist aufgrund der Einwanderungsrealität in das Bildungssystem die Debatte über Muttersprache / Mehrsprachigkeit seit einiger Zeit im Gange und verläuft manchmal sehr kontrovers:
    Dies beinhaltet auch die Frage, ob Sprachen, die als Muttersprachen gesprochen werden, in der Schule viel mehr gefördert und in die Fächer integriert werden sollen.

    Ob die neuen Einwanderer (Kinder) die Muttersprache weiterhin erlernen sollten?

    Kinder mit Migrationshintergrund sprechen in der Regel nur zu Hause ihre Muttersprache, was auch ihre emotionale Sprache sein kann. Oft werden jedoch mindestens zwei Sprachen gesprochen. Sie sind kognitiv in der Lage, mit beiden Sprachen umzugehen und beide im Alltag zu nutzen, indem sie zwischen den Sprachen „wechseln“. Es besteht jedoch das Risiko, dass eine oder beide Sprachen nicht gut genug erlernt werden können, was sich negativ auf den weiteren Spracherwerb auswirken kann. Daher sollten beide Sprachen richtig erlernt werden, was außerhalb des Hauses im schulischen Alltag vorkommen sollte.

    Fazit: Sprachliche Vielfalt und die Muttersprache von Einwanderern sind eine Bereicherung für die Gesellschaft und für alle. Es gibt für die Mehrheitsgesellschaft keinen Grund, vor Sprach- und Identitätsverlust Angst zu haben. Außerdem wird die Mehrsprachigkeit die Zukunft dieses Landes und Europas nachhaltig prägen. Um erfolgreich zu sein, ist neben Mut und sozialem Engagement auch sprachliche Vielfalt notwendig.

    [19.2.2021]