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    Änderungen bei den Hinzuverdienstgrenzen

    Änderungen bei den Hinzuverdienstgrenzen

    Mit dem Gesetzentwurf zum Achten SGB IV - Änderungsgesetzes sollen die Hinzuverdienstgrenzen bei vorzeitig in Anspruch genommenen Altersrenten abgeschafft und bei Erwerbsminderungsrenten neu geregelt werden. Die erste Lesung des zustimmungsfreien Gesetzes im Bundestag ist für den 20./21.10.2022, die 2. und 3. Lesung für Anfang Dezember geplant. Die Neuregelungen sollen ab dem 1.1.2023 gelten.

    Was bedeutet das?

    Für Altersrenten

    Wer eine Altersrente vorzeitig, d.h. vor der Regelaltersgrenze (65/67) in Anspruch nimmt, also z. B. eine Altersrente für langjährig Versicherte mit Abschlägen ab dem 63. Lebensjahr, kann unbeschränkt hinzuverdienen. Es kommt zu keiner Anrechnung, zu keiner Kürzung der Rente.

    Das war nicht immer so. Vor Corona betrug die jährliche Hinzuverdienstgrenze 6.300 Euro. Es konnte also ein Minijob ausgeübt werden, ohne dass die Rente gekürzt wurde. Überstieg der Hinzuverdienst diese Grenze, wurde die Altersrente gekürzt. In der Coronazeit wurde die Grenze auf rund 46.000 Euro angehoben. Arbeitskräfte, die bereits frühzeitig in Rente gegangen waren, wurden zurückgeholt. Diese waren dazu aber nur bereit, wenn der Hinzuverdienst nicht die Rente mindert. Deshalb erfolgten die Änderungen und die Anhebung der Hinzuverdienstgrenze. Mit der jetzt zum Jahresbeginn 2023 vorgelegten Änderung wird die Hinzuverdienstgrenze bei Altersrenten ganz abgeschafft.

    In ver.di hatte sich der Bezirksvorstand von ver.di Mittelfranken ganz besonders für eine Aufhebung der Grenze eingesetzt und eine entsprechende Beschlusslage zuerst in ver.di herbeigeführt, die schließlich mit dazu beigetragen hat, die Änderung nun auch im Gesetzgebungsverfahren herbeizuführen. Ein schönes Zeichen, wie politische Einflussnahme erfolgreich praktiziert werden kann.

    Hinweis: Mit Erreichen der Regelaltersgrenze (65/67 je nach Geburtsjahrgang) kann dann weiterhin wie bisher unbeschränkt zur Rente hinzuverdient werden.

    Für Erwerbsminderungsrenten

    Neben einer Rente wegen voller Erwerbsminderung soll der anrechnungsfreie Hinzuverdienst auf rund 17.000 Euro (Dreiachtel des 14-fachen der monatlichen Bezugsgröße) und neben einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (auch wegen Berufsunfähigkeit) der anrechnungsfreie Mindesthinzuverdienst auf rund 34.000 Euro (Sechsachtel des 14-fachen der monatlichen Bezugsgröße) angehoben werden. Neben einer Knappschaftsausgleichsleistung soll der Hinzuverdienst von rund 17.000 Euro (Dreiachtel des 14-fachen der monatlichen Bezugsgröße) möglich sein.

    Gleichzeitig lässt die Regierung die bisherige Sonderregelung, dass Einkommen aus bestimmten Ehrenämtern kein Hinzuverdienst ist, zum 30. September 2022 auslaufen.

    Nicht alles ist Gold, was glänzt

    Alles hat wie immer zwei Seiten, die hier nicht unerwähnt bleiben sollen. Wer seine Rente vorzeitig, d. h. mit Abschlägen beansprucht und nebenbei unbeschränkt hinzuverdient, sollte daran denken, dass der Hinzuverdienst irgendwann entfällt, die geminderte Altersrente jedoch auf Dauer bleibt.

    Die Freigabe des Hinzuverdienstes führt auch zu deutlichen Mehrausgaben bei der Rentenversicherung. Pro 100.000 Beschäftigte, die diesen Weg wählen, entstehen Mehrausgaben von rund 1,5 Mrd. Euro, was einem 1/10-Prozentpunkt des Beitragssatzes entspricht.

    Heute üben etwa 90 Prozent der erwerbstätigen Rentner*innen einen Minijob aus. Die weit überwiegende Mehrheit ist von der Aufhebung der Hinzuverdienstgrenzen also gar nicht betroffen. 

    Möglicherweise ist aber es ein guter Schritt, dass durch die einhergehende Flexibilität beim Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand ein Beitrag geleistet werden kann, dem bestehenden Arbeits- und Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

    [18.10.22]