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Verantwortung für die eine Welt

Verantwortung für die eine Welt

Dagmar König berichtet von der Tagung christlich-sozialer Gewerkschafter*innen in Mosbach

Schon der Titel der diesjährigen Tagung, Verantwortung für die eine Welt, unterstrich, was auf der gewerkschaftlichen Seite seit Langem gelebt wird: Im Zuge der Globalisierung müssen wir grenzüberschreitend und international unsere Verantwortung wahrnehmen. Gute Beispiele dafür sind die aktuellen Diskussionen um Lieferketten im Handel oder die europaweite Logistik. Eingestiegen sind wir daher mit einem Referat von Ingrid-Gabriela Hoven aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, die in ihrem Vortrag die enge Verknüpfung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lage in den sogenannten Drittländern mit Deutschland hervorhob und die Sinnhaftigkeit der engen Zusammenarbeit betonte. Anhand von Beispielen unterstrich sie die Auswirkungen der Perspektivlosigkeit von Menschen in ihrer Heimat auf Europa und Deutschland.

In einem weiteren Beitrag von Elmar Brok, langjährigem Mitglied des Europäischen Parlaments, wurden die Auswirkungen des Brexits näher betrachtet. Elmar Brok war an den Austrittsverhandlungen persönlich beteiligt und konnte so eine gute Einschätzung der Lage liefern.

Zu den aktuellen politischen Vorhaben der EU in dieser Legislaturperiode aus dem Bereich Arbeit und Soziales referierte Christian Bäumler, ver.di-Mitglied, erster stellvertretender Bundesvorsitzender der CDA und seit 2015 Mitglied des Europäischen Wirtschafts-und Sozialausschuss (EWSA). Neben den Sachinformationen schilderte er äußerst bildhaft die schwierigen Mehrheitsfindungen für Entscheidungen des Ausschusses.

ver.di-Bildungsstätte in Mosbach ver.di ver.di-Bildungsstätte Mosbach

Ein besonderes Highlight für alle Teilnehmenden war der Vortrag des neuen ver.di-Vorsitzenden Frank Werneke, der einen Ausblick auf die zukünftigen Themen gab und sich in der anschließenden Diskussion ein eigenes Bild vom großen Engagement der Kolleg*innen machen konnte.
Er selbst hinterließ jedenfalls einen äußerst positiven Eindruck und bei allen Beteiligten die Zuversicht, dass ver.di von ihm gut in die Zukunft geführt wird.

Im Anschluss ermöglichte Judith Kerschbaumer einen Einblick in das Thema „Alterssicherung und Grundrente“, das zu den größten aktuellen Herausforderungen gehört. Und mit Lothar Schröder, dem ehemaligen Bundesvorstandsmitglied von ver.di, konnten wir einen ausgewiesenen Experten zur Digitalisierung und zur Künstlichen Intelligenz gewinnen. Dieses so komplizierte und scheinbar trockene Thema lebendig und greifbar werden zu lassen, gelingt niemandem besser als ihm. So gab es nicht nur vereinzelte Stimmen, die gerne einen ganzen Tag nur diesem Themenkomplex gewidmet hätten.

Die praktischen Probleme bei der Umsetzung guter politischer Ideen erläuterte Uwe Schummer, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe der Unionsfraktion. Gleichzeitig wies er aber auch auf das schon Erreichte hin und auf die intensiven Bemühungen, sozial- und arbeitsmarktpolitische Vorhaben voranzubringen. Welche das aus Sicht des Sozialflügels der CDU, der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) sein sollten, darauf machte Eva Rindfleisch in ihrem Beitrag aufmerksam. Sepp Müller, ein junger Bundestagsabgeordneter aus Sachsen-Anhalt, berichtete aus der Arbeit vor Ort; insbesondere von dem schwierigen Umgang mit der AfD und den Gesprächen mit Wähler*innen, um ihnen ein realistischeres Bild von der AfD aufzuzeigen.Den Abschluss der Tagung machte traditionsgemäß der Bundesvorsitzende Karl-Josef Laumann, der in seiner unnachahmlichen authentischen Art von Erfolgen und Schwierigkeiten im politischen Alltag berichtete.

Wichtigstes Ergebnis der Tagung waren die Anträge zu unterschiedlichen Themenbereichen.

Dazu gehören Beschlüsse zur bundesweiten Tariftreue und dem Vergaberecht, der Anhebung des Mindestlohns, gegen die Deregulierung der Arbeitszeit, für die Einführung der Grundrente, gegen sachgrundlose Befristungen, für Wohnen als Menschenrecht, für die bundesweit einheitliche Behandlung von Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche, die volle Abzugsfähigkeit von Vorsorgeaufwendungen, die Beachtung ethischer Grundsätze beim Einsatz von KI, die Einführung einer Kindergrundsicherung, die Erhöhung des gesetzlichen Urlaubsanspruches, den Erhalt der werktäglichen Postdienstleistungen und guter Arbeitsbedingungen sowie die Entwicklung einer Wasserstoffstrategie. Alle diese Themen sollen in den politischen Bereich der Unionsfamilie eingebracht und unterstützt werden.

Denn ja, es gibt sie: Zahlreiche Kolleg*innen aus unterschiedlichsten Branchen, die sich bei ver.di organisieren und gleichzeitig einer der Unionsparteien angehören. Vermutlich sind es viel mehr als wir wissen, denn nicht überall wird der Gedanke der Einheitsgewerkschaft aktiv gelebt und nicht überall in der Partei ist gewerkschaftliches Engagement willkommen. Dennoch – oder gerade deshalb – ist es wichtig, dass es die vielen Kolleg*innen gibt. Sie sind unverzichtbare und wertvolle Bindeglieder zwischen Gewerkschaft und Partei und nehmen diese Rolle auch intensiv wahr. Dafür treffen sie sich seit mehr als 50 Jahren jeweils zum Jahresauftakt zu einer Arbeitstagung in Mosbach mit dem Ziel, gewerkschaftliche Themen zu diskutieren, um sie dann in die politischen Entscheidungsebenen einzubringen und voranzutreiben.

[11.2.2020]