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Feminismus und Antirassismus gehören zusammen

Feminismus und Antirassismus gehören zusammen

Bericht von der Jahrestagung der Gelben Hand

Ob Silvester in Köln oder der Mord an Mia in Kandel: Die Opfer frauenfeindlicher Gewalttaten werden immer dann von rechten Gruppierungen instrumentalisiert, wenn es in ihr rassistisches Weltbild passt. Gleichzeitig werden aus der gleichen Richtung die Rechte von Frauen wie das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper angezweifelt.

Mit diesem Spannungsfeld beschäftigte sich dieses Jahr die Jahrestagung des gewerkschaftlichen Gelbe-Hand-Vereins unter dem Titel „Frauen und Rechtsextremismus – ein Widerspruch? Feminismus und Antirassismus zusammen gedacht.“

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Rund 70 aktive Fördermitglieder, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus dem ganzen Bundesgebiet kamen am 8. und 9. Juni in der IG BAU-Bildungsstätte in Steinbach zusammen, um sich über die antifeministischen Entwicklungen zu informieren und selbst Strategien und Lösungsansätze zu erarbeiten. „Wir müssen die Widersprüche zwischen einem demokratischen und einem rechten Gesellschaftsmodell deutlich aufzeigen. Dafür Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu bilden und zu schulen, ist das Ziel dieser Tagung“, erklärte der Vorsitzende der Gelben Hand, Giovanni Pollice, bei der Eröffnung.

Rassismus und Antifeminismus als Bindeglied

Im Anschluss erörtere der Soziologe und Publizist Andreas Kemper anschaulich die antifeministische Argumentation der AfD, in deren Mittelpunkt die Idee der „Familie als Keimzelle der Nation“ steht. In der AfD vereinen sich laut Kemper drei ideologische Strömungen: der Neoliberalismus, der völkische Nationalismus und der christliche Fundamentalismus, Rassismus und Antifeminismus seien wichtige Bindeglieder, um die unterschiedlichen, mitunter zerstrittenen Spektren zusammenzuhalten. „Die AfD vertritt offensiv die Ideologie der Ungleichwertigkeit verschiedener Menschen, ob Geschlecht, Klasse oder Herkunft“, konstatierte Kemper.

Im Hintergrund wirken starke Netzwerke

Tanja Gäbelein als Referentin anl. der Jahrestagung der Gelben Hand ver.di Tanja Gäbelein

Wer sich hinter dem christlich fundamentalistischen Flügel der AfD verbirgt, und welche Gruppen, Netzwerke und Initiativen den antifeministischen und rassistischen Diskurs in Deutschland vorantreiben, erklärte anschließend in ihrem Vortrag die Fachreferentin Tanja Gäbelein. Von der christlich-fundamentalen „Zivilen Koalition“ der AfD-Abgeordneten Beatrix von Storch, die als Abtreibungsgegner den „Marsch für das Leben“ initiieren, über die Initiative Familienschutz, die sich gegen eine aufgeklärte Sexualpädagogik und „Gender-Mainstreaming“ wendet, bis zur Kampagne 120 Dezibel, in der junge rechte Aktivistinnen den Schutz der „weißen“ Frau fordern, zeigte Gäbelein, wie Antifeminismus und Rassismus bei rechten Gruppen zusammenhängen. „Den Rechten geht es nicht um Frauenrechte, das Thema der Frauenmärsche ist die Asyl-Politik“, betont Gäbelein. Es gäbe in Deutschland jährlich 150 Frauenmorde, die zumeist von Deutschen begangen würden, darüber werde aber nie geredet.

Gewerkschaftliche Antworten

Die gewerkschaftliche Perspektive und die Bedeutung des Themas für die Arbeitswelt brachten Pia Bräuning, Referentin der IG Metall und Manuela Hauer, Bundesjugendsekretärin der IG BCE, ein. Bräuning unterstrich noch einmal, dass sexuelle Gewalt und Übergriffe gegen Frauen gerade in der Arbeitswelt ein wichtiges Thema sei. Man müsse diese Themen in der Bildungsarbeit platzieren und über eine aktive Gleichstellungspolitik in die gewerkschaftlichen Strukturen tragen. Für Manuela Hauer betonte, dass die Gewerkschaften ein zentraler Akteur für eine gerechte Gesellschaft seien: „Wir stehen für Gleichberechtigung zwischen Geschlechtern, zwischen Kulturen – zwischen Menschen.“

Themen untrennbar verknüpft

Ricarda Scholz (Vorstandsmitglied) anl. der Jahrestagung der Gelben Hand ver.di Ricarda Scholz (Vorstand Gelbe Hand)

In den Barcamps am zweiten Tagungstag wurde die Diskussion fortgesetzt: Die Teilnehmenden konnten ihre Erfahrungen und Ideen zu drei Themen – Frauenrechte statt rechte Frauen, Bildungskonzepte für die Jugendarbeit und Hass in sozialen Medien – austauschen. In einer zweiten Runde wählten Teilnehmende selbst ein Thema aus, zu dem diskutiert werden konnte – zum einen ging es dann um die Frage, warum auch Migranten AfD wählen, sowie um Frauen im historischen Nationalsozialismus.

Das Schlusswort der Tagung hielt Birgit Koch, die Vorsitzende der GEW Hessen. Sie forderte, dass Demokratiebildung an Schulen einen höheren Stellenwert bekommen müsse und warnte davor, dass Rechte, die Errungenschaften der Frauenbewegung zurückdrehen wollten. „Allein Prävention reicht nicht aus. Bei einem gefestigten rechten Weltbild braucht es politische Gegenwehr.“ Das war auch die Botschaft, die von der Tagung ausging: der Einsatz für Frauenrechte und der Kampf gegen Rassismus müssen zusammen gedacht werden, um der Instrumentalisierung des Themas durch Rechtextreme und Rechtspopulisten etwas entgegenzusetzen.


Mehr Informationen zur Tagung und zum Gelbe-Hand-Verein:  https://www.gelbehand.de/home/

Überblick über antifeministische Netzwerke: http://www.diskursatlas.de/index.php?title=Hauptseite