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Hohe Unzufriedenheit bei philippinischen Pflegekräften in Deutschland

Hohe Unzufriedenheit bei philippinischen Pflegekräften in Deutschland

Nur 17 Prozent der in Deutschland arbeitenden philippinischen Pflegekräfte würden befreundeten Kolleg*innen auf den Philippinen ihren Job empfehlen. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) der Befragten fühlen sich in Deutschland „nicht willkommen“, 64 Prozent fühlen sich fachlich abgewertet. Das ergab eine Befragung der interkulturellen Beraterin Grace Lugert-Jose, die sich auf die Integration ausländischer Pflegefachkräfte in Deutschland spezialisiert hat. 

Foto einer medizinischen Beschäftigten mit Handschuhen, Mund-Nasen-Schutz und Haarnetz neben Titel "Zufriedenheit von philippinischen Pflegefachkräften in Deutschland" Grace Lugert-Jose Studie  – Titel

Nur 12 Prozent der Befragten stimmen der Aussage „Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit meinem Job“ voll zu. Lugert-Jose hatte 109 hier arbeitende Pflegefachkräfte aus den Philippinen befragt. Die Ergebnisse zeigten „erhebliche Schwachpunkte der bisherigen Integrationsbemühungen in Deutschland“, resümiert Lugert-Jose die Ergebnisse ihrer Online-Befragung. Die geringe Zufriedenheit der hier arbeitenden ausländischen Fachkräfte erkläre die hohe Fluktuation, von der viele Arbeitgeber*innen berichten.

Gute Arbeit braucht mehr als formelle Anerkennung von Berufsabschlüssen

Ein zentrales Thema sei der fehlende Respekt und die mangelnde Anerkennung der Kolleg*innen. So stimmten der Frage „Werden Ihre Qualifikationen und bisherige Berufserfahrung in Ihrem derzeitigen Job wertgeschätzt?“ nur 17 Prozent voll zu. Dagegen berichten über die Hälfte der Befragten, dass sie sich bei der formalen Anerkennung ihrer Abschlüsse gut unterstützt fühlten. 

Obwohl in den Fragen der Studie nicht explizit auf Erfahrungen mit Rassismus am Arbeitsplatz abgezielt wird, haben rund 22 Prozent der Kolleg*innen angegeben, entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben. Daher geben 51 Prozent der Befragten an, dass es das Arbeitsklima deutlich verbessern würde, wenn es interkulturelle/anti-rassistische Trainings gäbe. Denn oftmals erscheine die Stammbelegschaft mit der Tatsache überfordert, dass zunehmend ausländische Fachkräfte in Deutschland arbeiten.

Arbeitgeber sind gefordert, wenn sie Fachkräfte halten wollen

Zusammengefasst gibt es neben den bekannten Problemen im deutschen Gesundheitssystem wie der hohen Arbeitsbelastung und der dünnen Personaldecke weitere Bereiche, die die Arbeitszufriedenheit philippinischer Pflegefachkräften beeinträchtigen:

  • Es gibt oft keine gute bis gar keine Einarbeitung.
  • Oft fehlen Ansprechpartner*innen für philippinische Pflegefachkräfte, die ihnen bei Fragen beispielsweise zum deutschen Gesundheitssystem oder administrativen Vorgängen im Betrieb zur Seite stehen können.
  • Es gibt nicht genügend Sprachförderungsmaßnahmen, sodass philippinische Kolleg*innen oft auf sich allein gestellt Deutsch lernen.

All diese Probleme führen dazu, dass sich einige philippinische Kolleg*innen isoliert und allein gelassen führen. Es wird aber auch berichtet, dass Teambuilding-Maßnahmen dazu führen könnten, dass sich die philippinische Kolleg*innen besser eingebundener fühlen. Neben der Forderung nach verbindlichen interkulturellen Trainings und festen Einarbeitungsbeauftragten für zugewanderte Kolleg*innen, gilt es hier, gewerkschaftlich anzuknüpfen. Denn die Organisierung in der Gewerkschaft ist ein wichtiger Schritt, handlungsfähig zu werden und die eigene Situation zu verbessern. Daher ist es erfreulich, dass sich an den aktuellen Tarifrunden auch angeworbene Pflegekräfte aus den Philippinen beteiligen, wie am Uni-Klinikum Bonn.

[10.5.2022]