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Happy Birthday - 125 Jahre Rentenversicherung

Happy Birthday - 125 Jahre Rentenversicherung

Anlass zum Feiern und Anstoß für Verbesserungen

Vor 125 Jahren wurde die gesetzliche Renten- und Invalidenversicherung für Arbeiter ins Leben gerufen – am 2. Dezember feiert die Deutsche
Rentenversicherung diesen „runden“ Geburtstag mit einem Festakt mit Kanzlerin und allem Drum und Dran. ver.di gehörte zu den ersten Gratulanten – am Tag der Selbstverwaltung haben wir bereits im Mai dieses Jahres unsere Glückwünsche überbracht: Die Rentenversicherung ist eine Säule des Sozialstaats, sie ist wesentlicher Bestandteil unseres Systems der sozialen Absicherung elementarer Lebensrisiken und sie schafft wichtige Voraussetzungen für sozialen Frieden und Generationengerechtigkeit
. Unsere Glückwünsche wiederholen wir gerne: Happy Birthday Rentenversicherung. Ad multos annos.

Microfasertuch Selbstverwalter.innen; Geburtstags-Werbemittel anl. 125 Jahre Rentenversicherung ver.di  –

Weltweit wird Deutschland um die Pionierleistungen beneidet, die vor 125 Jahren in der Sozialversicherungspolitik auf den Weg gebracht wurden. Bismarcks Idee, die großen Lebensrisiken der Arbeiterklasse durch eine gesetzliche, solidarische und staatlich geförderte Rentenversicherung abzusichern, hat international Vorbildcharakter – bis in die heutige Zeit. Vorbildlich ist die Rentenversicherung nicht zuletzt dank der strukturellen Einbindung der Sozialpartner in die Verwaltung der Sozialversicherung: In der sozialen Selbstverwaltung tragen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitgebervertreter echte Mitverantwortung für die Geschicke der durch ihre Beiträge getragenen Versicherung. Was vor 125 Jahren gegen den erklärten Willen von Reichskanzler Bismarck durchgesetzt wurde, ist bis heute ein wichtiges Feld für gewerkschaftliches Engagement und gewerkschaftliche Mitgestaltung des Sozialstaats – Selbstverwaltung zum Wohle der Versicherten in ihrer ganzen Vielfalt. Das Selbstverwaltungsprinzip ist ein konstitutiver Bestandteil der Sozialversicherungen in Deutschland; es trug in den 125 Jahren entscheidend dazu bei, die Rentenversicherung in den Lebenswelten der Versicherten zu verwurzeln.

Die stabilisierende Bedeutung und identitätsstiftende Funktion, die die gelebte Sozialpartnerschaft in der Selbstverwaltung hat, wird allerdings allzu  oft übersehen. Bei näherem Hinsehen ist offensichtlich: Unser Sozialstaat ist erst durch die aktive Mitverantwortung der ArbeitnehmerInnen und Arbeitgeber stark geworden. Die Stärkung der Selbstverwaltung gehört daher zu den herausgehobenen Aufgaben einer Politik der neuen sozialen Ordnung.

Selbstverwaltung ist Selbstgestaltung

Die sozialpartnerschaftliche Selbstverwaltung hat die Rentenversicherung in den Lebenswelten der Arbeitnehmer_innen verwurzelt: Mit ihrem Engagement als Versichertenälteste, in Vorstand und Vertreterversammlung ebenso wie in den Widerspruchsausschüssen  haben Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen die Interessen der Versicherten seit 125 Jahren zum Maßstab der Verwaltung und Weiterentwicklung der Rentenversicherung gemacht. (siehe sopoaktuell Nr. 170 zum "Tag der Selbstverwaltung" 2014).

Profil der Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung zeichnet sich durch drei Wesenselemente aus: Sie ist solidarisch und sichert Erwerbsverlaufsrisiken über die Ansprüche hinaus, die mit eigenen Beiträgen unmittelbar erworben wurden. Sie ist beitragsbasiert und lebensstandardorientiert. Und sie ist selbstverwaltet – Arbeitnehmerinnen- und Arbeitgebervertreter sind als Vertreter kollektiver Interessen in die Verwaltung der Rentenversicherung eingebunden.

Der Wandel der Arbeitswelt fordert Anpassungen des Sozialversicherungssystems

Die Gewerkschafter in der Selbstverwaltung sind Seismografen neuer Alterssicherungsrisiken: „Wir nehmen Veränderungen der Arbeitswelt und ihre Auswirkungen auf die soziale Sicherung im Alter besonders frühzeitig wahr.“ (Eva M. Welskop-Deffaa) Für ver.di gehört zu diesen neuen Risiken die Zunahme von Phasen der (Solo-) Selbstständigkeit im Lebenslauf, die sich mit Zeiten abhängiger Beschäftigung und Arbeitslosigkeit abwechseln. Die gesetzliche Altersvorsorge und das Rentenrecht sind auf diese neue Normalität noch nicht wirklich eingestellt. Viele Selbstständige verfügen zudem über ein zu geringes Einkommen, um ohne Hilfe – etwa in Form einer Auftraggeberbeteiligung an den Kosten der Absicherung – Altersarmut vorbeugen zu können.

Die Weiterentwicklung des Rentenrechts muss den veränderten Erwerbsbiographien und Arbeitswelt-Anforderungen Rechnung tragen.
Der Wechsel zur Umlagefinanzierung war der große Reformschritt der Rentenversicherung nach dem 2. Weltkrieg, die Integration der Bürger und Bürgerinnen der ehemaligen DDR in die Rentenversicherung der Bundesrepublik war die große Leistung der Sozialversicherung vor 25 Jahren. Die solidarische Öffnung der gesetzlichen Rentenversicherung für Solo-Selbstständige und Arbeitsanbieter in der sich entwickelnden „Plattformökonomie“ steht als nächster Reformschritt erkennbar bevor.

Armutsfestigkeit

Armutsfestigkeit der Rentenversicherung, Lebensstandardsicherung und eine ausreichende Absicherung auch für jene, die nicht bis zum 67. Geburtstag im Erwerbsleben durchhalten können (Abschaffung der Rente mit 67) , gehören zu den zentralen Forderungen der ver.di, die durch unser kontinuierliches Engagement in der Selbstverwaltung gestützt werden.

Cover der Jubiläumsbroschüre "125 Jahre Selbstverwaltung" ver.di  –

Mit einer eigenen Publikation hat ver.di die 125-jährige Geschichte der Selbstverwaltung in der Rentenversicherung gewürdigt. Sie ist unter dem Titel "125 Jahre Selbstverwaltung – Die Geschichte der Selbstverwaltung in der gesetzlichen Rentenversicherung und die Rolle der Gewerkschaften“ erschienen (Bestellschein).

Zudem haben wir ein kleines Geburtstagsgeschenk vorbereitet.

Weitere Informationen auf den Seiten der Deutschen Rentenversicherung.