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    Türkeistämmige sind fester Bestandteil der deutschen Geschichte

    Türkeistämmige sind fester Bestandteil der deutschen Geschichte

    60. Jahrestags der Unterzeichnung des Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei

    Am 30. Oktober 1961 wurde das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei unterzeichnet. Anlässlich des 60. Jahrestags der Unterzeichnung fanden eine Vielzahl von Veranstaltungen statt, die daran erinnerten, dass dieser Teil der deutschen Geschichte endlich einen zentralen Platz im nationalen Gedächtnis und in den Schulbüchern finden müsse. Der Bundespräsident griff diesen Gedanken bei der zentralen Feier der Türkischen Gemeinde in Deutschland am 5. Oktober 2021 in Berlin mit einem eindrucksvollen Satz auf: 

    „Nicht einzelne Menschen haben, sondern Deutschland insgesamt hat einen Migrationshintergrund“, so fasste Frank-Walter Steinmeier die gesellschaftliche Entwicklung zusammen, die Deutschland durch die Einwanderung der so genannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter verändert habe. Eine besondere Erwähnung fanden dabei die Gewerkschaften, waren sie doch vielfach die ersten politischen Organisationen, in denen eingewanderte und einheimische Menschen sich auf Augenhöhe begegneten. 

    Wie ambivalent und mitunter widersprüchlich dieser Prozess bis heute verläuft, war auch das Thema der Veranstaltung, die der Deutsche Gewerkschaftsbund am 30. Oktober 2021 anlässlich der Unterzeichnung in einem Livestream durchführte. Unter dem Titel „60 Jahre Anwerbeabkommen und seine Auswirkungen auf die Teilhabe von Eingewanderten in Gewerkschaften“, diskutierten türkeistämmige Gewerkschafter*innen mit Anja Piel aus dem DGB-Bundesvorstand über ihre Erfahrungen in den Gewerkschaften und ihr Ankommen in Deutschland. 

    Im Rahmen eines Beitrages von Dr. Simon Goeke (Ludwig-Maximilians-Universität München) wurde die historische Dimension der Anwerbung nach Deutschland beleuchtet, und welche selbstermächtigende Position insbesondere die Gewerkschaften diesbezüglich einnahmen (mehr dazu: www.erinnerungskulturen.boeckler.de)

    Anschließend verlieh Anja Piel die höchste Auszeichnung des DGB, die Hans-Böckler-Medaille, an verdiente türkeistämmige Gewerkschafter*innen aus der Phase der Anwerbung. Dazu gehörte Erdogan Kaya, ehemaliger Personalrat der Berliner Verkehrsbetriebe und langjähriger Vorsitzender des ver.di-Bundesmigrationsausschusses. Kaya machte in seinem Beitrag deutlich, dass es aufgrund des Rechtsrucks und der vielen Barrieren denen Menschen mit Einwanderungsgeschichte noch immer in der Gesellschaft begegnen, politische Maßnahmen und Konzepte brauche, um die Repräsentation und die Vielfalt zu steigern – auch in den Gewerkschaften:

    „Unten sind wir bunt, aber nach oben hin immer blasser, das muss sich ändern. Das sind wir den vielen Menschen schuldig, die für Demokratie und die Verbesserung der Lebensbedingungen aller Beschäftigten in den Gewerkschaften gekämpft haben.“ 

    Die Veranstaltung kann auf der Webseite des DGB angeschaut werden.

    [10.11.21]