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    Fachkräfte gesucht – vorhandene Ressourcen nutzen

    Fachkräfte gesucht – vorhandene Ressourcen nutzen

    Seit Langem ist bei einem weitgehend stabilen Arbeitsmarkt ein bestehender regionaler und branchenspezifischer Fachkräftemangel bekannt. Um ihn zu entschärfen, wird regelmäßig die Anwerbung von ausländischen Fachkräften gefordert. Dies kann und darf aber nur eine der möglichen Antworten auf das bekannte Problem sein. Insgesamt bedarf es eines sehr vielfältigen und differenzierten Maßnahmenpakets, um Abhilfe zu schaffen. 

    Dazu gehört in erster Linie auch die bessere Erschließung vorhandener Ressourcen.

    Wir haben einen unverändert relativ hohen Anteil von Langzeiterwerbslosen und Menschen mit Behinderungen, die gerne ihren Beitrag auf dem Arbeitsmarkt leisten würden, wenn sie dazu die Möglichkeit bekämen. Grundlage dafür können sowohl das Teilhabechancengesetz als auch bessere Eingliederungsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigungen sein. Für diese Zielgruppe ist vor allem entscheidend, dass mehr Arbeitgebende ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen und sie überhaupt beschäftigen. Vielfach wird lieber die viel zu geringe Ausgleichsabgabe gezahlt, als Menschen mit Behinderungen eine Chance zu geben. Dabei wird häufig nur auf die vermeintlichen Defizite, nicht aber auf die vorhandenen Potenziale geschaut. Hier eine Trendwende zu erreichen wäre ein lohnendes Ziel – für alle Betroffenen. Dafür sind die geplanten Erhöhungen der Ausgleichsabgabe ein Weg, weitere Schritte müssen aber folgen. 

    Gleiches gilt für die Langzeiterwerbslosen und das Teilhabechancengesetz. Damit die Maßnahmen erfolgreich sein können, muss mehr Zeit investiert werden, um passgenaue, an den vorhandenen Fähigkeiten und Interessen ansetzende Eingliederungsoptionen entwickeln zu können. 

    Weiteres Potenzial ließe sich zweifellos über eine verbesserte Begleitung Jugendlicher heben. Sie sollten frühzeitig bei Schul- und Ausbildungsabschlüssen unterstützt werden. Menschen lernen aus unterschiedlichsten Gründen unterschiedlich – darauf sind unsere Schul- und Ausbildungssysteme nicht ausreichend ausgerichtet. Vorhandene erfolgreiche Modellversuche und Initiativen zur Unterstützung von Jugendlichen sollten evaluiert und in eine regelhafte Unterstützung überführt werden. 

    Das zahlenmäßig weitaus größte Potenzial aber ist zweifellos bei den Frauen zu finden, die noch immer zu einem hohen Anteil wegen der problematischen Vereinbarkeit von Beruf und Familie zumindest phasenweise keine Vollzeiterwerbstätigkeit ausüben. Dies zu verändern hätte viel Vorteile, nicht nur für die Frauen selbst (finanzielle Unabhängigkeit, bessere eigenständige Altersabsicherung, größere berufliche Chancen) und für die Unternehmen (gut qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte), sondern würde unsere Gesellschaft zwangsläufig auf allen Ebenen partnerschaftlicher machen.

    [7.2.2022]

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