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    BAK-Herbsttagung

    BAK-Herbsttagung

    Es ist eine liebgewonnene Tradition geworden: Zweimal im Jahr trifft sich der ver.di-Bundesarbeitskreis Behindertenpolitik/Schwerbehindertenvertretungen (BAK) in Berlin. Die diesjährige Arbeitstagung fand am 20. und 21. Oktober 2022 in den Räumen der Bundesverwaltung von ver.di statt. Ein schöner Ort für ein Wiedersehen der seit Jahren zusammenarbeitenden ehrenamtlichen Schwerbehindertenvertretungen aus den ver.di-Fachbereichen und -Landesbezirken sowie der hauptamtlich für dieses Politikfeld verantwortlichen Kolleg*innen.
     
    Da der Bereich Schwerbehindertenvertretungen, Teilhabepolitik und die Gruppe der Erwerbslosen in der ver.di-Bundesverwaltung aktuell hauptamtlicherseits nicht besetzt ist wurde die Veranstaltung von der Vorsitzenden des BAK Felizitas Ißelmann moderiert und eingeleitet. Die Vorsitzende betonte in ihren Begrüßungsworten, dass sie sich auf die Zusammenarbeit mit den Expert*innen aus der Schwerbehindertenvertretung freue und mit ihnen gemeinsam ein wichtiges Themenfeld der Teilhabepolitik gestalten wolle.

    Um einen Überblick über die Aktivitäten der Landesarbeitskreise zu erhalten, waren diese um Berichte gebeten worden.

    Stellvertretend für alle Landesbezirke sei hier der des LAK Hamburg in Auszügen vorgestellt: In seinem ausführlichen Bericht von regelmäßigen monatlichen Treffen endlich auch wieder in Präsenz wurde auf folgende Inhalte eingegangen: Standards zum kollegialem Austausch und Infos aus dem Sozialrecht. Zu letztem hätte es ein hochinteressantes Referat von Irene Husmann (Beratungsstelle Handicap) zum aktuellen Stand der BEM-Rechtsprechung gegeben. Anlass hierzu sei ein „herumgeisternder Mythos“ um eine Rechtsprechung gewesen, die es angeblich verböte, das BEM von BEM- bzw. Integrationsteams durchführen zu lassen – was nicht der Realität entspräche. (Kleiner Exkurs: Wahr ist vielmehr, dass ein BEM-Team nicht über einen Einigungsstellenspruch erzwingbar ist). Zum anderen sei es um „Die Rolle der SBV“ und ihre jeweiligen Einzelaspekte gegangen.

    Neben den Berichten aus den Bundesfachbereichen und Landesarbeitskreisen sowie einer Information zum aktuellen Stand der SBV-Wahlen stand am ersten Tag der Veranstaltung ein Impulsreferat von Sarah Sahl (Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e.V.) über Digitale Hilfsmittel zur Umsetzung von Barrierefreiheit auf dem Programm. Nach der anschließenden ausgiebigen Diskussion, war zum Abschluss des ersten Tages ein gemeinsames Abendessen organisiert worden, um den Gedanken- und Informationsaustausch fortsetzen und vertiefen zu können. 

    Der zweite Tag der Tagung begann mit einem Impulsreferat über die Auswirkung von Arbeit 4.0 auf Beschäftigte mit unterschiedlicher Qualifikation: Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für Menschen mit Behinderung (Referent: Dr. Dietrich Engels, ISG Köln).

    Er informierte , dass der Anteil der Menschen mit Behinderung, die erwerbstätig sind, weiterhin niedriger ist als dieser Anteil an den Menschen ohne Behinderung. Assistive Technologien können dazu beitragen, dass insbesondere Körper- und Sinnesbehinderungen teilweise ausgeglichen werden, wenn die Umgebung darauf abgestimmt ist; ein vollständiger Ausgleich der Behinderung ist aber nicht möglich.

    Die Digitalisierung verstärkt Barrieren, weil mehr über Bildschirme gearbeitet wird, weil viele Arbeiten schwieriger geworden sind und weil der Zeitdruck gestiegen ist; dies verschlechtert die Beschäftigungschancen von Menschen mit Behinderungen.

    Deswegen ist eine hohe Qualifikation für Menschen mit Behinderungen gut, wenn ihre Einschränkungen dadurch ausgeglichen werden können.

    Schon in der beruflichen Ausbildung muss die Digitalisierung berücksichtigt werden, z. B. durch Training mit PC-Programmen (Büro) und mit computergesteuerten Maschinen (Produktion) sowie Kooperation der Ausbilder mit den Entwicklern assistiver Technologien.

    Nachtrag: In der Zeit der Corona-Pandemie haben sich Formen der digitalen Kommunikation als sehr hilfreich erwiesen. Aber es gab auch Beispiele für eine „digitale Spaltung“ in diejenigen mit und ohne digitale Kompetenzen /Ausstattung, so Dr. Dietrich Engels. Der Vortrag des Experten vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH fand bei allen Beteiligten großen Anklang und führte zu einem regen Austausch, der die Arbeit der Schwerbehindertenvertreter*innen in diesen außergewöhnlichen Zeiten unterstützt und das Ziel der Arbeitstagung war.

    Die Arbeitstagung stand dann im Weiteren ganz im Zeichen der ebenfalls im Herbst Wahlen abgehaltenen Wahlen zur Schwerbehindertenvertretung (SBV). In den Betrieben und Dienststellen haben vom 1. Oktober bis zum 30. November 2022 die SBV-Wahlen stattgefunden. Eine Auswertung der Ergebnisse stellen wir in naher Zukunft auf unsere Internetseite. (https://sbv-wahlen.de).

    [14.12.2022]