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    Gute Pflege. Gute Arbeit in der Pflege.

    Gute Pflege. Gute Arbeit in der Pflege.

    Mit einem großen Pflege-Fachkongress machte die CDA Deutschlands kurz vor Ostern (am 11. April 2014 in Berlin) aufmerksam auf die drängenden Aufgaben der Pflegepolitik. In einer Gesellschaft des langen Lebens werde die Gestaltung guter Pflege zu einer der zentralen gesellschaftlichen und gesellschaftspolitischen Herausforderung, so das einhellige Fazit. 20 Jahre nach Einführung der Pflegeversicherung habe sich diese als wichtige Säule des Sozialversicherungssystems etabliert. Mit der anstehenden Pflegereform werde das System zukunftsfest gestaltet, die Bundesregierung packe wesentliche Verbesserungsaufgaben an. 

    Für ver.di nahm Eva Welskop-Deffaa, im Bundesvorstand zuständig für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, an der Veranstaltung teil. Sie unterstrich: Die geplante Pflegereform ist aus Sicht von ver.di dringend überfällig. Welskop-Deffaa hob aber auch die Bedeutung guter Tarifverträge für die Pflegekräfte hervor: Der aktuelle TVÖD-Abschluss bringe mit seinem Sockelbetrag von 90 Euro Plus eine echte Verbesserung für Krankenschwestern und Pflegekräfte. 

    Pflege in Deutschland ist weiblich: über 80 Prozent der Beschäftigten in Pflegeheimen sind Frauen, in den ambulanten Pflegediensten sind es fast 90 Prozent. Die meisten von ihnen arbeiten in Teilzeit: knapp zwei Drittel in den Pflegeheimen, etwa 70 Prozent bei den ambulanten Pflegediensten. Diese Wirklichkeit müsse bei der Gestaltung der Pflegepolitik umfassend berücksichtigt werden, so Welskop-Deffaa. Viele der Beschäftigten litten unter Doppelbelastung und Vereinbarkeitsproblemen. Sie verwies dabei auf Ergebnisse des ver.di-Index "Gute Arbeit" aus dem letzten Jahr: Nur 20 Prozent der in der Pflege Beschäftigten glauben, dass sie bis zur Rente durchhalten können, 74 Prozent gehen ausdrücklich davon aus, dass sie das nicht schaffen werden. 

    Eva Welskop-Deffaa - Mitglied des ver.di-Bundesvorstandes - anl. der CDA-Pflegetagung am 11.4.2014 ver.di Eva Welskop-Deffaa

    Gute Arbeit in der Pflege sei aber die Voraussetzung für gute Pflege: 47 Prozent der im Index "Gute Arbeit" befragten Pflegekräfte gingen davon aus, dass sie oft oder sehr oft Abstriche bei der Qualität machen müssen, um ihr Pensum zu schaffen. Diese Qualitätseinbußen gehen zulasten der Pflegebedürftigen. 

    Bedenklich ist aus Sicht von ver.di auch, dass 87 Prozent der in der Pflege Beschäftigten angeben, seit Jahren in der gleichen Zeit immer mehr leisten zu müssen. Der Arbeitsdruck wird immer größer, die Komplexität der beruflichen Anforderungen steigt. 

    Auf der Wunschliste der Pflegekräfte an Politik und Arbeitgeber stehen  daher drei Erwartungen ganz oben: Mehr Personal, mehr Zeit und mehr Einflussmöglichkeiten. Mit der Forderung nach gesetzlicher Personalbemessung im Krankenhaus konkretisiert ver.di diese Erwartungen der Pflegekräfte.

    Die Verbesserung der Betreuungsrelation in stationären Pflegeeinrichtungen, wie sie jetzt im Referentenentwurf des Pflegereformpakets vorgesehen ist, unterstützt ver.di mit Nachdruck. 

    Karl-Josef Laumann hatte als CDA-Bundesvorsitzender und Beauftragter der Bundesregierung für die Pflege zu Beginn der Fachkonferenz den Gesetzentwurf umfassend erläutert. Die Flexibilisierung und der Ausbau von Leistungen zur Stabilisierung der häuslichen Pflege habe für ihn eine herausragende Bedeutung. Die Verbesserungen bei der Kurzzeit- und Verhinderungspflege, die Möglichkeit der Umwidmung des halben Sachleistungsbudgets für Hilfen zur Weiterführung des Haushalts und der Ausbau der Zuschüsse für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen seien für die Situation der häuslichen Pflege deutliche Verbesserungen, so Laumann. 

    Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates, unterstrich in seinen Ausführungen die Notwendigkeit, den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff zügig umzusetzen. Die Empfehlungen des Expertenbeirats seien praxistauglich, ihre Umsetzung überfällig. 

    In drei Podiumsrunden mit Praktikern und politisch Verantwortlichen diskutierte Hermann-Josef Arentz über Ausbildung und Arbeitsbedingungen in der Pflege, über regionale Pflegeinfrastruktur und die Rolle der Kommunen. Es wurde deutlich, dass nur dann, wenn alle Akteure ihre Hausaufgaben machen, die großen pflegepolitischen Aufgaben wirklich bewältigt werden können. Ohne starke Gewerkschaften, die die Interessen der in der Pflege Beschäftigten wirksam vertreten, geht es nicht schnell genug voran! - auch darin waren sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einig.