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Who cares?

Who cares?

Betreuung von Pflegebedürftigen zuhause ist Alltagsthema für viele Beschäftigte

Immer mehr Berufstätige in Deutschland kümmern sich neben ihrer Arbeit zuhause um pflegebedürftige Angehörige. Das zeigt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer aktuellen Studie. Während 2001 nur die Hälfte der unter 65-Jährigen, die Familienangehörige pflegten, erwerbstätig war, sind es heute schon zwei Drittel (66 Prozent). Die meisten von ihnen sind Frauen. 

Pflege zuhause
Etwa zwei Drittel aller Pflegebedürftigen, die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung beziehen, werden zuhause gepflegt. Diese Zahlen hat das DIW auf Basis des sozioökonomischen Panels (SOEP) ermittelt. Hinzu kommt eine relativ große Zahl von Menschen, die zwar keine Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen, die aber auf Hilfe in den eigenen vier Wänden angewiesen sind. Daraus ergibt sich: Vier Millionen Menschen leisten regelmäßig informelle Pflege, von ihnen waren im Jahr 2012 insgesamt 2,5 Millionen im erwerbsfähigen Alter. Besonders auffällig: Der Anteil der Erwerbstätigen an allen informell Pflegenden unter 65 Jahren ist von 53 Prozent (2001) auf 66 Prozent (2012) gestiegen. 

Pflege ist Frauenthema
Den größten Teil der informellen Pflege leisten Frauen. Der Anteil der Frauen, die einen Pflegebedürftigen im eigenen Haushalt pflegen, ist von gut 57 Prozent im Jahr 2001 auf 64 Prozent im Jahr 2012 gestiegen. 

Einen enormen Anstieg erlebte in den letzten 10 Jahren die Erwerbsquote pflegender Frauen: von gut 37 auf 61 Prozent. Fast unverändert blieb die durchschnittliche Pflegezeit von drei Stunden pro Tag: die Gesamtbelastung durch Beruf und Pflege ist damit deutlich gestiegen. 

Sieben Prozent der Frauen und vier Prozent der Männer im erwerbsfähigen Alter leisteten 2012 mindestens eine Stunde informelle Pflege pro Werktag. Vor allem an den Wochenenden wenden Erwerbstätige Zeit für Pflegetätigkeiten auf, der Umfang der Pflegetätigkeit über die Woche hinweg nimmt mit dem Erwerbsumfang ab. Bei geringfügig Beschäftigten ergeben sich durchschnittlich 2,8 Stunden für Pflegeaufgaben, bei Teilzeitbeschäftigten 2,1 Stunden und bei Vollzeiterwerbstätigen 1,7 Stunden. 

Reformbedarf unabweisbar
Der Bedarf an informeller Pflege wird angesichts des demografischen Wandels weiter wachsen, so das Fazit des DIW-Berichts. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege rückt also zunehmend in den Fokus der Politik. Die im Koalitionsvertrag angekündigten Verbesserungen im Pflegezeitgesetz müssen daher unverzüglich umgesetzt werden. Reformen der Pflegeversicherung müssen auf die Realitäten unserer Gesellschaft des langen Lebens umfassend Rücksicht nehmen. 

Für ver.di gehört die Gestaltung einer tragfähigen Balance von Beruf und familiärer Pflege zu den Top-Themen auf der politischen Agenda. 

Wir wissen aber auch: 40 Prozent der pflegenden Angehörigen sind nicht mehr im erwerbsfähigen Alter. Sie erwerben durch ihre familiäre Pflege keine zusätzlichen Anwartschaften in der Rente, obwohl gerade pflegende ältere Frauen einen Zuschlag zu ihren Entgeltpunkten dringend benötigen. Für ver.di gilt: Flexibilisierung der Altersrente darf sich nicht darauf beschränken, für Erwerbsfähigkeit jenseits der Regelaltersgrenze bessere anwartschaftssteigende Lösungen zu suchen; auch die verbesserte Anerkennung von Pflegeleistung gehört auf die Agenda der nächsten Rentenreform.

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