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Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten

Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten

Qualifiziert – nicht nur schnell

Die Integration von Geflüchteten verläuft nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) besser als angenommen. Die Deutschkenntnisse und die Beteiligung am Erwerbsleben als auch an Bildung und Ausbildung haben sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Das geht aus einem Kurzbericht des IABs hervor, der auf einer wiederholten Längsschnittbefragung von Geflüchteten beruht. Laut der Befragung waren rund 20 Prozent der seit 2015 zugezogenen Geflüchteten im Jahr 2017 erwerbstätig. Bis Oktober 2018 ist dieser Anteil auf 35 Prozent gestiegen, wie aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigen.

Wer seine Rechte nicht kennt, kann leichter ausgebeutet werden.

„Die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt geht gut voran“, bilanziert auch IAB-Forscher Herbert Brücker. Er bewertet die Ergebnisse als „Ansporn“, „Geflüchtete bei der Integration in den Arbeitsmarkt mit gezielten Maßnahmen zu unterstützen.“ Denn ohne die besonders notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen besteht die Gefahr, dass sich die Geflüchteten in die „unteren prekären Segmente des Arbeitsmarkts eingliedern,“ darauf verweist auch die Hans-Böckler-Stiftung.

Schaut man sich die Zahlen der Bundesagentur genauer an, zeigt sich, dass fast ein Drittel aller geflüchteten Arbeitnehmenden eine Anstellung in der Arbeitnehmerüberlassung (Zeit- und Leiharbeit) hat. Gefolgt von Beschäftigungsverhältnissen in Unternehmen, die "wirtschaftliche Dienstleistungen" erbringen (zum Beispiel im Reinigungsgewerbe, in der Pflege, im Wach- und Sicherheitsdienste), sowie dem Gastgewerbe. Diese Branchen bieten laut Bundesagentur aufgrund der hohen Fluktuation gute Einstiegsmöglichkeiten in Beschäftigung. Ein schneller Einstieg in den Arbeitsmarkt ist erfreulich, aber gerade in Branchen mit hoher Fluktuation besteht die Gefahr, dass sich Geflüchtete in prekären Arbeitsverhältnissen wiederfinden und hier von Ausbeutung und Missachtung ihrer Arbeits- und Sozialrechte bedroht sind. Das ist in einem interessanten Fact Sheet des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung (IQ)“ nachzulesen.

Faire Integration für Geflüchtete besonders wichtig

Aufgrund ihrer spezifischen Situation sind Geflüchtete besonders gefährdet im Niedriglohnsektor zu landen, sie haben die schwächste Position auf dem Arbeitsmarkt. Migrant*innen sind in Deutschland häufig im Niedriglohnsektor tätig. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fällt der Anteil der Drittstaatsangehörigen und der weiteren Personen mit Migrationshintergrund, die dem Niedriglohnsektor zuzuordnen sind, mit 35,2 Prozent deutlich höher aus als jener herkunftsdeutscher Beschäftigter mit 16,7 Prozent. Die Ergebnisse zeigen auch, dass Migranten, die sich mit Hilfstätigkeiten über Wasser halten, oft über keinen qualifizierten Berufsabschluss verfügen. Deswegen arbeitet das Förderprogramm IQ seit 2005 an der Zielsetzung, „die dauerhafte und qualifizierte Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern.“ Zielgruppe des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Europäischen Sozialfond geförderten Projekt sind sowohl Erwachsene mit Migrationsgeschichte, die in Deutschland leben, als auch Neuzuwander*innen unabhängig vom Aufenthaltsstatus.

Fact Sheet vom Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ) MUT IQ/ebb GmbH

Im Rahmen des Förderprogramms sind bundesweit Beratungsstellen entstanden. In den Beratungsstellen „Faire Integration“ finden geflüchtete Menschen Rat und Informationen zu arbeits- und sozialrechtlichen Fragestellungen. Das bundesweite Beratungsangebot umfasst arbeits- und sozialrechtliche Themen, die direkt mit dem bestehenden Beschäftigungsverhältnis zusammenhängen. Fragen unter anderem zu Lohn, Arbeitszeit, Urlaub, Kündigung, Krankenversicherung werden vor Ort und in der Sprache der zu Beratenden geklärt. Die Kolleginnen in den Beratungsstellen unterstützen geflüchtete Menschen so dabei, sich vor Ausbeutung und Benachteiligung zu schützen und arbeiten eng mit den DGB-Gewerkschaften zusammen.

Die Homepage, die vom Projekt Support Faire Integration inhaltlich betreut wird, ist nun unter www.faire-integration.de online.

Die Seite richtet sich primär an Menschen mit Fluchterfahrung, die sich über die ihnen in Deutschland zustehenden Arbeitnehmer*innenrechte informieren möchten. Neben zentralen Informationen zum Arbeitsrecht beinhaltet die Homepage auch eine Landkarte mit den Kontaktdaten der in allen 16 Bundesländern vertretenen Beratungsstellen von Faire Integration sowie Informationen zu weiteren Unterstützungsmöglichkeiten. Die Seite kann auf drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Arabisch) aufgerufen werden.  

ver.di arbeitet eng mit den Beratungsstellen zusammen und unterstützt unter anderem über die Migrationsausschüsse und das Referat Migration das Projekt (Support) Faire Integration.

[12.2.2019]