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    Frauen-Power für die Sozialwahlen gesucht!

    Frauen-Power für die Sozialwahlen gesucht!

    Auch wenn ver.di mit mehr als einer Million weiblichen Mitgliedern und einem Frauenanteil von über 50 Prozent eine „weibliche Gewerkschaft“ ist, sind reine Frauenveranstaltung eher selten. Am 30. November 2021 wurde jedoch eine solche veranstaltet, um Gewerkschafterinnen für ein Ehrenamt in der Sozialen Selbstverwaltung zu begeistern. Das betonte Dagmar König, ver.di-Bundesvorstandsmitglied und Mitglied im Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Bund, in ihren einführenden Worten. „Die Gremien der Selbstverwaltung sind leider oft immer noch von Männern dominiert, das wollen wir ändern. Denn dort geht es um die Interessen aller Versicherten, die sich auch in der Vielfalt ihrer Vertreter*innen abbilden sollte.“ Eine paritätische Besetzung würde die Wahrnehmung der zum Teil auch unterschiedlichen Anliegen der weiblichen und männlichen Versicherten fördern, betonte das Bundesvorstandsmitglied.Sozialwahl 2023 – dieses Mal mit mehr Frauen 

    Schon 2023 stehen die nächsten Sozialwahlen an. Mit mehr als 50 Millionen Wahlberechtigten ist sie die drittgrößte Wahl in Deutschlands. Gewählt werden ehrenamtliche Selbstverwalter*innen, die bei der Rentenversicherung, bei den Krankenkassen als auch bei den Unfallkassen und Berufsgenossenschaften die Interessen der Versicherten vertreten. Die Sozialversicherungen verwalten sich selbst. Die oft unbekannte und unterschätzte Arbeit ist ein gutes Beispiel für Sozialpartnerschaft und gelebte Demokratie abseits parteipolitischen Engagements. Wegen des auffälligen Mangels weiblicher Interessenvertreterinnen wurde bei der Reform der Sozialwahlen eine Geschlechterquote eingeführt. In den Selbstverwaltungsgremien von Rente und Unfall sollen zukünftig Frauen und Männer möglichst zu mindestens 40 Prozent vertreten sein. Für die Krankenkassen gilt diese Vorgabe bereits verbindlich. 

    Für die anstehende Wahl müssen die Kandidat*innenlisten bis November 2022 bei den Bundeswahlbeauftragten eingereicht werden. Gesucht werden interessierte Frauen, die als Selbstverwalterinnen bei der Deutschen Rentenversicherung/Knappschaft-Bahn-See, bei den Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungen für unsere Interessen eintreten. 

    Was diese Arbeit konkret bedeutet, wissen die Wenigsten. Um die sehr unterschiedlichen Aufgaben etwa in einer Vertreterversammlung, in einem Widerspruchsausschuss oder als Versichertenälteste anschaulich zu machen, standen deshalb bei der Veranstaltung Expertinnen aus allen Zweigen der Sozialversicherung Rede und Antwort. 

    Die ver.di-Bereichsleiterin für Frauen- und Gleichstellungspolitik, Karin Schwendler, stellte die Selbstverwalter*innen dieser Info-Veranstaltung „von Frauen für Frauen“ vor. Heike Boldt, stellvertretendes Mitglied im Vorstand des Gemeinde-Unfallversicherungsverbandes Oldenburg, Ulrike Hauffe, stellvertretende Vorsitzende im Verwaltungsrat der BARMER, Angelika Kappe, Mitglied im Verwaltungsrat der AOK Hessen und im Widerspruchsausschuss der Deutschen Rentenversicherung Hessen sowie Mitglied eines Verwaltungsausschusses der Arbeitsverwaltung, Stefanie Lohnes, Selbstverwalterin im Vorstand der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege und Marita Rosenow, Mitglied im Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Bund, berichteten von ihrer konkreten Arbeit, von ihren Motivationen, Anfängen und Erfolgen als Selbstverwalterinnen. Sie informierten über ihre Aufgaben, die von der Durchsetzung einzelner Leistungsansprüche bis zu Kontrollfunktionen im Verwaltungsrat reichen.  

    Einig waren sich die beteiligten Frauen darin, dass ihre ehrenamtliche Arbeit, auch wenn sie manchmal zeitintensiv sei, sehr befriedigend ist. Denn hier ist sozialpolitisches Engagement mit konkreten Ergebnissen möglich, ohne sich parteipolitisch zu engagieren. Der Arbeitsaufwand variiert je nach Gremium und Aufgabe erheblich. Die Frauen machten aber deutlich, dass sie durch Fortbildungen und das Know-how anderer Selbstverwalter*innen gut vorbereitet und unterstützt werden und ansonsten nur ihren „gesunden Menschenverstand“ benötige. 

    Alle betonten, während ihrer Amtszeit sehr viel dazu gelernt zu haben. Zudem seien Erfolge unmittelbar und sehr konkret sichtbar, wenn zum Beispiel eine abgelehnte Reha-Maßnahme doch gewährt würde oder der komplizierte Rentenantrag einer Frau mit Migrationsgeschichte positiv beschieden werden könne. Bei den eher kontrollierenden und verwaltenden Tätigkeiten, etwa im Verwaltungsrat der Deutschen Rentenversicherung, könne ebenfalls auf die generelle Ausrichtung des Trägers Einfluss genommen werden: Wofür das Geld der Versicherten ausgegeben werden solle oder wie präventive Gesundheitsvorsorge vorangetrieben werden könne. 

    Vor den Sitzungen der einzelnen Ausschüsse und Sitzungen werden die Selbstverwalter*innen von den Selbstverwaltungsbüros der einzelnen Träger auf die anstehenden Sitzungen vorbereitet und mit Informationsmaterial versorgt. Auch die einzelnen Fraktionen (Versichertenseite, Gewerkschaften, Arbeitgeber) bereiten in der Regel die Sitzungen z. B. im Verwaltungsrat einer Ersatzkasse gemeinsam vor.

    Alle mit dem Ehrenamt entstehenden Unkosten (z. B. Reisekosten und Hotel, notwendige Fortbildungen) werden vom Sozialversicherungsträger gedeckt. Für die Wahrnehmung ihres Ehrenamtes haben die Selbstverwalter*innen einen Rechtsanspruch auf Freistellung von ihren beruflichen Verpflichtungen, ebenso – in begrenztem Umfang – für die dazugehörigen Qualifizierungen.

    Die spezifischen Interessen von Frauen, beispielsweise Bonusprogramme für werdende Mütter oder die Finanzierung bestimmter Vorsorgeuntersuchungen müssen in unsere Sozialversicherungsträger eingebracht werden. Ein frauenspezifischer Blick sei deshalb absolut notwendig, weil Männer gar nicht auf sie kämen (weil sie sie nicht betreffen), betonten die Praktiker*innen. Zudem sei auch eine gemischte Altersstruktur in den Gremien von Vorteil. Junge Frauen haben andere Bedürfnisse als ältere. Das gelte auch für die Unterschiede der Lebenssituationen von Minderheiten, die ebenfalls unterrepräsentiert sind. Auch ihre Interessenvertretung ist in der Selbstverwaltung noch marginal. Das müsse sich auch dringend ändern. Vielfach kämpften einzelne Selbstverwalter*innen hier sehr alleine und bräuchten dringend Verstärkung. 

    Nicht nur weil die Expert*innen, die sehr geduldig die vielen Fragen der rund 100 beteiligten interessierten Frauen beantworteten, nicht länger Einzelkämpferinnen bleiben wollen, würden wir uns über zahlreiche Bewerbungen freuen.

    Macht mit! Traut euch! Bewerben können sich alle Interessierte für ihre jeweiligen Sozialversicherungsträger. Dabei ist lediglich zu beachten, dass Beschäftigte nicht für den Sozialversicherungsträger kandidieren können, der ihr Arbeitgeber ist. 

    Weitere Informationen zu den Ansprechpersonen vor Ort, zum Personalbogen/zur Bewerbung unter sozialwahlen.verdi.de. Direkt zum Personalbogen/Bewerbungsformular geht es hier: kurzelinks.de/x1bo

    [13.12.2021]