Nachrichten

Gewerkschaftlicher Jahresauftakt in Mosbach

Gewerkschaftlicher Jahresauftakt in Mosbach

Bericht von ver.di-Bundesvorstandsmitglied Dagmar König

Alle Jahre wieder starten im ver.di-Bildungszentrum Mosbach rund 100 der Mitglieder der ver.di/CDA-AG mit einem Seminar in den Arbeitsalltag – und dies, seit die ÖTV diese Treffen vor nunmehr 50 Jahren ins Leben gerufen hat. Die diesjährige Tagung stand unter dem Motto „Wir sind es Wert! Gerechtigkeit nicht nur für die Arbeitswelt“ und beinhaltete wie immer eine breite Themenpalette und namhafte Referent*innen.

Zu den Themen, mit denen wir uns beschäftigt haben, gehörten sowohl grundsätzliche als auch aktuelle Fragestellungen. Das gewerkschaftliche Hauptreferat hielt Andrea Kocsis, stellvertretende ver.di-Bundesvorsitzende, die zum ersten Mal an einer ver.di/CDA-Tagung teilnahm. Sie beschäftigte sich mit der Darstellung der Entwicklung der Deutschen Post von der Briefpost zum Logistikunternehmen und den damit verbundenen Veränderungen der Daseinsvorsorge, der Arbeitsbedingungen und der gewerkschaftlichen Herausforderungen. Die Tragweite der Post-Privatisierung wurde damit umfassend verdeutlicht.

Mit Elke Hannack, stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende, und Christian Bäumler, stellvertretender CDA-Bundesvorsitzender, versuchten wir uns der Frage nach den christlich-sozialen Herausforderungen zwischen Volkspartei und Einheitsgewerkschaft zu nähern. Später gab es dazu auch einen Arbeitskreis zum Austausch darüber, was unsere Arbeit als Christlich-Soziale in Gewerkschaft, Partei und Kirche prägt – Spannungsfelder, die sich nicht immer auflösen lassen und die es auszuhalten und zu gestalten gilt. Wie und warum diese Zusammenarbeit eine Koalition für Würde und Zusammenhalt sein kann, haben wir im Anschluss mit dem Ethikprofessor Elmar Nass diskutiert – auch um uns wieder einmal zu verdeutlichen, aus welcher Motivation unser Handeln entspringt.

Zur Bedeutung der Einheitsgewerkschaft und der Rolle der Christlich-Sozialen für die Gewerkschaftsbewegung war ein Festvortrag von Frank Bsirske geplant; leider mussten wir darauf verzichten. Ironie des Schicksals: Er scheiterte am Erfolg der ver.di-Arbeit, denn in Berlin wurden die Flughäfen bestreikt, sodass Frank Bsirske keine Chance hatte, rechtzeitig in Mosbach zu sein.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ver.di-Arbeitstagung der CDA/CSA-Mitglieder in der ver.di-Bildungsstätte in Mosbach vom 6.-9.1.2019 ver.di Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars der ver.di/CDA-AG vom 6.-9.1.2019 im ver.di-Bildungszentrum Mosbach

Wichtig war uns wie immer auch der Austausch mit der politischen Ebene, denn schließlich wollen wir ja auch, dass unsere Vorstellungen und Wünsche umgesetzt werden. Gelegenheit dazu bot die Diskussion mit dem Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer, der uns die Handlungsschwerpunkte der Bundesregierung aus Beschäftigtensicht darlegte und zur Diskussion stellte. Bundestagsabgeordneter Sepp Müller wiederum informierte uns über die Lösungsmöglichkeiten für mehr Steuergerechtigkeit gegenüber internationalen Konzernen (sprich: höhere Besteuerung in den Ländern, in denen die Wertschöpfung erfolgt) und die damit verbundenen Probleme, insbesondere dann, wenn es zu keiner gesamteuropäischen Einigung kommt. Über EU-politische Themen zur Arbeits- und Sozialpolitik referierte Christian Bäumler, der im Begleitausschuss Arbeit und Soziales aktiv ist und die schwierigen europäischen Abstimmungen verdeutlichte. 

Dagmar König, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, stellte im Anschluss die Strukturveränderungen in der Organisation vor. Zunächst die auf regionaler Ebene, danach dann auch die, die zu einer Verkleinerung des Bundesvorstandes und der Bündelung der Fachbereiche führen sollen. Verfahrensabläufe wurden ebenso verdeutlicht wie die Vielfalt der Aufgabenbereiche im Bundesvorstand mit Fachbereichen, Querschnittsaufgaben und Personengruppen. Damit wurde auch klar, warum der Bundesvorstand eine Verkleinerung auf 10 Ressorts für sinnstiftend hält und weiteren Abschmelzungen skeptisch gegenübersteht: Strukturveränderungen sollen die Organisation stärken und nicht schwächen, was eine Gefahr bei zu großen Ressortzuschnitten wäre.

Den Abschluss des 3-tägigen Seminars bildete dann die Erarbeitung und Verabschiedung von Beschlüssen, die die Gewerkschafter*innen in die CDA/CDU hineintragen wollen. Auf diese Weise ist schon häufig gelungen, gewerkschaftliche Anliegen im politischen Raum zu platzieren und durchzusetzen. Dafür werden wir uns natürlich auch engagieren: die Themenpalette reicht hier von Allgemeinverbindlichkeitserklärungen über Nachunternehmerhaftung, Aufwertung von Berufserfahrungen, öffentlicher Auftragsvergabe – insbesondere beim ÖPNV – Abschaffung sachgrundloser Befristungen, finanzielle Ausstattung von Kommunen zur Verbesserung der Infrastruktur, Schulgeldfreiheit und Ausbildungsvergütung für Gesundheitsberufe, Deckelung des Eigenanteils für Pflegebedürftige, Bündelung von Sozialleistungen für Kinder- und Jugendliche bis zu verbesserten Bedingungen zur Entgeltumwandlung für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. Damit bringen die Christlich-Sozialen in ver.di wichtige Themen ihrer Gewerkschaft in ihre Partei ein und unterstützen die gewerkschaftlichen Anliegen nachhaltig. Schon manches spätere Regierungshandeln wurde auf diese Art angeregt!

[14.1.2019]