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    Offensive psychische Gesundheit

    Offensive psychische Gesundheit

    Am 05. Oktober 2020 ist die „Offensive psychische Gesundheit“ gestartet. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Zu den Partner*innen der Offensive gehören neben den gesetzlichen und privaten Krankenkassen auch die Rentenversicherung sowie Unfallversicherungsträger und Berufsgenossenschaften, die Bundesagentur für Arbeit, berufsständische Verbände von Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen, Bündnisse und Betroffeneneinrichtungen im Bereich psychische Gesundheit. 

    Die Offensive soll dazu beitragen, dass Menschen ihre eigenen psychischen Belastungen und Grenzen besser wahrnehmen und auch mit Menschen in ihrem Umfeld offener darüber sprechen können. Darüber hinaus möchte die Offensive die Präventionslandschaft in Deutschland mit ihren zahlreichen Angeboten besser vernetzen. 

    Es ist zu begrüßen, dass sich die Bundesministerien des Themas der psychischen Belastungen annehmen. Ob am Arbeitsplatz, in Schule, Ausbildung oder Privatleben ­ der Alltag ist oft stressig. Die Corona-Pandemie hat die Herausforderungen für viele Menschen noch erhöht. Solche Belastungen können zu Überlastung und dauerhafter Erschöpfung führen. Psychische Erkrankungen können die Folge sein und sind mittlerweile der zweithäufigste Krankheitsgrund (siehe auch www.offensive-psychische-gesundheit.de). 

    Für die DGB-Gewerkschaften geht die Initiative allerdings nicht weit genug. Es ist nicht zu erkennen, welche Vorteile die Offensive für die Beschäftigten in den Betrieben und Einrichtungen haben soll. Es fehlen konkrete Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit und zum Schutz der Beschäftigten vor Erkrankungen. Außerdem wird kein genaues Vorgehen beschrieben, wie Beschäftigte Therapieangebote nutzen können und wie sie nach einer Therapie wieder zurück an ihren Arbeitsplatz kommen. 

    Eine Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen wäre eine gute Grundlage, um konkrete Maßnahmen umzusetzen. Nach dem Abschlussbericht des GDA-Arbeitsprogramms „Schutz und Stärkung der Gesundheit bei arbeitsbedingter psychischer Belastung (Psyche)“ haben jedoch lediglich 7,4 Prozent der deutschen Unternehmen die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung umgesetzt. Dies passt zu Erkenntnissen der GDA-Dachevaluation. Waren es im Jahr 2011 noch 15,7 Prozent der Unternehmen, die die Wirksamkeit von Maßnahmen überprüft haben, so sank die Zahl im Jahr 2015 auf 12,9 Prozent. Dies zeigt nicht nur eine Stagnation, sondern sogar einen deutlichen Rückgang bei der Rechtsdurchsetzung.

    Hinzu kommen psychische Mehrbelastungen durch die Auswirkungen der epidemischen Lage im Jahr 2020, die den Bedarf nach einer vollständigen ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung noch erhöhen.

    [5.2.21]