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Weltkongress für Arbeitsschutz 2014 tagte in Frankfurt a.M.

Weltkongress für Arbeitsschutz 2014 tagte in Frankfurt a.M.

„Vision Zero: Eine Welt ohne tödliche oder schwere Arbeitsunfälle ist möglich.“

Unter dieser Überschrift fand vom 24.–27. August 2014  in Frankfurt am Main der XX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit statt. Insgesamt 4.000 Arbeitsschutzexperten, Politiker_innen und Wissenschaftler_innen aus 139 Ländern diskutierten über Wege, Arbeit sicher und gesund zu gestalten.

Eva M. Welskop-Deffaa, im Bundesvorstand von ver.di zuständig für Arbeits- und Gesundheitsschutz, war beeindruckt von ihrem Besuch in Frankfurt: „Arbeitsschutz ist ein Thema, das Gewerkschaften mit gutem Grund weltweit oben auf der Tagesordnung halten. Wir wissen: Nicht nur da, wo es kracht und knallt und raucht und stinkt, ist die Gesundheit am Arbeitsplatz gefährdet. Neue Gesundheitsrisiken in den Dienstleistungsberufen verstecken sich an sauberen Arbeitsplätzen - am Schreibtisch und im Computer.“

Veranstalter des alle drei Jahre stattfindenden Kongresses sind die Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und die Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit (ISSA). Gastgeber und Organisator in diesem Jahr war die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Die Selbstverwaltung der DGUV hatte die hierfür erforderlichen Mittel bereits vor vier Jahren genehmigt.

ver.di beim Arbeitsschutz-Kongress

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di war in Frankfurt an vielen Stellen aktiv sichtbar: Haupt- und ehrenamtliche Kollegen und Kolleginnen waren als Ansprechpartner_innen am gemeinsamen Gewerkschaftsstand des DGB im Einsatz, ver.di-Infomaterial wurde von den Besuchern und Besucherinnen gerne genutzt: Die Neuauflage der ver.di-Broschüre zur Unfallversicherung und ihrer Selbstverwaltung stellt die Strukturen der Berufsgenossenschaften anschaulich dar.

XX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014 ver.di ver.di-Präsenz

Die eigens zur Arbeitsschutzmesse fertig gestellte Ratgeberbroschüre zum Mutterschutz präsentiert leicht verständlich das geltende Gesetz, ebenso politischen Reformbedarf für eine gefährdungsfreie Beschäftigung schwangerer Arbeitnehmerinnen. Für ver.di informierte Dr. Horst Riesenberg-Mordeja mit einer Posterpräsentation über Berufskrankheitsrisiken im Lebenslauf und über Handlungsbedarf zur Reduzierung psychischer Gefährdungen.

Jugendkongress für Arbeitsschutz

Erstmals gab es in Frankfurt im Rahmen eines Weltkongresses für Arbeitsschutz einen eigenen Jugendkongress für Gesundheit und Sicherheit. In zwei Arbeitsgruppen beschäftigten sich die jungen Delegierten mit Stress als Risikofaktor im Berufsalltag und mit Sicherheitsvorkehrungen im Betrieb.

XX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014 ver.di Jugendkongress

„So wie es für junge Leute selbstverständlich ist, Risikosportarten wie Climbing oder Mountain Biking nur mit der entsprechenden Ausrüstung durchzuführen, so gehört der Helm zur coolen Ausrüstung auf der Baustelle,“ fasste Eva M. Welskop-Deffaa ihr Gespräch mit den Jugend-Delegierten zusammen. „Arbeitsschutz ist kein Thema für ängstliche Seniorinnen oder klapprige Kollegen kurz vor der Rente. Arbeitsschutz fängt in der Ausbildung an. Risikobewusste Jugend- und Ausbildungsvertreter_innen sind wichtige Multiplikatoren und -multiplikatorinnen für Prävention und Gesundheit im Betrieb.“

Die Themen Prävention und „Psyche“ hatten einen hohen Stellenwert auf dem Kongress. Viele Veranstaltungen und Präsentationen gaben hierzu Informationen. In einem eigenen Tagungsblock zu psychischen Gefährdungen wurde auf der Grundlage aktueller Studien engagiert und kontrovers diskutiert. Eine deutliche wissenschaftliche Befundlage macht den Einfluss psychosozialer Arbeitsbelastungen auf depressive Störungen deutlich. Statistisch betrachtet ist bei exponierten Personen das Erkrankungsrisiko um mindestens 50 Prozent erhöht.

Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie

XX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2014 ver.di GDA

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Prävention arbeitsbedingter Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE). MSE sind in Deutschland die häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit und sind für rund ein Viertel aller AU-Tage verantwortlich. Aus diesem Grunde wird es in den nächsten vier Jahren im Rahmen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie eine Schwerpunktkampagne von Bund, Ländern und Unfallversicherung hierzu geben. Der offizielle "Startschuss“ fiel am 26.August im Rahmen des Weltkongresses.

Internationales Armutsgefälle im Arbeitsschutz

Eine wichtige Erkenntnis des Kongresses bestand darin, dass es in ärmeren Ländern nach wie vor sehr hohe Unfallraten gibt. Die schrecklichen Ereignisse in den Textilfabriken Bangladesh markieren nur die Spitze des Eisbergs.
Gab es in Deutschland vor hundert Jahren noch jährlich10.000 Tote auf der Arbeit, so waren es im vergangenen Jahr erstmals weniger als 500 Tote. Die Rate der meldepflichtigen Unfälle sei allein in den vergangenen 20 Jahren um die Hälfte gesunken. Weltweit verlieren laut ILO jedoch immer noch jedes Jahr 2,3 Millionen Menschen ihr Leben durch arbeitsbedingte Krankheiten und Arbeitsunfälle. Hinzu kommen rund 860.000 Arbeitsunfälle mit Verletzungsfolgen – jeden Tag.

„Diese Zahlen sind nicht hinnehmbar, trotzdem nimmt die Welt die Tragödien kaum wahr, die sich jeden Tag am Arbeitsplatz ereignen. Es bleibt viel zu tun. Schwere Arbeitsunfälle sind vor allem menschliche Tragödien, aber auch Wirtschaft und Gesellschaft zahlen einen hohen Preis dafür“, sagt ILO-Generaldirektor Guy Ryder. „Das Recht auf Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz ist ein grundlegendes Menschenrecht. Dieses Menschenrecht zu achten ist eine Pflicht – und eine Voraussetzung für nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Prävention ist möglich, notwendig und lohnt sich.“

Aus diesem Grunde muss Deutschland als Importeur und Handelspartner die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern genauer als bisher unter die Lupe nehmen und mehr Einfluss auf Sicherheit und Gesundheit nehmen, besonders wenn für die EU-Länder produziert wird. Diese  von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles formulierte Forderung wurde mit viel Beifall aufgenommen.

Vulnerabilität - Arbeitsschutz und Arbeit mit Beeinträchtigungen

Innovative Foren und Veranstaltungen widmeten sich dem Konzept der „Vulnerabilität“ – der Verletzlichkeit und der Schutzbedürfnisse besonderer Zielgruppen. Um Menschen mit Beeinträchtigung eine faire Chance auf Teilhabe im Erwerbsleben zu sichern, müssen zusätzliche Belastungsfaktoren ausgeräumt und behindertengerechte Arbeitsplätze gestaltet werden. Eine „feindliche Umgebung“ schwächt die Leistungskraft aller Beschäftigten und verunmöglicht die Beschäftigung von Menschen mit Handicap. Aufmerksamkeit für die Belange von Beschäftigten mit Behinderung gehört zu den Anforderungen an gute Führung, für die ein umfassend ausgerichteter Arbeitsschutz sensibilisieren muss.

Mehr im Internet unter: https://www.safety2014germany.com/de/home/home.html

Titelseiten der beiden Broschüren Mutterschutz und Gesetzliche Unfallversicherung ver.di neue Broschüren

Die beiden ver.di-Broschüren zur Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und zum Mutterschutz können - ab Mitte September - auch bestellt werden (Preis: 1,50 Euro pro Exemplar). Bitte dazu unseren Bestellschein verwenden.