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Dienstleistungen im Umbruch

Dienstleistungen im Umbruch

Gemeinsame Tagung von ver.di und der Hans-Böckler-Stiftung

Dienstleistungsarbeiten haben an Bedeutung gewonnen. Damit einher gehen jedoch auch neue Herausforderungen: Auf der von ver.di und der Hans-Böckler-Stiftung organisierten Tagung „Dienstleistungen im Umbruch – Spannungsfelder zwischen Service, Gemeinwohl, Arbeit und Technik“ kamen am 10. und 11. Januar Vertreter*innen aus Gewerkschaft, Politik, Wissenschaft und Praxis in der ver.di-Bundesverwaltung zusammen und setzten sich mit aktuellen Entwicklungstrends in der Dienstleistungsarbeit auseinander. Dabei wurde der Frage nachgegangen, wodurch sich gute Dienstleistungen charakterisieren lassen und erörtert, welche Gefahren sich etwa infolge von Digitalisierungsprozessen für die Beschäftigten und Dienstleistungsnutzer*innen ergeben. Es wurde diskutiert, welcher politische Handlungsauftrag sich daraus ableiten lässt.

Frank Bsirske machte zur Eröffnung der Tagung deutlich, dass die Veränderung des Dienstleistungssektors sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Tätigkeitsprofile vor neue Konfliktfelder stellt. Um auch in Zukunft die beschäftigungspolitischen Umbrüche – wie den teilweisen Verlust von Arbeitsplätzen bei gleichzeitig stattfindendem Fachkräftemangel - sozialverträglich mitzugestalten, fordert der ver.di-Vorsitzende, arbeitsmarkt- und sozialpolitische Instrumente künftig stärker zu verbinden. Ziel muss es sein, „qualitativ hochwertige, für alle zugängliche und verlässliche Dienstleistungen mit Guter Arbeit zu schaffen“. Zur Herstellung von Ordnung am Arbeitsmarkt sowie einer guten öffentlichen Daseinsversorgung müsse aber auch das Verhältnis zwischen Staat und Markt neu austariert werden.

gemeinsame Tagung der ver.di und der Hans-Böckler-Stiftung "Dienstleistungen im Umbruch" ver.di Dienstleistungen im Umbruch  – Abschlussdiskussion: Gestaltungsperspektiven für Gute Arbeit und Gute Dienstleistungen. V.l.n.r.: Kocsis (ver.di), Böhning (Staatssekretär Bundesministerium für Arbeit und Soziales), Stolz (Betriebsratsvorsitzender Online-Marketing-Agentur Performics), Heim (Vorsitz Geschäftsführung Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH)


Zu Gast war zudem die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek. Die Ministerin betonte, dass Dienstleistungen als wichtiger Wirtschaftsmotor gerade in einer schnelllebigen Zeit eine Flankierung durch berufliche Bildung benötigen. Die Bundesregierung hat dies erkannt, und will im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie, Auf- und Umstiege im Berufsleben ermöglichen und fördern.

Einen vertiefenden Einblick in die verschiedenen Spannungsfelder der Dienstleistungswelt erhielten die Tagungsteilnehmenden im Rahmen zahlreicher Workshops. Dabei wurde unter anderem die momentane Entwicklung von gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen beleuchtet und diskutiert, wie die soziale Infrastruktur gestärkt werden kann. Unter dem Schlagwort „arbeitende Kund*innen“ wurde dabei die neue Rolle von Verbraucher*innen im Dienstleistungsprozess unter die Lupe genommen. Weiter wurden Konzepte vorgestellt, die auf eine Umsetzung von „Guter Arbeit“ in Interaktions- und Wissensberufen abzielen. Ebenso setzten sich die Tagungsteilnehmenden mit neuen Anforderungen an die berufliche Qualifikation auseinander und tauschten sich über moderne Wertschöpfungsketten zwischen Industrie und Dienstleistungen sowie deren beschäftigungspolitische Konsequenzen aus. Und nicht zuletzt ging es angesichts von Wahlerfolgen rechtspopulistischer Parteien um die Fragestellung, inwiefern Abstiegsängste und Prekarisierungserfahrungen diesen Entwicklungen Vorschub leisten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedrohen. Welche Auswege bieten hier kommunale sozialpolitische und sozialarbeiterische Strategien?

In einer abschließenden Podiumsdiskussion sprachen Vertreter*innen aus Politik und Praxis darüber, welchen Umgang Betriebs- und Personalräte mit einer wachsenden Arbeitsverdichtung im Dienstleistungssegment finden können. Die Diskutant*innen stellten fest, dass Innovationen im Dienstleistungssektor und in Dienstleistungsunternehmen dabei nicht zum Selbstzweck verkommen darf, sondern auch den Interessen von Beschäftigten und Dienstleistungsnutzer*innen gerecht werden muss. Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende, Andreas Kocsis, wies darauf hin, dass ver.di in der Vergangenheit mit innovativen Tarifverträgen, aber auch mit Forschungsförderung den Dienstleistungsumbruch aktiv begleitet hat und in Zukunft weiter tatkräftig mitgestalten wird. Mit diesem Appell ging eine facettenreiche Tagung zu Ende, die die Teilnehmenden auch zukünftig in der Arbeit für eine soziale Dienstleistungskultur bestärkt.

[12.2.2019]

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