Rückblick: Das Jahr 2023 auf dem Arbeitsmarkt

23.01.2024

Am 3. Januar lud die Bundesagentur für Arbeit (BA) zur ersten Arbeitsmarkt-Pressekonferenz des neuen Kalenderjahres ein. Die Vorstandsvorsitzende der BA, Andrea Nahles, führte dabei – wie gewohnt – durch die Arbeitsmarktzahlen des zurückliegenden Monats (Dezember 2023). 

Zudem zog Nahles eine erste Bilanz für das 2023 aus arbeitsmarktlicher Perspektive und fasste die Lage folgendermaßen zusammen: 

Wenn wir auf das Jahr 2023 zurückblicken, sehen wir, dass die schwache Konjunktur nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorüber gegangen ist. Gemessen am Ausmaß der Belastungen und Unsicherheiten behauptet sich der Arbeitsmarkt aber nach wie vor gut: Erwerbstätigkeit und Beschäftigung sind so hoch wie nie zuvor und auch 2023 zählt zu den Jahren mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung“. 

Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit: Deutlicher Anstieg 

Die Unterbeschäftigung, die konsequenterweise Personen in Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, stieg gegenüber 2022 um 264.000 auf 3.449.000 [Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich um 191.000 auf 2.609.000 Menschen.] Nach Interpretation der BA beruhen die Anstiege besonders auf der schwachen Wirtschaftsentwicklung, die es arbeitslosen Menschen schwer machte, eine neue Stelle zu finden. 

Kurzarbeit: Moderates Niveau 

Auch 2023 musste der Arbeitsmarkt durch den Einsatz von Kurzarbeit gestützt werden. Allerdings hat die Inanspruchnahme im Vergleich zu 2022 abgenommen – im Vergleich zu den „Corona-Jahren“ 2020 und 2021 sogar deutlich abgenommen. 

Die BA-Statistik schätzt die jahresdurchschnittliche Kurzarbeiterzahl 2023 (inklusive Saison- und Transfer-KuG) insgesamt auf rund 220.000 - nach 426.000 im Jahr 2022. Bei einem durchschnittlichen Arbeitsausfall von etwa 31 Prozent (2022: 37 Prozent) hat der Einsatz von Kurzarbeit rechnerisch die Arbeitsplätze von rund 69.000 Beschäftigten (2022: 160.000) gesichert und so deren (vorübergehende) Arbeitslosigkeit verhindert. Zur Einordnung mit Blick auf die Corona-Pandemie: 2021 betrug der Arbeitszeitausfall 48 Prozent (Beschäftigtenäquivalent 886.000), nach 41 Prozent (1,22 Mio.) im Jahr 2020, aber nur 33 Prozent und 48.000 „ohne Corona“ 2019. 

Erwerbstätigkeit: Nur noch leichter Anstieg 

Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Erwerbstätigkeit (nach dem Inlandskonzept) im Jahresdurchschnitt um 333.000 (entspricht 0,7 Prozent) auf 45,93 Mio. gewachsen. Dabei entwickelten sich die verschiedenen Formen der Erwerbstätigkeit unterschiedlich: Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die geringfügig entlohnte Beschäftigung nahmen zu; die Selbständigkeit ging zurück: 

  • Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (von Juni 2022 auf Juni 2023): +264.000 (0,8 Prozent) auf 34,71 Mio. gestiegen. Der Anstieg beruht sowohl auf mehr Vollzeit- als auch mehr Teilzeitbeschäftigung.
  • Vollzeitbeschäftigung ist im Juni 2023 gegenüber dem Vorjahr um 84.000 (0,3 Prozent) auf 24,28 Mio. gestiegen, Teilzeitbeschäftigung um 180.000 (1,8 Prozent) auf 10,43 Mio..
  • Sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung hat sich weiter erhöht: 2023 auf 30,0 Prozent, nach 29,7 Prozent im Jahr 2022. 2013 hatte der Anteil 25,1 Prozent und 2003 17 Prozent betragen.
  • Die Selbständigkeit ist nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes 2023 jahresdurchschnittlich um 30.000 oder 0,8 Prozent auf 3,88 Mio. gesunken. 

Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten hat sich erhöht. Im Juni 2023 waren 4,27 Mio. Personen ausschließlich als Minijobber*innen beschäftigt, gegenüber dem Vorjahr waren das 102.000 bzw. 2,5 Prozent mehr. 

Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die zusätzlich einen geringfügig entlohnten Nebenjob ausüben, hat sich erhöht. Im Juni 2023 hatten 3,34 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Nebenjob, 148.000 oder 4,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damit haben 9,6 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen solchen Nebenjob; 2022 hatte der Anteil 9,3 Prozent betragen, während es 2013 lediglich 7,9 Prozent waren. 

Arbeitskräftenachfrage: Nachlassend 

Der abnehmende Trend der zweiten Jahreshälfte 2023 bei der gemeldeten Nachfrage nach neuen Mitarbeitern setzte sich 2023 fort. Dennoch ist der Kräftebedarf im langjährigen Vergleich weiterhin hoch. Mit einem jahresdurchschnittlichen Bestand an 761.000 gemeldeten Arbeitsstellen lag die Arbeitskräftenachfrage 2023 um 84.000 niedriger als im Jahr 2022. 

Auch die Stellenzugänge, ein besserer Indikator für aktuelle Einstellungsbereitschaft der Betriebe, gingen aufgrund der schwachen Konjunktur zurück. In Summe wurden 2023 mit 1.633.000 Stellen 251.000 weniger gemeldet als noch 2022. 

Arbeitsmarktpolitische Instrumente: Deutlich unter Vor-Corona-Niveau 

Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zielen darauf ab, Erwerbslose nachhaltig in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu integrieren. Um eine dauerhafte Beschäftigung zu sichern, sollen Beschäftigungschancen erweitert und Beschäftigungsfähigkeit erhalten werden. Die Investition in Beschäftigungsfähigkeit legt den Grundstein zur Prävention von Arbeitslosigkeit, gleichzeitig kann ein Beitrag zur Deckung des Fachkräftebedarfs geleistet werden. 

Im Jahresdurchschnitt 2023 befanden sich (hochgerechnet) 698.000 Personen in einer geförderten arbeitsmarktpolitischen Maßnahme. Das waren 17.000 (2 Prozent) weniger Förderungen als im Jahr 2022 und sogar 176.000 (20 Prozent) weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019. Im Jahresdurchschnitt 2023 wurden 368.000 der Teilnehmer*innen aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung gefördert; 329.000 haben an Maßnahmen teilgenommen, die aus Mitteln der Grundsicherung für Arbeitsuchende getragen wurden.

[23.1.2024]