Nachrichten

    „Die Welt steht still, wenn Frau es will!“

    „Die Welt steht still, wenn Frau es will!“

    Forderungen und Aktivitäten von ver.di zum Internationalen Frauentag

    Der Internationale Frauentag ist aus der Arbeiterinnenbewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts entstanden. Seither wird an diesem Tag eine besondere Aufmerksamkeit auf den täglichen Kampf der Frauen gelegt, die sich für eine Gesellschaft einsetzen, in der alle unabhängig von Geschlecht, Alter oder Staatsangehörigkeit gleichberechtigt und solidarisch miteinander leben.

    Auf der ganzen Welt stehen Menschen an diesem Tag auf, um für ein solidarisches und selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt, Sexismus, Ausbeutung und Unterdrückung zu kämpfen. So auch in diesem Jahr. Bundesweit waren viele Veranstaltungen von ver.di und dem Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gut besucht. 

    DGB Frauen IFT Frauentag 2020 Logo (fairgüten) DGB Intern. Frauentag 2020

    Der Bundesfrauenrat von ver.di hatte im Vorfeld zu einem Frauen*Streik aufgerufen, der dieses Jahr unter dem Motto „Die Welt steht still, wenn Frau es will!“ stand. Viele ehren- und hauptamtliche Gewerkschaftsaktive von ver.di beteiligten sich vor Ort an den Aktivitäten und unterstützen das Bündnis – außerhalb der Arbeitszeit. In dem bundesweit organisierten Bündnis engagieren sich seit 2019 viele Frauen. Sie verstehen sich als Teil einer internationalen feministischen Bewegung, die sich für mehr Gerechtigkeit und Anerkennung für Frauen in der bezahlten und unbezahlten Arbeit einsetzt.

    Der 8. März 2020 fiel zwar auf einen Sonntag und ist in Berlin seit letztem Jahr ein Feiertag, bestreiken lässt er sich aber trotzdem. Denn unbezahlte Arbeit fällt auch an Sonn- und Feiertagen an und es gibt genügend Jobs, die immer gemacht werden müssen: Kinder betreuen, Leute bedienen, Straßenbahn fahren, Radio machen, Kranke versorgen.

    Und was hilft außerdem im Kampf für echte Gleichberechtigung? Eine starke Gewerkschaft!

    An diesem Tag konnten wir den Fokus außerdem auf die Bedeutung von Tarifverträgen und Tarifbindung speziell für Frauen legen. Gemeinsam mit dem DGB haben wir im Vorfeld die wichtigsten Punkte der Tarifbindung für das feministische Projekt formuliert, die wir hier noch einmal deutlich machen wollen:

    • Wir fordern mehr Tarifbindung, denn wo Tarifverträge gelten, schrumpft die Entgeltlücke!
    • Wir engagieren uns für mehr Tarifbindung vor allem auch in den Branchen, in denen überwiegend Frauen arbeiten, um gute Voraussetzungen für die partnerschaftliche Verteilung von Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern zu schaffen!
    • Soziale, personenbezogene und haushaltsnahe Dienstleistungen müssen durch Tarifverträge aufgewertet werden und prekäre Beschäftigung gehört zurückgedrängt!
    • Wir wollen die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen erleichtern, damit alle Beschäftigten einer Branche von tariflichen Regelungen profitieren – auch wenn ihr Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist!
    • Öffentliche Aufträge und Fördergelder sollen nur an Unternehmen vergeben werden, die nach Tarif zahlen und gute Arbeitsbedingungen bieten, denn mit unseren Steuergeldern darf kein Lohndumping finanziert werden!
    • Arbeitgeber sind zu verpflichten, ihre Entgeltpraxis zu überprüfen und Benachteiligung abzubauen!
    • Wir erwarten bessere Zutrittsrechte für Gewerkschaften in den Betrieben, damit sie sich dort für Beschäftigte und Betriebs- und Personalräte einsetzen können!
    • Wir brauchen endlich ein Verbandsklagerecht, um gemeinsam die Rechte von Beschäftigten durchzusetzen und dies nicht jedem/r Einzelnen aufzubürden!

     

    Equal Pay Day steht bevor

    Allein diese Liste zeigt, es bleibt noch viel zu tun, um eine geschlechtergerechte und soziale Zukunft für alle zu erstreiten. Der nächste Aktionstag ist schon am 17. März 2020. An diesem Tag, dem sogenannten Equal Pay Day, lenken wir die Aufmerksamkeit auf die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern. Laut eines aktuellen Datenreports zur Gleichstellung der Hans-Böckler-Stiftung verdienen Frauen in Deutschland weiterhin deutlich weniger als Männer. Der Lohnunterschied liegt bei rund 17 Euro pro Stunde und somit bei 21 Prozent. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Zugleich wenden sie mehr Zeit auf für unbezahlte Aufgaben wie Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen. Kein Wunder, dass Frauen oft auch im Alter finanziell deutlich schlechter gestellt sind als Männer. Im Schnitt bekommen sie nicht einmal die Hälfte der Leistungen der Männer, wenn gesetzliche, betriebliche und private Rente zusammengerechnet werden, heißt es in der Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Das ist nicht länger hinnehmbar. Nicht nur am Equal Pay Day machen wir gemeinsam mit zahlreichen Verbündeten auf diese dramatische Schieflage aufmerksam. Wir setzen uns für eine Umverteilung unbezahlter Arbeit und die Aufwertung von sogenannten „Frauenberufen sowie für eine faire Bezahlung und Behandlung am Arbeitsmarkt ein – und machen uns besonders für diejenigen stark, die von Mehrfachdiskriminierungen betroffen sind.

    [09.3.2020]