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    Jahresrückblick auf den Arbeitsmarkt

    Jahresrückblick auf den Arbeitsmarkt

    Im zurückliegenden Jahr haben vor allem die Auswirkungen des völkerrechtswidrigen Krieges von Putin gegen die Ukraine die (welt-)politischen Diskussionen und das politische Tagesgeschäft überlagert: Drastische Inflationssteigerungen, zunehmende Unsicherheiten und die durch den russischen Angriff erzwungene Fluchtmigration haben auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchaus Spuren hinterlassen. Allerdings galt, – wie schon in den unterjährigen Berichten aus der Nürnberger Zentrale der Bundesagentur für Arbeit (BA) herauszulesen war – und gilt erfreulicherweise auch weiterhin:
     
    Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt stabil. Die Auswirkungen der russischen Aggression fallen vergleichsweise moderat aus.
     
    Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen ab

    Jahresdurchschnittlich waren 2022 knapp 2,42 Mio Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen – ein Minus in Höhe von 195.000 gegenüber dem Vorjahr. In relativen Zahlen folgt daraus eine Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt von 5,3 Prozent nach 5,7 Prozent für 2021.
     
    Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in sogenannten Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, sank ebenfalls: Im Jahresdurchschnitt lag sie bei knapp 3,17 Mio (181.000 weniger als 2021).
     
    Nach Einschätzungen der BA beruhen die benannten Rückgänge auf der günstigen Entwicklung im Vorjahr und in der ersten Jahreshälfte 2022 – die statistische Erfassung von geflüchteten Menschen aus der Ukraine führte dann allerdings ab der Jahresmitte zu einem Anstieg bei Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung.

    Kurzarbeit deutlich niedriger als 2021

    Auch im Jahr 2022 musste der Arbeitsmarkt durch den Einsatz des Instrumentes Kurzarbeit gestützt und stabilisiert werden, auch wenn die tatsächliche Inanspruchnahme im Vergleich zu den „Corona-Jahren“ 2020 und 2021 deutlich abgenommen hat. Die andauernde Energiekrise hat schließlich im zweiten Halbjahr zu einer erneut höheren Inanspruchnahme der Kurzarbeit geführt, der daraus abgeleitete geschätzte Anspruch liegt damit immer noch höher als im Vor-Coronajahr 2019.
     
    Nach einer ersten Schätzung der Statistik der Bundesagentur für Arbeit betrug die jahresdurchschnittliche Kurzarbeiterzahl 2022 insgesamt rund 430.000, nach 1,85 Mio in 2021 und 2,94 Mio in 2020. Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren jahresdurchschnittlich nur 145.000 Kurzarbeitende registriert.
     
    Der durchschnittliche Arbeitszeitausfall für alle Kurzarbeitenden belief sich 2022 geschätzt auf 37 Prozent der normalen Arbeitszeit, woraus sich ein Beschäftigtenäquivalent von rund 160 000 gesicherten Arbeitsplätzen und (vorübergehend) verhinderter Arbeitslosigkeit errechnet. Zur Einordnung: 2021 betrug der Arbeitszeitausfall 48 Prozent (Beschäftigtenäquivalent 886.000), nach 41 Prozent (knapp 1,22 Mio) im Jahr 2020, aber nur 33 Prozent und 48 000 „ohne Corona“ 2019.

    Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung deutlich gestiegen

    Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg nach Angaben der BA im Vorjahresvergleich von Juni 2021 auf Juni 2022 um 643.000 auf 34,45 Mio an. Damit liegt sie um 1,04 Mio über dem Wert aus dem Juni im Vor-Corona-Jahr.
     
    Die geringfügig entlohnte Beschäftigung (also, die nicht umfänglich sozialversicherten sogenannten Minijobs) wies im Vergleich zum Vorjahr bedauerlicherweise einen Zuwachs auf: Im Vergleich zum Vorjahres-Juni stieg sie um 198 000 auf 7,36 Mio im Juni 2022 – wobei die Zunahme insbesondere auf eine wachsende Anzahl von Nebenjobs zurückzuführen ist.

    Arbeitskräftenachfrage auf sehr hohem Niveau

    Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitenden lag 2022 – trotz großer wirtschaftlicher und politischer Unwägbarkeiten – auf sehr hohem Niveau. Zwar nahm sie in der zweiten Jahreshälfte spürbar ab – sie lag insgesamt aber mit jahresdurchschnittlich 845.000 gemeldeten Arbeitsstellen um 139.000 Stellen höher als 2021.

    Nachholbedarf bei der Aktiven Arbeitsförderung

    Im Jahresdurchschnitt 2022 befanden sich (hochgerechnet) 716.0000 Personen in einer von Bund oder der BA geförderten „arbeitsmarktpolitischen Maßnahme“. Damit ging die Anzahl der Förderungen um 7 Prozent (52.000) im Vorjahresvergleich zurück – im Vergleich zu 2019 sogar um 18 Prozent (157.000).
     
    [17.1.2023]